Shireen Abu Akleh

Israels Armee veröffentlicht Untersuchungsergebnis

Palästinenser arbeiten an einem Graffiti, das die getötete Reporterin darstellt. Foto: Flash90

Das abschließende Ergebnis der offiziellen israelischen Untersuchung zum Tod der Journalistin Shireen Abu Akleh ist da. Die israelische Armee (IDF) erklärt, es sei »nicht möglich, die Quelle der Schüsse, die Frau Abu Akleh getroffen haben, eindeutig zu bestimmen. Es besteht jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie versehentlich von IDF-Schüssen getroffen wurde, die auf Verdächtige abgefeuert wurden, die als bewaffnete palästinensische Schützen identifiziert wurden«.

SCHÜTZEN Bei dem Schusswechsel, heißt es weiter, seien »lebensgefährliche, weit verbreitete und wahllose Schüsse auf Soldaten abgegeben worden«. Während des gesamten Vorfalls seien Schüsse abgefeuert wurden, um die Terroristen zu »neutralisieren«, auch aus dem Bereich, in dem sich Abu Akleh aufhielt. Eine andere relevante Möglichkeit sei diejenige, so das Ergebnis, dass Kugeln von bewaffneten palästinensischen Schützen die Journalistin trafen.

Am 11. Mai 2022 hatte das israelische Militär mehrere Aktivitäten in der Region Jenin durchgeführt, um nach eigenen Angaben »Terrorismus zu verhindern«. In den Wochen vor der Operation wurden 19 Menschen bei Anschlägen in Israel ermordet, elf davon von Terroristen aus dieser Gegend. In dem Schusswechsel im frühen Morgengrauen wurde die Al-Jazeera-Reporterin getroffen und starb.

»Der Tod von Shireen Abu Akleh ist ein verheerender Vorfall. Der Vorfall ereignete sich während einer Aktion zur Verhinderung des palästinensischen Terrorismus.«

Stabschef aviv kochavi

Nach dem tragischen Vorfall hat die IDF die Umstände des Todes überprüft. Zu diesem Zweck ernannte der Stabschef eine Task Force unter der Leitung von Meni Liberty. Nach dem Zwischenbericht, aus dem hervorging, dass es nicht eindeutig möglich sei, den Hergang nachzuvollziehen, habe Stabschef Aviv Kochavi die Fortsetzung der Untersuchung »mit der Verpflichtung zur Transparenz und Offenlegung der Wahrheit angewiesen«.

»Der Tod von Shireen Abu Akleh ist ein verheerender Vorfall. Der Vorfall ereignete sich während einer operativen Aktivität zur Verhinderung des palästinensischen Terrorismus«, fasste Kochavi zusammen. »Die Journalistin war während eines fast einstündigen Schusswechsels in der Gegend anwesend. Damals schossen bewaffnete palästinensische Schützen wild und wahllos auf IDF-Soldaten und gefährdeten ihr Leben.«

ANALYSE Im Rahmen der Untersuchung seien am Vorfall beteiligte Soldaten befragt und eine chronologische Analyse des Hergangs der Ereignisse, eine Analyse der Geräusche in Echtzeit und anderes durchgeführt worden. Außerdem wurden verschiedene forensische und ballistische Befunde vom Tatort untersucht. Die Task Force untersuchte auch Material von ausländischen Medienorganisationen. Man »habe jeden Stein umgedreht, um die Wahrheit zu finden«, so der Armeechef.

Nach wiederholten Anfragen wurde die Kugel der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) schließlich zur Untersuchung übergeben und Anfang Juli in einem forensischen Labor von israelischen Experten in Anwesenheit von Vertretern des US-Sicherheitskoordinators für Israel und der PA durchgeführt. Doch aufgrund des »schlechten physikalischen Zustands des Geschosses« sei es schwierig, die Quelle zu identifizieren. »Es ist nicht möglich, festzustellen, ob die Kugel aus einem IDF-Gewehr stammt.«

ERMITTLUNGSVERFAHREN Die Ergebnisse hätten jedoch eindeutig gezeigt, so Kochavi, »dass Shireen Abu Akleh zu keinem Zeitpunkt identifiziert wurde und zu keinem Zeitpunkt vorsätzliche Schüsse von IDF-Soldaten auf die Journalistin abgefeuert wurden. «. Daher gebe es keinen Verdacht auf eine Straftat, die eine Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens rechtfertigen würde.

Die IDF drückt ihr tiefes Beileid zum Tod von Shireen Abu Akleh aus. »Die Pressefreiheit und die Wahrung der Sicherheit von Journalisten gehören zu den Hauptbestandteilen der israelischen Demokratie, zu deren Wahrung die IDF verpflichtet ist.«

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Politik

Netanjahu-Vertrauter rechnet mit Likud ab

Der langjährige Likud-Politiker Zachi Hanegbi will am 27. Oktober erstmals seit fast 50 Jahren nicht für den Likud stimmen. In einem Zeitungsbeitrag nannte der 69-Jährige die Gründe

von Sabine Brandes  22.10.2026

Israel

Eizenkot: »Werde in keine Regierung mit Netanjahu eintreten«

Der Herausforderer des Regierungschefs hat ausgeschlossen, mit ihm eine Koalition einzugehen, und kritisiert den Premier für dessen Versagen vor dem 7. Oktober

von Sabine Brandes  22.10.2026

Wahlen

»Ein Geschenk an Israels Feinde«

Yair Lapid wirft Israels Premier Netanjahu vor, mit Provokationen gegenüber dem Iran aus Wahlkampfkalkül die Sicherheit des Landes aufs Spiel zu setzen

von Sabine Brandes  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Nahost

Israelische Kampfjets fliegen bis an iranische Grenze – Sorge vor Eskalation vor der Wahl

Was passierte im Luftraum über Syrien und dem Irak und warum?

 22.10.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Alle Feinde Israels wollen, dass ich verliere«

Der israelische Ministerpräsident wirft Iran und verbündeten Gruppen vor, die bevorstehende Wahl beeinflussen zu wollen

 22.10.2026

Gaza/Jerusalem

Hamas droht mit neuem Angriff nach dem Muster des 7. Oktober

Die palästinensische Terrororganisation hat Israel über einen UN-Vermittler mit einem weiteren Massaker gedroht haben. Die Warnung bezieht sich auf mögliche Anschläge in Israel und im Ausland

 22.10.2026

Israel

Knessetwahl: Soldaten können bereits abstimmen

In weniger als einer Woche wählt Israel ein neues Parlament. Bereits jetzt dürfen Soldaten die Wahlkabinen betreten - diese werden ihnen bis in den Libanon und nach Syrien gebracht

 21.10.2026