Gaza/Israel/Libanon

Israelische Armee findet Waffen im Kinderzimmer

Waffen der Hamas (Symbolfoto) Foto: Detlef David Kauschke

Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben am Wochenende weitere Waffenlager des palästinensischen Terrors ausgehoben. Eines davon befand sich israelischen Medienberichten zufolge in einem Kinderzimmer innerhalb der Wohnung eines Führers der Terrorgruppe Islamischer Dschihad.

Beim Kommandounternehmen, das die IDF dort durchführten, fielen vier Soldaten der 551. Brigade. Laut »Jerusalem Post« fand die Armee auch einen Entlüftungsschacht eines Terror-Tunnels. In letzterem befanden sich ein weiteres Waffenlager und von den Terroristen gesammelte geheimdienstliche Informationen.

Die 401. Brigade fand derweil Teile der Infrastruktur des Terrors in zivilen Gebäuden, nämlich der Abu Bakr Al Sidiq-Moschee und der Al-Quds-Universität. Viele Waffen wurdwen laut IDF konfisziert.

Al Schifa-Klinik überfüllt

Die Weltgesundheitsorganisation hat erneut »entsetzliche Zustände« im größten Krankenhaus im Gazastreifen beklagt. Es befänden sich mehr als 2000 Menschen in der Al Schifa-Klinik, darunter vermutlich mehr als 600 Patienten und rund 1500 Vertriebene, schrieb die WHO am Montag auf der Plattform X (früher Twitter).

Die UN-Organisation berief sich dabei allerdings auf das Gesundheitsministerium, das von der Terrororganisation Hamas geführt wird. Diesen unbestätigten Informationen zufolge konnten Patienten unter anderem keine Dialyse mehr erhalten. Frühgeborene seien zudem ohne Brutkästen in Operationssäle verlegt worden.

»Die andauernden Feuergefechte und Bombardements in der Gegend haben die ohnehin schon kritischen Bedingungen noch verschärft«, schrieb auch WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einem eigenen Beitrag auf X: »Tragischerweise ist die Zahl der Todesfälle unter den Patienten deutlich gestiegen.«

Terror-Kommandozentrale unter Klinik

Gegenüber dem britischen Sender BBC bestritt ein leitender Arzt der Klinik auch die Darstellung der israelischen Seite, dass sich Hamas-Kämpfer in dem Krankenhaus aufhielten. Das sei »eine große Lüge«, sagte der Chefchirurg Marwan Abu Saada. »Wir haben medizinisches Personal, wir haben Patienten und Vertriebene. Nichts anderes.«

Das israelische Militär sagt, die Hamas - die ein weit verzweigtes Tunnelnetzwerk unter dem Küstengebiet für ihre Zwecke nutzt - habe unter der Klinik eine Kommandozentrale und missbrauche auch andere medizinische Einrichtungen im Gazastreifen für militärische Zwecke.

Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses sagte am Sonntag, die USA hätten Israel aufgefordert, Kämpfe in der Nähe von Krankenhäusern im Gazastreifen zu vermeiden. »Die Vereinigten Staaten wollen keine Gefechte in Krankenhäusern, in denen unschuldige Menschen und Patienten, die medizinische Versorgung erhalten, zwischen die Fronten geraten«, sagte Jake Sullivan dem Sender CBS.

Scholz gegen Waffenruhe

Die israelische Armee wies am Wochenende Vorwürfe der Palästinenser zurück, nach denen Kliniken direkt angegriffen würden. Ein Sprecher gab an, die Armee habe dem Al Schifa-Krankenhaus 300 Liter Treibstoff für dessen Generatoren zur Verfügung gestellt, die jedoch nicht angenommen worden seien. Zuvor hatte Israel angekündigt, die Streitkräfte würden dabei helfen, die kleinsten Patienten in sichere Kliniken zu bringen.

Eine lange oder gar dauerhafte Kampfpause wäre aus Sicht von Bundeskanzler Olaf Scholz indes kontraproduktiv. Zwar könnten humanitäre Pausen einen Sinn machen, um etwa Verwundete aus dem Gazastreifen herauszuholen, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend bei einer Veranstaltung der »Heilbronner Stimme« in Heilbronn. »Aber ich gebe gerne zu, dass ich die Forderung, die einige aufstellen, nach einem sofortigen Waffenstillstand oder einer langen Pause - was ja quasi das Gleiche ist - nicht richtig finde.«

Das bedeute letztendlich, »dass Israel die Hamas sich erholen lassen soll und wieder neue Raketen anschaffen lassen soll. Damit die dann wieder schießen können. Das wird man nicht akzeptieren können.«

USA greifen zwei Ziele in Syrien an

Das US-Militär griff derweil erneut Ziele im Osten Syriens an, die von den iranischen Revolutionsgarden und anderen von Teheran unterstützten Gruppen genutzt worden sein sollen. Die Attacken auf ein Ausbildungszentrum und einen Unterschlupf seien als Reaktion auf »anhaltende Angriffe« auf US-Personal im Irak und in Syrien erfolgt, teilte das Pentagon am Sonntag mit. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den US-Angriffen Waffendepots und Raketenabschussrampen zerstört.

Die USA hatten seit Ende Oktober bereits zweimal ähnliche Ziele im Osten Syriens angegriffen. Nach Angaben des Pentagons vom Donnerstag verübten proiranische Milizen seit Mitte des vergangenen Monats rund 50 Angriffe auf Militärstützpunkte mit US-Soldaten im Irak und in Syrien.

Die Revolutionsgarden sind die Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte und weitaus wichtiger als die klassische Armee des Landes. Neben den USA will auch Israel verhindern, dass der Iran im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien seinen militärischen Einfluss mit Hilfe von Milizen ausbaut. Der Iran und Russland gelten als wichtigste Verbündete der syrischen Regierung.

Angriffe aus dem Libanon

Die israelische Luftwaffe beschoss laut eigenen Angaben vom Sonntag nach Angriffen aus dem Libanon militärische Einrichtungen der Schiitenmiliz Hisbollah und ein Waffenlager in dem nördlichen Nachbarland. Aus dem Libanon waren demnach 15 Geschosse auf den Norden Israels abgefeuert worden. Vier davon seien von der Raketenabwehr abgefangen worden, der Rest sei in unbewohnten Gebieten eingeschlagen.

Die Außenminister der 27 EU-Staaten beraten heute in Brüssel über die Lage im Nahen Osten und in der Ukraine. Mit Blick auf den Gaza-Krieg geht es unter anderem um die Frage, wie die EU dazu beitragen kann, die katastrophale humanitäre Situation im Gazastreifen zu verbessern.

Israel wurde der andauernde Krieg gegen den palästinensischen Terror am 7. Oktober aufgezwungen, als Hamas-Terroristen das Land überfielen und weit über 1000 Menschen ermordeten. Weiterhin befinden sich 239 Geiseln in der Gewalt der Hamas. Am Wochenende gab Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekannt, die Hamas habe bereits die Kontrolle über den Norden des Gazastreifens verloren. dpa/ja

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