NAFFO

»Israel ist der natürliche Partner«

NAFFO ist überkonfessionell und überparteilich, sagt Mirjam Rosenstein: »Wir kommen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft, haben jüdische und nichtjüdische Mitglieder.« Foto: Flash 90

Frau Rosenstein, das Nahost Friedensforum NAFFO besteht seit 2009. Öffentlich ist es bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Warum?
Zu Beginn war unsere Strategie, erst einmal ein Netzwerk in der deutschen Politik aufzubauen, Vertrauen und Glaubwürdigkeit innerhalb der politischen Szene der Berliner Republik zu generieren, Hintergrundgespräche zu führen. Daher sind wir medial nicht weiter in Erscheinung getreten. NAFFO arbeitet grundsätzlich nach den Chatham House Rules: Gespräche finden stets »unter drei« statt, also vertraulich. Inhalte werden nicht in die Öffentlichkeit kommuniziert. Inzwischen haben wir uns als Gesprächspartner in der politischen Szene etabliert, sind bekannt, verfügen über eine entsprechende Reputation. Nun haben wir beschlossen, uns auch in den Regionen breiter aufzustellen, zu wachsen, bekannter zu werden, um die nächsten Ziele zu erreichen.

Auf Ihrer Website ist zu lesen, NAFFO sei nicht an Presse und Medien interessiert. Setzen Sie sich mit diesem Interview über die Regeln hinweg?
Nein, NAFFO ist an der Berichterstattung über seine Arbeit als Verein interessiert, aber nicht an einer Veröffentlichung der Inhalte von Gesprächen und Veranstaltungen, die nur für Mitglieder und Politiker bestimmt sind. Wir wollen eine Plattform des Austauschs sein, die Fakten hinter den Schlagzeilen an Politiker herantragen, Verständnis für die Nahostregion und auf diese Weise auch einen vertrauensvollen Raum schaffen. Aber es geht nicht darum, die Ebene des Austauschs mit der Politik zu öffnen.

Was hat NAFFO bereits erreicht?
NAFFO hat ein Netzwerk zu entscheidungsrelevanten Politikern aufgebaut, hat Symposien unter anderem mit Zipi Livni oder Danny Yatom, aber auch mit Wissenschaftlern aus den USA und Israel für NAFFO‐Mitglieder und Politiker organisiert. Wir haben Reisen in die Region konzipiert, Hintergrundpapiere verfasst, von denen sich nicht wenige in Anträgen der verschiedenen Fraktionen zum Teil im Wortlaut wiedergefunden haben. Wir sind zudem jedes Jahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz und haben dort auch ein eigenes Panel. Das ist auch einer der Faktoren, mit dem wir uns eine Reputation aufbauen konnten.

Wie unterscheidet sich NAFFO von anderen Organisationen, die für Israel oder das Verständnis der Region in Deutschland wirken?
NAFFO unterscheidet sich von den anderen insofern, als wir uns ganz klaren Prinzipien verpflichten: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenrechte. Wir sind als Organisation überkonfessionell und überparteilich. Wir kommen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft, haben jüdische und nichtjüdische Mitglieder. Wir sind für alle, die sich unseren Prinzipien verpflichten können, offen. Wir sind der Überzeugung, dass Israel der natürliche Partner der deutschen Politik in der Nahostregion ist, weil es der einzige Staat ist, mit dem Deutschland eine Wertegemeinschaft verbindet. Dennoch sind wir keine einfache Israel‐Lobby. Darin unterscheiden wir uns von anderen Organisationen, auch in der Art und Weise, wie wir agieren und operieren: NAFFO ist ein Gesprächspartner, der auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen setzt. Wir verstehen uns als Dienstleister für die Abgeordneten, indem wir ihnen passgenaue Informationen liefern, die wissenschaftlich fundiert und ausgeglichen, aber kein Propagandamaterial sind.

Gibt es Kooperationen mit anderen Organisationen?
Es gibt durchaus persönliche Kontakte und Verbindungen. Es ist ja kein Gegen‐, sondern oftmals ein Miteinander. Die Ansätze unterscheiden sich leicht voneinander, dadurch aber auch gleichzeitig die Wirkungskreise.

Was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft?
Wir planen bereits die nächsten Reisen und Symposien sowie Sommerfeste für unsere Mitglieder. Und erst von Kurzem sind wir von einer Reise mit vier Abgeordneten der Koalitionsfraktion zurückgekommen.

