Während in Jerusalem und im Großraum Tel Aviv erneut Sirenen heulten, weitete Israel seine Angriffe auf Ziele im Iran deutlich aus. Nach Militärangaben wurden innerhalb einer Stunde zwei Raketenwellen aus dem Iran auf israelisches Gebiet abgefeuert. Die meisten Geschosse seien abgefangen worden, hieß es. In mehreren Orten gingen Trümmerteile von Abfangraketen nieder.
Parallel dazu läuft die israelische Operation »Roaring Lion« mit massiven Luftschlägen gegen Einrichtungen des iranischen Regimes. Nach Angaben der Streitkräfte (IDF) richteten sich die Attacken unter anderem gegen Hauptquartiere der iranischen Revolutionsgarden in Teheran, darunter deren Geheimdienst- und Luftwaffenführung. Ziel ist es lau Armee, die militärische Infrastruktur der Führung in Teheran nachhaltig zu schwächen.
Die IDF erklärten am Sonntagabend, seit Beginn der Offensive seien rund 2000 Bomben über iranischem Gebiet abgeworfen worden – ein Tempo, das dem der mehrtägigen Operation im Juni 2025 entspreche. Damals hatte Israel im sogenannten Zwölf-Tage-Krieg ebenfalls massive Schläge gegen das iranische Raketenarsenal geführt. Diesmal gehe es aber nicht nur um Produktionsstätten, sondern um eine umfassende Zerschlagung sämtlicher Komponenten des ballistischen Programms.
»Wurzelbehandlung des Raketenapparates«
Ein Militärsprecher betonte, man wolle eine Art »Wurzelbehandlung des iranischen Raketenapparates« erreichen. In der Region um Qom sei etwa ein Abschussgelände mit hunderten Kilogramm Sprengstoff zerstört worden, wodurch »Dutzende Abschüsse in Richtung israelisches Staatsgebiet vereitelt« worden seien.
Bereits in der ersten Angriffswelle seien »innerhalb einer Minute« 40 hochrangige iranische Kommandeure getötet worden, teilte die Armee mit. Die Schläge seien als präventiver Schlag gegen akute Bedrohungen erfolgt.
Während die Luftwaffe über dem Iran operiert, spitzt sich die Lage auch an der Nordgrenze zu. Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe mit dem Libanon im November 2024 feuerte die Hisbollah wieder Raketen auf israelisches Gebiet. Israels Generalstabschef Eyal Zamir erklärte am Morgen: »Wir haben eine offensive Kampagne gegen die Hisbollah eröffnet.« Man müsse sich auf »mehrere Kampftage« einstellen.
»Schwerer Preis«
Der Kommandeur des Nordkommandos, Generalmajor Rafi Milo, sagte: »Die Hisbollah hat sich für das iranische Regime entschieden und einen Angriff auf unsere Zivilisten begonnen. Wir waren darauf vorbereitet – sie wird einen schweren Preis zahlen.« Eine Evakuierung der Bewohner im Norden sei derzeit nicht geplant.
Nach libanesischen Angaben kamen bei israelischen Angriffen mindestens 20 Menschen ums Leben. Bestätigen lässt sich dies nicht. Saudi-arabische Medien berichteten, unter den Getöteten sei auch Mohammed Raad, der Vorsitzende des Hisbollah-Blocks im libanesischen Parlament.
Weiteren unbestätigten Berichten zufolge kam es zudem zu Explosionen in Bahrain und Kuwait. In Kuwait stürzte ein US-Kampfjet vom Typ F-15 ab. Der Pilot konnte sich per Schleudersitz retten. Lokalen Berichten zufolge könnte »friendly fire« (versehentlicher Eingenbuschuss) Ursache des Absturzes gewesen sein. Eine offizielle Stellungnahme des US-Militärs lag zunächst nicht vor. Zudem wurde gemeldet, dass die US-Botschaft in Kuwait unter Beschuss geraten sei.
Drei US-Soldaten tot
Das US-Zentralkommando teilte mit, drei amerikanische Soldaten seien durch iranische Raketen- und Drohnenangriffe getötet worden, fünf weitere verletzt.
Inmitten der Eskalation dementierte der einflussreiche iranische Politiker Ali Laridschani Berichte über eine mögliche Wiederaufnahme von Atomgesprächen mit Washington. »Wir werden nicht mit den Vereinigten Staaten verhandeln«, schrieb er. Zugleich warf er US-Präsident Donald Trump vor, die Region mit »falschen Hoffnungen ins Chaos« gestürzt zu haben. Iran handle aus Selbstverteidigung, die eigenen Streitkräfte hätten den Konflikt nicht begonnen.
Israelische Militärkreise äußerten sich zurückhaltend zu möglichen Angriffen auf Nuklearanlagen. Anders als im Juni 2025 stehen diesmal offenbar primär Raketenstellungen, Kommandozentralen und Einrichtungen der inneren Repression im Fokus. So seien auch mehrere Hauptquartiere getroffen worden, die für das Vorgehen gegen Demonstranten im Iran verantwortlich gemacht werden.
Opfer identifiziert
Das Forensische Institut hat unterdessen alle neun Todesopfer eines iranischen Raketenangriffs auf eine Synagoge in Beit Schemesch identifiziert. Zu der Attacke kam es am Sonntag.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn der Operation »Roaring Lion« gegen das iranische Regime 777 Personen in Krankenhäuser eingeliefert. Von ihnen wurden demnach 86 Patienten stationär aufgenommen oder in Intensivstationen behandelt. im