Jerusalem

Knessetsprecher Edelstein tritt zurück

Israels Gesundheitsminister Yuli Edelstein (Likud) Foto: Flash90

Nicht nur das Coronavirus stürzt Israel in eine tiefe Krise: In der Knesset tobt dieser Tage außerdem ein Machtkampf zwischen den Parteien. In einem vorläufigen Höhepunkt des Eklats ist am Mittwochmorgen Knessetsprecher Yuli Edelstein (Likud) zurückgetreten. Er legte sein Amt aus Protest gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofs nieder.

Abstimmung Das Gericht hatte am Montag beschlossen, dass Edelstein bis Mittwoch eine Wahl zu seinem Amt in der Knesset erlauben muss. Die Richter nannten seine tagelange Taktik, eine Abstimmung zu blockieren, »unrechtmäßig und antidemokratisch«. Der Likud von Premier Benjamin Netanjahu jedoch wollte das Urteil ebenso nicht hinnehmen und rief zum Boykott der Knesset auf.

Bei einer Abstimmung hätte Edelstein seine Position mit großer Wahrscheinlichkeit verloren, denn Blau-Weiß kann voraussichtlich 61 Sitze auf den Kandidaten aus ihren Reihen, Meir Cohen, vereinen.

Rücktrittsrede »Der Gerichtshof unterminiert das Fundament der Demokratie«, beklagte Edelstein in seiner Rücktrittsrede. »Ich werde nicht erlauben, dass Israel zu einer Anarchie verkommt.«

Als jemand, der einen persönlichen Preis bezahlt habe, um in Israel zu leben, müsse er sich nicht erklären, führte er aus. Edelstein stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und war dort im Gefängnis. Zum Ende seiner Ansprache rief er zu einer Einheitsregierung zwischen Likud und Blau-Weiß auf.

Die jedoch scheint dieser Tage wenig wahrscheinlich. Denn die Fronten zwischen den Seiten verhärten sich zusehends. Während es zunächst hieß, dass Edelsteins Rücktritt erst nach 48 Stunden wirksam und eine Abstimmung auf die nächste Woche vertagt werde, heißt es jetzt in israelischen Medien, dass der Vorsitzende der Zentrumsunion Blau-Weiß, Benny Gantz, dies nicht hinnehmen wolle.

Blau-Weiß machte deutlich, dass es eine Verschiebung der Wahl eine Missachtung des Obersten Gerichts bedeute.

In einer außergewöhnlichen Szene soll Gantz zum Büro von Edelstein gegangen sein und ihn persönlich aufgefordert haben, das Plenum zu eröffnen, damit eine Wahl stattfinden kann. Blau-Weiß machte deutlich, dass es sich ansonsten um eine Missachtung des Obersten Gerichts handele.

Das Urteil lautete, »dass der Knessetsprecher bis spätestens Mittwoch eine Wahl ermöglichen muss«.  Die Anti-Korruptions-Organisation »New Contract« hat bereits eine Petition beim Gerichtshof eingereicht, dass die Wahlen noch heute abgehalten werden müssen.

Kriegserklärung Ofer Shelach von Blau-Weiß nannte den Rücktritt eine »Kriegserklärung an die Demokratie«. Seine Amtsniederlegung bedeutet nicht, dass er das Urteil nicht vollziehen muss, erläuterte der neue Vorsitzende des Corona-Krisenkomitees. »Wir werden nicht nachgeben.«

Einer der Top-Verbündeten Netanjahus, Miki Zohar vom Likud, forderte von seinem Chef, unter diesen Umständen »auf keinen Fall eine große Koalition mit Blau-Weiß einzugehen«.

Meinung

Der Weg zum Frieden in Nahost führt über Riad

Donald Trump sieht in Saudi-Arabien zunehmend einen privilegierten Partner der USA. Die Israelis müssen gemäß dieser neuen Realität handeln, wenn sie ein Abkommen mit dem mächtigen Ölstaat schließen wollen

von Joshua Schultheis  29.11.2025 Aktualisiert

Portrait

Die Frau, die das Grauen dokumentieren will

Kurz nach dem 7. Oktober 2023 gründete die israelische Juristin Cochav Elkayam-Levy eine Organisation, die die Verbrechen der Hamas an Frauen und Familien dokumentiert. Unser Redakteur sprach mit ihr über ihre Arbeit und ihren Frust über die Vereinten Nationen

von Michael Thaidigsmann  29.11.2025

Jerusalem

Koalition stoppt Zusatzhilfen für freigelassene Geiseln

In der Knesset lehnt die Regierungsmehrheit hat einen Gesetzentwurf der Opposition ab, der Betroffenen eine sofortige finanzielle Unterstützung zusichern sollte

 29.11.2025

Nachrichten

Wetter, Geiselforum, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  29.11.2025

Nahost

Siedlergruppe dringt nach Syrien ein: IDF nimmt acht Personen fest 

Mehrere Menschen überqueren die Grenze. Medien zufolge wollen sie im Nachbarland eine Siedlung gründen. Es ist nicht ihr erster Versuch

 28.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Wirtschaft

Wenn Krembo zum Luxus wird

Die Lebenshaltungskosten steigen weiter. Mittlerweile befürchtet ein Drittel aller Israelis, sich bald nicht mehr ausreichend Lebensmittel leisten zu können

von Sabine Brandes  28.11.2025

Medien

Krieg an vielen Fronten

Israelische Journalisten spielen seit dem 7. Oktober eine undankbare Rolle. Sie sind der Wahrheit verpflichtet, aber nicht jeder im Land will wirklich sehen und hören, was ist

von Susanne Stephan  28.11.2025

Luftfahrt

Wizz Air will eigene Basis in Israel eröffnen

Nach dem Rückzug von RyanAir vom Ben-Gurion-Flughafen will Wizz Air dort kräftig investieren. Die Regierung erhofft sich dadurch sinkende Ticketpreise

 28.11.2025