Jerusalem

Kritik an möglicher Yad-Vashem-Nachfolge

Effi Eitam Foto: Flash90

Über die Benennung des Nachfolgers von Yad-Vashem-Leiter Avner Shalev (81) ist eine heftige Debatte ausgebrochen. Für das Amt vorgeschlagen ist der nationalreligiöse Hardliner Effi Eitam (68), einstiger Brigadegeneral und ehemaliges Knesssetmitglied. Verbände von Schoa-Überlebenden äußerten die Sorge, dass die Institution Schaden nehmen könnte.  

RHETORIK Eitam hatte mit harscher Rhetorik Schlagzeilen gemacht. So forderte er beispielsweise, dass den israelischen Arabern das Wahlrecht entzogen werden sollte, und schlug eine Vertreibung der Palästinenser aus dem Westjordanland vor. Außerdem ist er Verfechter der Expansion jüdischer Siedlungen auf Palästinensergebiet.

Eitams Ernennung war von Zeev Elkin, dem Minister für höhere Bildung und Wasserwirtschaft (Likud) vorgeschlagen worden. Es heißt, dass Regierungschef Benjamin Netanjahu die Besetzung unterstützt. Politische Motive wies Elkin zurück.

»Yad Vashem hat sich zur angesehensten Institution für Holocaust-Gedenken entwickelt. Das darf nicht gefährdet werden.«

Colette Avital

Eitam selbst sagte der Nachrichtenagentur AP, dass er sich nicht erinnere, die in der Kritik stehenden Aussagen getätigt zu haben. Er sieht sich als jemanden, der für Einheit und Konsens sorgt. »Die Leute, die verantwortlich sind, werden zweifelsohne alle Aspekte der Nominierung in Betracht gezogen haben und ihre Wahl entsprechend treffen«, ist er sicher.

SCHADEN Die Vorsitzende des Dachverbandes der Organisationen für Schoa-Überlebende in Israel, Colette Avital, erklärte hingegen, sie halte die Nominierung Eitams für äußerst problematisch. Sie rief Minister Elkin auf, die Entscheidung zu überdenken. Es gehe dabei nicht um Politik, betonte Avital.

Aber man sorge sich, dass die Institution Schaden nehmen könne durch mangelnde diplomatische, sprachliche, finanzielle und fachliche Kenntnisse des Kandidaten. Yad Vashem habe sich zu einer der angesehensten und verlässlichsten Institution für Holocaust-Gedenken entwickelt. »Das darf nicht gefährdet werden.«

»Wir sind der Ansicht, dass die Kriterien für die Wahl eines Vorsitzenden professionell und ohne politische Erwägungen sein müssen«, so die Leiterin des für 55 Organisationen zuständigen Dachverbandes. Mit Eitam indes mache man sich angreifbar für Kritik.

MINORITÄTEN »Yad Vashem ist wirklich die Verkörperung einer Institution, die für Minoritäten spricht«, so die einstige Diplomatin. Es sei sehr schwer, derartige Aussagen (von Eitam) zu akzeptieren.» Es gebe genug Leute, die den Holocaust leugnen.:«Und sie könnten dann argumentieren: ‚Wie kann jemand für die Schoa-Überlebenden sprechen, der so etwas über Araber sagt?‘»

Die unpolitische Institution Yad Vashem wolle sich nicht in die Debatte um die Nachfolge ihres Vorsitzenden einmischen. Dafür seien der Premierminister und der entsprechende Minister zuständig, heißt es aus der Presseabteilung.

Der derzeitige Leiter der Direktion von Yad Vashem, Avner Shalev, hatte angekündigt, in den Ruhestand gehen zu wollen. Er leitet die Gedenkstätte seit 27 Jahren und ist in der israelischen Bevölkerung, bei Politikern aus dem In- und Ausland sowie Holocaust-Überlebenden hoch angesehen.

Tel Aviv/Lod

Ben Gurion Airport: Nur jeder dritte Flug startet pünktlich

Die auf dem Flughafen geparkten Tanker der US-Luftwaffe sind nur einer von mehreren Gründen für ständige Verspätungen

 31.07.2026

Libanon

Reaktion auf Drohnenangriff: Israel sprengt Hisbollah-Tunnelsystem

Auslöser für die nun erfolgte Zerstörung sei ein Drohnenangriff der Hisbollah am Mittwoch gewesen, erklären Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz

 31.07.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026

Tel Aviv

»Und dann musste ich mein eigenes Grab schaufeln«

Über zwei Jahre lang war Evyatar David in Gewalt der Hamas. Jetzt berichtet er davon, wie er – ausgezehrt und geschwächt – sein eigenes Grab ausheben musste

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kairo

Verhandler sollen Fortschritte bei Hamas-Entwaffnung gemacht haben

Die Hamas signalisiert Bereitschaft, ihre Waffen unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung zu stellen. Im Gegenzug fordert sie einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Investition

Finanzierung für Stadtbahn im Norden steht

Von Haifa nach Nazareth mit der Bahn? Ab 2029 soll dies möglich sein. Das Projekt kostet viel Geld

 30.07.2026

Gaza

Zukunft ungewiss

Seit Monaten stagniert Trumps Gaza-Plan. Können ein israelisches Pilotprojekt in Rafah und das versprochene Ende der Hamas-Regierung daran etwas ändern? Eine Analyse

von Joshua Schultheis  30.07.2026