Führte die Reise nach Israel?
Nicht nur. Es handelt sich grundsätzlich um Reisen in die Region. Wir sprechen stets mit beiden Seiten, auch mit Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Zivilgesellschaft. Wir versuchen, auch auf israelischer Seite ein rundes Bild der aktuellen Regierungspolitik und der politischen Opposition zu geben. Da wir aus der deutschen Gesellschaft kommen, können wir Reisen organisieren, die dem entsprechen, was deutsche Politiker erwarten. Wir bringen ein Verständnis für die Mentalität mit. Darüber hinaus versuchen wir, entsprechend unseren Prinzipien ein vielschichtiges und sehr breites Bild der Region zu vermitteln. Wir wollen keinem der Mitreisenden das Gefühl geben, dass nur eine Sicht der Dinge dargestellt wurde. Das unterscheidet uns auch von vielen anderen Organisationen, die solche Reisen organisieren, die jedoch aus einem ganz speziellen Blickwinkel heraus Programmpunkte und Gesprächspartner auswählen. Da möchte ich Thorsten Frei, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der CDU/CSU‐Fraktion im Bundestag, mit seinem Fazit unserer Reise zitieren: Er sagte, man könne die Konfliktlinien des Nahen Ostens nur verstehen, wenn man in Israel und dem Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde war.

Sie sprechen von parteiübergreifenden Aktivitäten: Haben Sie dabei auch die AfD im Blick?
Alle im Bundestag vertretenen Parteien sind für uns Zielgruppe. Darüber hinaus haben wir auch zur FDP gute Beziehungen. Die AfD beobachten wir gerade kritisch. Wenn wir absehen können, dass die AfD ein relevanter Gesprächspartner wird, ist es uns wichtig, frühzeitig ins Gespräch zu kommen, weil unsere Erfahrung gezeigt hat: Je früher wir mit Politikern, die ein entsprechendes Aufgabenportfolio übernehmen, in Kontakt treten können, desto fundierter und besser ist später der Austausch.

Also keine Berührungsängste mit der AfD?
Wir haben durchaus die Sorge, dass wir als Feigenblatt missbraucht werden können, und achten daher darauf, dass es nicht dazu kommt. Wir sind weder naiv noch blauäugig und lassen uns nicht missbrauchen. Wir sehen aber auch: Wenn die AfD eine Stimme im Bundestag bekommt, wenn sie Mitglieder in den Ausschüssen haben und deshalb ein politischer Faktor sein wird, kann und darf man der Partei nicht ausweichen.

Wie finanziert sich Ihre Organisation?
Wir sind ein eingetragener Verein, gestützt auf Spenden und Beiträge unserer Mitglieder. NAFFO ist auf der Basis ehrenamtlicher Vereinsarbeit aufgebaut. Und da kann ich nur jeden einladen, mitzuwirken: Man kann seinen Teil dazu beitragen, damit sich die Nahostpolitik in Deutschland an den Prinzipien orientiert, die sich NAFFO auf die Fahnen geschrieben hat. Wir sehen die politische Tendenz, dass auch in Zukunft die Nahostpolitik ein wahlentscheidender Faktor sein wird – auch in Deutschland. Und in diesem Punkt kann jeder seinen Beitrag leisten. Man muss kein Experte oder Politikwissenschaftler sein, sondern NAFFO schafft als Verein die Strukturen, in denen sich engagierte Bürger zu Wort melden und etwas bewirken können. Ich selbst lebe es vor: Ich bin voll berufstätig, habe zwei kleine Kinder und mache das nebenbei im Ehrenamt. Man kann viel bewegen, wenn man nur will. Zivilgesellschaftliches Engagement ist wichtig.

Wer arbeitet für NAFFO?

Wir haben ein Büro mit zwei Angestellten, sonst wird alles durch ehrenamtliche Arbeit des Vorstandes und eines erweiterten Kreises von Aktivisten abgedeckt.

Sind Sie damit gut aufgestellt?
Über die persönlichen Kontakte sind wir sehr gut vernetzt, transatlantisch bis hinein in den Kongress und Senat sowie in relevante Forschungsinstitute in den USA. Zum anderen bringen unsere Mitglieder, die zum Teil auch ehrenamtlich in anderen Organisationen tätig sind, exzellente persönliche Netzwerke mit, die wir umfassend nutzen können. Das ist ein Multiplikationseffekt.

Mit der Vorstandsvorsitzenden des Nahost Friedensforums (NAFFO) sprach Detlef David Kauschke.

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