Covid-19

Israel verschärft Maßnahmen weiter

Fast menschenleer: die Jaffastraße in Jerusalem Foto: Flash 90

Die israelische Regierung hat am Montagabend noch striktere Maßnahmen für die Bevölkerung zur Bekämpfung des Corona-Ausbruchs erlassen. 4831 Menschen sind erkrankt, 17 an den Folgen der Erkrankung gestorben. 83 befinden sich in kritischem Zustand auf den Intensivstationen.

Die neuen Vorgaben besagen, dass sich ab Mittwoch nicht mehr als zwei Personen zusammen im Freien aufhalten dürfen, auch nicht jene, die verwandt sind und/oder unter einem Dach wohnen.

Brit Mila Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen sind untersagt, gemeinschaftliche Gottesdienste sind ebenso verboten wie Hochzeiten mit Gästen. Beerdigungen dürfen nur noch von 20 Menschen besucht werden, eine Brit Mila nur noch von zehn.

Gesundheitsminister Yaakov Litzman rät, Bnei Brak unter Quarantäne zu stellen.

Unternehmen müssen ihre Belegschaft nach den neuen Vorgaben noch weiter reduzieren, von 30 auf 15 Prozent. In Betrieben, die nicht als »essentiell« bezeichnet werden, dürfen nicht mehr als zehn Menschen arbeiten.

Die Zahl der Arbeitslosen wird von der Regierung mit nahezu einer Million angegeben. Die Erwerbslosenquote liegt bei 23 Prozent – eine noch nie dagewesene Zahl in der Geschichte des Staates.

Mit großer Verzögerung veröffentlichte die Regierung am Montag ihren finanziellen Hilfsplan für die Coronavirus-Krise. 80 Milliarden Schekel (umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro) sind für das Gesundheitssystem, Geschäfte, Angestellte und Selbstständige anvisiert.

»Ich sage allen israelischen Bürgern, dass wir zu unserer finanziellen Stärke zurückkehren werden«, so Finanzminister Mosche Kachlon. »Und zwar sogar in einem größeren Ausmaß und schneller, als die Menschen erwarten.«

Masken Am Mittwoch erreichte eine Lieferung von acht Millionen Masken und 27 Beatmungsmaschinen das Land. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte zum ersten Mal Zahlen von Infizierten entsprechend der Größe der Städte.

Jerusalem steht dabei an erster Stelle mit 650 Infizierten, Bnei Brak folgt mit 571, und in Tel Aviv beläuft sich die Zahl der Infizierten auf 278. Derweil werden die Tests im ganzen Land ausgeweitet.

161 Menschen sind mittlerweile genesen.

Die Teststation des Magen David Adom in Bnei Brak gab an, dass einer von drei Tests in der Stadt positiv ausfällt. Gesundheitsminister Yaakov Litzman, selbst ultraorthodox, rät derweil, die komplette Stadt Bnei Brak unter Quarantäne zu stellen. Immer wieder wird dort berichtet, dass sich viele Menschen nicht an die Regeln im Umgang miteinander halten.

Heldin Das jüngste Opfer von Covid-19 ist die 49-jährige Tamar Peretz-Levy. Die Witwe war Mutter von vierjährigen Zwillingen. Der Bürgermeister ihrer Heimatstadt Lod, Yair Revivo, schrieb auf Facebook: »Tamar war eine Heldin. Sie war Ingenieurin und hat jahrelang dafür gekämpft, eine Familie zu haben.« Nach Angaben des Gesundheitsministeriums litt Peretz-Levy unter chronischen Vorerkrankungen.

161 Menschen sind mittlerweile genesen, darunter auch der 38-jährige Busfahrer aus Ost-Jerusalem, der vor einigen Wochen eine griechische Touristengruppe durch Israel gefahren hatte und anschließend positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Der Mann, der nur mit seinem Vornamen »Johnny« bezeichnet wird, war seit 5. März im Krankenhaus und gilt als erster Patient mit schwerem Verlauf der Coronavirus-Erkrankung. Jetzt wurde er aus dem Krankenhaus Baruch Tabeh in Tiberias entlassen. »Ich konnte anfangs überhaupt nicht aus dem Bett aufstehen«, erzählte er im Fernsehen. »Es war der schlimmste Monat meines Lebens. Jetzt will ich nur zu meinen Kindern.«

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026