Prostitution

Israel sieht Sexkaufverbot als Erfolgsmodell

Visitenkarte einer Prosituierten, Tel Aviv, Israel Foto: picture alliance / Presse-Bild-Poss

Eigentlich ist in Israel die Prostitution seit 1949 legal. Doch seit 2020 gilt im Land ein sogenanntes Sexkaufverbot. Gemäß der auch »Nordisches Modell« genannten Regelung (sie wurde erstmals 1999 in Schweden eingeführt) ist der Kauf sexueller Dienstleistungen verboten, das Angebot jedoch nicht. Freier, die dem Verbot zuwiderhandeln, müssen mit Geldstrafen rechnen. Die Prostituierten selbst werden aber nicht belangt.

Bislang handelte es sich in Israel dabei nur um eine befristete Maßnahme. Doch nun will Israels Justizminister Yariv Levin sie dauerhaft im Gesetzbuch verankern. Das Sexkaufverbot sei »ein sozialer Fortschritt von höchster Bedeutung«, erklärte Levin.

Freiern, die Sex bei Prostituierten kaufen, soll weiterhin eine Geldbuße von 2000 Schekel (rund 540 Euro) auferlegt werden. Im Wiederholungsfall wird die Strafe zunächst verdoppelt und kann später auch noch strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen. Noch härtere Strafen gelten für Zuhälter und organisierte Prostitutionsringe. Im Blick stehen hier vor allem die Bekämpfung von Zwangsprostitution und Menschenhandel. Diese hatten in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen.

Gleichzeitig plant die Regierung, auch weiterhin flankierende Maßnahmen wie die psychosoziale Betreuung sowie Hilfen für Prostituierte und Freier beim Ausstieg aus der Prostitution anzubieten. Viele der Gelder, die schon jetzt dafür zur Verfügung stehen, wurden jedoch nicht abgerufen.

Einer Studie zufolge ist die gesellschaftliche Akzeptanz des Sexkaufverbots in Israel dennoch seit seiner Einführung 2020 gestiegen. Waren in einer Umfrage 2016 noch rund 39 Prozent der befragten Bürger dafür, liegt der Anteil der Befürworter mit 72 Prozent nun fast doppelt so hoch. Allerdings hat die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen im gleichen Zeitraum nicht nachgelassen, sondern stieg zuletzt sogar leicht an. Nur bei der Suche im Internet nach Angeboten von Prostituierten wurde ein Rückgang um 20 Prozent verzeichnet.

Deutlich zurückgegangen ist auch die Zahl der Bußgelder für Freier, was sowohl mit der Corona-Pandemie als auch mit einer laxeren Strafverfolgung durch die Polizei zu tun haben könnte. Wurden 2022 noch 2841 Bußgelder verhängt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 173. Laut der Studie lag dies unter anderem daran, dass es in der zuständigen Abteilung der Polizei eine hohe Personalfluktuation gegeben habe. mth

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Krieg

Israel geht von Sturz der iranischen Führung aus

Vom Iran geht laut Israels Regierungschef Netanjahu derzeit keine existenzielle Bedrohung mehr für Israel aus. Er sagt, Irans Führung sei »schwächer denn je«

 31.03.2026

Faktencheck

Gerüchte über Netanjahus Tod werden unbelegt verbreitet

Im Iran-Krieg wird immer wieder behauptet, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sei tot. Aktuelle Videos von ihm sollen KI-generiert sein. Doch dafür gibt es keinen Beleg

 31.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  31.03.2026

Meinung

Nein, und nochmals nein!

Der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir sagt, das Gesetz zur Todesstrafe werde dem Volk Israel »den Stolz zurückbringen«. Dabei steht es im Widerspruch zu fundamentalen Werten des Judentums

von Esther Schapira  31.03.2026

Libanon

Zerstörung von Grenzdörfern soll Bedrohung durch Terror beenden

Israels Verteidigungsminister Katz kündigt drastische Maßnahmen im Süden des nördlichen Nachbarlandes an. Von dort aus erfolgen seit Jahren Angriffe der Hisbollah

 31.03.2026

Israel

Übergriff, Löwen, Haushalt

Kurznachrichten

von Sabine Brandes  31.03.2026

Knesset-Beschluss

Reaktionen auf das Gesetz zur Todesstrafe

Rechte israelische Politiker feiern und die USA respektieren die Entscheidung. Scharfe Kritik kommt von Teilen der Opposition in Jerusalem und aus Europa

 31.03.2026

Israel

»Hoffentlich der letzte Krieg«

Der militärische Konflikt mit dem Iran dauert an. Wir haben nachgefragt, wie Israelis diese schwierige Zeit zu Pessach erleben

von Sabine Brandes  31.03.2026