Terror

Raketen auf Jerusalem abgefeuert

Rakentenalarm in Jerusalem. Foto: Copyright (c) Flash 90 2021

Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem wächst die Sorge vor einer Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern. Nach Drohungen der islamistischen Terrororganisation Hamas heulten am Montag in Jerusalem die Warnsirenen auf.

Nach Angaben der Armee gab es auch in der Stadt Beit Schemesch sowie in Aschkelon Luftalarm. Medienberichten zufolge wurde das Parlament in Jerusalem geräumt. Die Abgeordneten seien in Schutzräume gebracht worden.

Dutzende Raketen feuerte die palästinensische Terrororganisation Hamas auf Israel ab.

Ein Hamas-Sprecher sagte, man habe als »Botschaft« an den israelischen Feind Raketen auf Jerusalem gefeuert. Es handele sich um eine »Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt« sowie auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg und in Scheich Dscharrah. Die israelische Armee teilte mit, es seien Dutzende Raketen abgefeuert worden. Eine davon habe die Raketenabwehr abgefangen.

ULTIMATUM Die Hamas stellte Israel am Montag ein Ultimatum. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handele sich um eine Warnung.

Israel stellt sich auch auf mögliche Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv ein.

Auf dem Tempelberg in der Altstadt kam es zuvor am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen. Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Aus Sorge vor neuen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen wurden nach Medienberichten öffentliche Luftschutzräume in mehreren Städten im Süden des Landes geöffnet. Außerdem seien die Routen der internationalen Flüge vom Flughafen Ben Gurion weiter in Richtung Norden verlegt worden. Man stelle sich auch auf mögliche Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv ein, berichtete der Sender Kan.

Am Montag hatten palästinensische Terroristen erneut Raketen auf das israelische Grenzgebiet gefeuert. In der Grenzstadt Sderot und anderen Ortschaften heulten nach Militärangaben am Morgen die Warnsirenen. Es seien drei Geschosse abgefeuert worden. Eines davon habe offensichtlich die Raketenabwehr »Iron Dome« abgefangen.

BRANDBALLONS Am Sonntagabend hatten palästinensische Terroristen bereits vier Raketen in Richtung Israel abgeschossen. Außerdem wurden Spreng- und Brandballons über die Grenzanlage geschickt. Israelische Panzer beschossen daraufhin Stützpunkte der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas. Israel schloss auch den Erez-Grenzübergang zu dem Palästinensergebiet.

Mit Blick auf den israelischen Jerusalem-Tag am Montag hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesagt, man werde Religionsfreiheit für alle wahren, aber keine Gewalt dulden. Israel feierte am Jerusalem-Tag die Eroberung des Ostteils mit der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates sehen.

Bereits in der Nacht zum Montag war es in der Stadt zu neuen Konfrontationen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei gekommen. Am Damaskustor warfen Demonstranten nach Polizeiangaben Steine und Flaschen auf Sicherheitskräfte. Nach Medienberichten verwendeten diese daraufhin Blendgranaten und Wasserwerfer, um die Randale aufzulösen. Auch in dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem kam es erneut zu Auseinandersetzungen.

HAIFA Aus mehreren anderen Städten wurden Proteste gemeldet, etwa aus der israelischen Hafenstadt Haifa, wo es Festnahmen gegeben habe, nachdem Demonstranten versuchten, eine Polizeisperre zu durchbrechen.

Bei heftigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften sind in der Altstadt seit Freitag Hunderte Palästinenser und Dutzende israelische Polizisten verletzt worden. Aus Sorge vor neuer Gewalt zwischen beiden Seiten verbot die israelische Polizei Juden am Montag, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt auch den Tempelberg zu besuchen. Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt.

FLAGGEN Die islamistische Hamas hat sich mit den Demonstranten solidarisch erklärt. Bei Ramadan-Gebeten auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt wurden zuletzt auch Hamas-Flaggen geschwenkt.

Die US-Regierung zeigte sich beunruhigt über die Lage in Jerusalem. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, habe in einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Meir Ben-Shabbat betont, die USA bemühten sich um eine Deeskalation, teilte das Weiße Haus am Sonntag (Ortszeit) mit. Die USA seien besorgt über mögliche Räumungen palästinensischer Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah. Der Beschuss Israels aus dem Gazastreifen sei inakzeptabel.

UN-Generalsekretär António Guterres fordere Israel auf, »maximale Zurückhaltung« zu üben, erklärte ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York in der Nacht zu Montag. Auch die EU äußerte »extreme Besorgnis«. dpa/ja

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