Nahost

Israelische Vermittler in Kairo

Israelische Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen Foto: Flash90

Am 30. Tag der israelischen Militäroperation »Protective Edge« herrscht Ruhe. Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen hält bereits seit mehr als 24 Stunden. Noch Minuten vor dem Inkrafttreten am Dienstag um acht Uhr morgens waren zahlreiche Raketen gen Israel geflogen, in vielen Ortschaften heulten minutenlang die Sirenen. Einige der Geschosse richteten Sachschaden an, andere wurden abgefangen.

Während sich die Armee mittlerweile komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat, diskutiert man in Israel darüber, ob die Schläge gegen die Hamas ausreichend waren. Premierminister Benjamin Netanjahu sagte am Dienstag: »Es gibt keine hundertprozentige Garantie, dass wir alle Tunnel zerstört haben. Doch wir haben alles getan, um das Beste daraus zu machen«.

Tunnel Die Armeeführung wird in israelischen Medien mit den Worten zitiert, dass »Hamas einen schweren Schlag einstecken musste und alle bekannten Tunnel, die nach Israel führten, zerstört sind«.

Der stellvertretende Chef der Nachal-Brigade, Ori Schechter, gab sich im Armeeradio siegessicher. Er beteuerte, dass die Aktion »eine überwältigende Niederlage« für die Hamas gewesen sei. »Es wird Jahre dauern, bis sie wieder auf die Beine kommen. Wir haben einen absoluten Sieg in Gaza zu verzeichnen. Die Hamas ist nach Ägypten gekrochen – und wir waren nicht einmal da.«

Die Vereinbarung der dreitägigen Feuerpause war durch die Vermittlung von Ägypten zustande gekommen. Zunächst hatte Jerusalem erklärt, keine Vereinbarungen mit der Hamas mehr treffen zu wollen und lediglich unilaterale Entscheidungen zu fällen, da der Terrororganisation nicht zu trauen sei. Denn es war stets die Hamas gewesen, die zuvor Feuerpausen einseitig gebrochen hatte. Doch schließlich stimmten die Israelis dem Vorschlag aus Kairo zu.

Mittlerweile ist sogar eine Delegation auf dem Weg zu den Nachbarn, um über eine Verlängerung der 72 Stunden oder sogar über eine langfristige Lösung der Krise zu verhandeln. Die vom Büro des Ministerpräsidenten nach Kairo gesandten Yitzhak Molcho, Amos Gilad und der Chef des Inlandsgeheimdienstes, Yoram Cohen, sind allesamt Veteranen in Sachen Verhandlungen mit den Palästinensern. Da Jerusalem die Hamas als Terrororganisation einstuft, finden lediglich indirekte Gespräche statt.

Wiederaufbau Angeblich schlägt Kairo eine Initiative vor, bei der die Palästinensische Autonomiebehörde unter Präsident Mahmoud Abbas den Wiederaufbau Gazas überwacht. Die Menschen dort sollen langsam in ihre Häuser zurückkehren. Inzwischen kursieren im Internet Fotos von Palästinensern am Mittelmeerstrand des Gazastreifens.

Obwohl noch kein offizielles Ende der Militäroperation »Protective Edge« verkündet ist, überschlagen sich bereits die Spekulationen, wer als »Sieger« aus dem Krieg hervorgeht. In einer Umfrage der linksliberalen Tageszeitung Haaretz war am Mittwoch zu lesen, dass etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Israelis den Ausgang als »unentschieden« bezeichnen würden. Auch was die Gaza-Operation Israel kostete, scheint bereits festzustehen: Allein die Militärausgaben sollen sich auf acht Milliarden Schekel (rund 1,6 Milliarden Euro) belaufen. Die Verluste durch ausbleibende Geschäfte, Touristen und ähnliches sind in dieser Summe nicht enthalten.

Nach den Terroranschlägen vom Montag wurde auch am Dienstag in Jerusalem erneut ein Anschlag eines palästinensischen Extremisten gemeldet. Ein Sicherheitsmann in Maale Adumim wurde von einem Angreifer mit Messerstichen leicht verletzt. Auf dem Tempelberg blieb es jedoch ruhig.

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