IDF-Offizierin

»Keine Zeit für Angst«

Maya Amitzur Foto: IDF

Maya, wo sind Sie stationiert, und was genau tun Sie in der Armee?
Ich diene in der Ephraim-Brigade, die liegt im Westjordanland rund 20 Minuten von Tel Aviv und zehn von der Stadt Rosch Ha’ayn entfernt. Es ist praktisch der letzte Schutzwall, bevor ein Terrorist aus dem palästinensischen Gebiet in die großen Städte gelangen könnte. Meine Aufgabe ist es, mit den Kommandanten der Brigade zu kommunizieren und dann die Einsatzkräfte anzuweisen, was sie zu tun haben. Meine neueste Aufgabe hat mit den Angriffsmissionen zu tun.

Dann haben Sie jeden Tag mit Gewalt zu tun. Ist das nicht belastend?
Ja, Gewalt gibt es hier ständig. Aber ich sehe das als Herausforderung und besondere Erfahrung an, durch die ich für das Leben lerne. Denn ich komme aus Tel Aviv, und mein Alltag hier in der Armee hat mit dem in der Stadt wenig zu tun. Es ist wirklich eine völlig andere Welt.

Und die Angst?
Ich habe keine Angst, sie verwandelt sich im Ernstfall immer in ein Agieren. Wenn es einen Zwischenfall gibt, denkt man einfach nicht nach. Es gibt klare Anweisungen, nach denen man handelt. Durch meine Tätigkeit schütze ich die Zivilbevölkerung und meine Kameraden in der Gegend vor Terroristen, das ist, was zählt. Zögern kann man dabei nicht, denn es geht meist um Leben und Tod. Aber meine Familie in Tel Aviv hat definitiv Angst um mich. Wir sprechen viel darüber.

Wie gehen Sie damit um, dass viele der palästinensischen Angreifer junge Menschen sind wie Sie, oder sogar Teenager?
Das ist wirklich schwierig für mich. Während der Woche allerdings kommt man bei der Armee nicht wirklich zum Nachdenken. Man ist immer in diesem Zyklus der Aufgaben, wir schlafen auch nicht besonders viel. Wenn ich allerdings nach Hause fahre, etwa am Wochenende, dann kommen diese Gedanken oft hoch und gehen mir durch den Kopf. Es belastet mich schon.

Eine persönliche Einschätzung – wie lange kann diese Welle der Gewalt mit den ständigen Anschlägen noch andauern?

Es muss ein Ende finden, und zwar schnell. Wie, das weiß ich nicht. Aber sicher ist, dass es enden muss. Das meinen übrigens alle hier.

Mit der 22-jährigen Offizierin der Ephraim-Brigade sprach Sabine Brandes.

Gesellschaft

Exodus der Ärzte

Studie: Seit 2023 haben rund 1.370 Mediziner Israel verlassen, darunter zunehmend erfahrene Fachärzte

von Sabine Brandes  06.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

Jerusalem

Oberstes Gericht kippt Festnahmeverbot für ultraorthodoxe Wehrdienstverweigerer

Das im Sommer verabschiedete Moratorium verstößt nach Ansicht der Richter gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Staat dürfe bei der Strafverfolgung keine unzulässigen Ausnahmen machen

 06.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026