Diplomatie

Jenseits von Afrika

Benjamin Netanjahu in Liberia Foto: Flash 90

Berechtigter Optimismus in Israels Außenministerium. »Weiterhin bleiben wir zuversichtlich, dass Israels Rückkehr nach Afrika ungebrochen fortgesetzt wird«, teilte das Amt Ende Oktober mit, als der Afrika‐Israel‐Gipfel in Lomé, der Hauptstadt des westafrikanischen Togo, verschoben werden musste.

Israels Premier Benjamin Netanjahu, der in Personalunion Außenminister ist, wollte dort auftreten, wenn Vertreter zahlreicher afrikanischer Länder sowie des jüdischen Staates sich über Technologie, Entwicklung und Sicherheit austauschen und neue Projekte anstoßen. Auch die einflussreiche jüdisch‐amerikanische Lobby‐Organisation AIPAC hatte ihr Kommen angekündigt.

Der Grund für die Verschiebung hat aber nicht – wie es in früheren Jahrzehnten gut möglich gewesen wäre – damit zu tun, dass eine Kooperation Israels oder der AIPAC mit afrikanischen Regimen unmöglich schiene. Vielmehr sagte Togos Präsident Faure Gnassingbé zunächst ab, weil sich die Proteste gegen seine demokratisch nicht legitimierte Endlosherrschaft gerade häufen.

Renommee Wo früher der antiisraelische Einfluss arabischer Régime groß war, in Afrika und Lateinamerika, hat Israel mittlerweile ein gutes Standing. Das Land, dem Kritiker nachsagen, gar keine eigenständige Außenpolitik zu betreiben, hat auf dem Wege der Diplomatie und der Wirtschaftsbeziehungen viel gegen seine weltpolitische Isolation unternehmen können.

Fast 30 Jahre war Israel in Afrika nicht mehr richtig präsent. Dabei hatte alles einmal so gut angefangen. Ende der 50er‐Jahre, als die meisten Länder sich von der Kolonialherrschaft befreiten, herrschte dort geradezu eine Israel‐Euphorie. Der jüdische Staat war ebenfalls erst wenige Jahre zuvor unabhängig geworden und galt als so etwas wie der goldene Mittelweg zwischen Kapitalismus und Kommunismus.

Und 1958, nach ihrer spektakulären Afrikareise, rief Golda Meir mit Unterstützung von Ministerpräsident David Ben Gurion »Mashav« ins Leben, eine Behörde für Entwicklungshilfe. Tausende israelische Experten arbeiteten in den 60er‐Jahren vor Ort in 33 afrikanischen Staaten in den Bereichen Bewässerung oder Landwirtschaft. Südlich der Sahara gab es wohl kaum ein Land, in dem der Histadrut‐eigene Baukonzern Solel Boneh nicht aktiv war. Auch israelische Militärberater erfreuten sich überall großer Beliebtheit.

diktaturen Doch mit dem Jom‐Kippur‐Krieg 1973 war mit der israelisch‐afrikanischen Romanze Schluss. Auf Druck der arabischen Liga, aber vor allem von Libyens Machthaber Gaddafi, kappten die meisten Staaten ihre Beziehungen zu Jerusalem. Und die israelische Zusammenarbeit mit dem Apartheidregime in Südafrika tat ihr Übriges, um Sympathien zu verscherzen. Auch in Lateinamerika waren es oftmals gute israelische Beziehungen zu diktatorischen Regimen, die dem Land nach deren Absetzung im Wege standen.

In Afrika setzte der Neuanfang ein. Ausgerechnet der umstrittene Außenminister Avigdor Lieberman reiste 2014 mit einer vielköpfigen Wirtschaftsdelegation durch Ruanda, Elfenbeinküste, Ghana, Kenia und Äthiopien, um das Terrain neu zu beackern. Zum einen hat Israel nun wieder mit 40 der 48 Subsahara‐Staaten diplomatische Beziehungen, zum anderen gilt der Kontinent als das nächste Eldorado der Weltwirtschaft.

Im Juli 2016 besuchte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deshalb gleich vier ostafrikanische Staaten. »Wie der Chef einer globalen Supermacht wurde er empfangen«, schrieb dazu der Onlinedienst »Times of Israel«. Den Auftakt bildete Uganda, ein auch für Netanjahu persönlich sehr emotionaler Moment – schließlich kam dort genau 40 Jahre zuvor sein Bruder Jonathan bei der Operation Entebbe ums Leben.

sicherheit Eine ähnliche Reisediplomatie unternahm Netanjahu im September dieses Jahres durch Lateinamerika: Guatemala, Kolumbien, Argentinien und Mexiko standen auf dem Programm. Stolz wurde verkündet, dass Israel diplomatische Beziehungen mit allen amerikanischen Ländern unterhält außer Venezuela, Kuba und Bolivien.

Man sei dort »hungrig nach israelischer Technologie«, sagte ein Außenamtsmitarbeiter auf der Reise. Und auf Afrika bezogen sagte Bruno Finel, Chef von Africa‐Israel Connect: »Israels Stärken entsprechen perfekt den Bedürfnissen in Afrika.« Als da wären: »Trinkwasser, erneuerbare Energien, landwirtschaftliches Know‐how und natürlich Sicherheit.«

Top Ten Vor allem Letzteres gewinnt angesichts des islamistischen Terrors in Nigeria oder anderswo an Bedeutung. »Israel gehört zu den Top Ten der Waffenexporteure auf der Welt«, erklärt Yossi Melman, Experte für internationale Beziehungen. »Von den Deals im Wert von rund fünf Milliarden Dollar, die Israel 2015 wohl abschloss, gingen gerade einmal drei Prozent auf das Konto der afrikanischen Staaten.«

Da ist also noch viel Platz nach oben. Bis dato gab es israelische Unterstützung im Antiterrorkampf explizit nur in Kamerun, wo man die Streitkräfte im Kampf gegen die Dschihadisten von Boko Haram schulte.

Entsprechend reisen Israelis nicht nur, sie empfangen auch: Über 50 hochrangige Politikerdelegationen aus Afrika gaben sich in Jerusalem in den vergangenen drei Jahren die Klinke in die Hand.

Warten auf israelische Firmen lukrative Aufträge, kann sich der jüdische Staat über einen anderen Effekt freuen: Israelfeindliche Anträge bei den Vereinten Nationen werden es künftig schwerer haben.

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