Nahost

Israel: Hamas will Schicksal von Militärchef verschleiern

Generalstabschef Herzi Halevi Foto: copyright (c) Flash90 2024

Israels Streitkräfte (IDF) bemühen sich nach ihrem Luftangriff auf den Militärchef der palästinensischen Terrororganisation Hamas fieberhaft um Klärung seines Schicksals. Generalstabschef Herzi Halevi warf der Hamas vor, dies verhindern zu wollen: »Es ist noch zu früh, um auf die Ergebnisse des Schlags zu schließen, die die Hamas zu verbergen versucht«.

Die Armee hatte Mohammed Deif am Samstag bei Chan Junis im Süden Gazas angegriffen. Dutzende Menschen sollen dabei getötet worden sein. Ob Deif unter den Toten ist, ist noch unklar.

Es sei »sehr schwer zu glauben«, dass jemand den Luftangriff überlebt habe, zitierte das »Wall Street Journal« Yossi Kuperwasser, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes. Es könne aber noch Tage oder Wochen dauern, bis Israel genügend Informationen habe, um sicher sagen zu können, was mit Deif geschehen sei.

Enger Mitarbeiter getötet

Die IDF hatten im März die Tötung von Deifs Stellvertreter Marwan Issa erst zwei Wochen nach dem Angriff auf ihn bestätigt. Die Hamas räumte seinen Tod nie ein.

Sollte Deif tatsächlich nicht mehr am Leben sein, wäre er der ranghöchste Hamas-Anführer, der von Israel im seit mehr als neun Monaten andauernden Krieg getötet wurde. Am Sonntag bestätigten die IDF, dass der Kommandant der Chan-Junis-Brigade der Hamas, Rafa Salama, bei dem Luftangriff getötet wurde. Er galt als enger Mitarbeiter von Deif, der sich zum Zeitpunkt des Luftangriffs an seiner Seite befunden haben soll.

Unterdessen sind bei einem weiteren Luftangriff auf Terroristen in einem Schulgebäude in Nuseirat, das sich im mittleren Abschnitt des abgeriegelten Gazastreifens befindet, laut Hamas etwa 15 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Diese Angaben der Terroristen sind nicht bestätigt. Sie verbreiten regelmäßig Falschmeldungen, die Israel schaden sollen.

Operationsbasis für Attacken

Laut IDF waren es mehrere Kämpfer der Hamas, die im Areal einer Schule des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA angegriffen wurden. Die Bildungseinrichtung habe den Terroristen als Versteck und Operationsbasis für Attacken auf Israels Truppen gedient.

Im Vorfeld des Angriffs habe die Armee zahlreiche Schritte unternommen, um das Risiko für Zivilisten zu minimieren, hieß es. Die Angaben beider Seiten ließen sich nicht unabhängig überprüfen. In Nuseirat hatte Israels Armee erst kürzlich nach eigenen Angaben mehrere in einem Schulgebäude verschanzte Terroristen aus der Luft angegriffen. Kurz zuvor waren bei einem Angriff auf eine ehemalige UNRWA-Schule, die seit Ausbruch des Gaza-Kriegs als Flüchtlingsunterkunft diente, nach Angaben der Hamas 16 Menschen ums Leben gekommen.

Die israelische Armee wies einmal mehr darauf hin, dass die Terrororganisation systematisch gegen internationale Gesetze verstoße, indem sie zivile Einrichtungen wie Schulen und die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde für Terroranschläge gegen den Staat Israel missbrauche. Dies war schon in früheren Kriegen der Fall, die die Hamas ebenfalls begann. Ihr erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels.

Das »Phantom«

Ein Vertreter der Hamas in Beirut bestritt am Sonntag, dass ihr Militärchef in Gaza getötet worden sei. Deif wird oft das »Phantom« genannt. Der 58-Jährige soll mindestens sieben israelische Anschläge überlebt haben. Israel dürfte daher besonders sorgfältig vorgehen, um festzustellen, ob er diesmal getötet wurde, sagte Kuperwasser dem »Wall Street Journal«. Ein Foto seiner Leiche wäre aussagekräftiger als Geheimdienstinformationen, sagte er.

Bis vor gut einem halben Jahr ging man in Israel davon aus, dass Deif mehrere Gliedmaßen verloren und eine Vielzahl körperlicher Behinderungen hat. Bis schließlich Aufnahmen auftauchten, die ihn mit beiden Armen und beiden Beinen zeigten. Deif gilt als einer der von Israel meistgesuchten Terroristen. Er ist der Stellvertreter des Chefs der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar. Israel verfolgt das Ziel, auch ihn gefangenzunehmen oder zu töten – zum Schutz seiner Bevölkerung.

»Mohammed Deif hatte Angst zu sterben, also versteckte er sich auf eine Weise, die sogar seine Fähigkeit zu befehlen beeinträchtigte«, sagte Halevi und fügte hinzu: »Er versteckte sich und opferte mit ihm seine Leute und Zivilisten, die sich in der Gegend befanden«. Israels Armeechef ist sich sicher: »Wir haben ihn gefunden, wir werden auch die Nächsten finden«.

Bewachte Terror-Basis

Nach Angaben eines israelischen Armeevertreters war das Ziel des Luftangriffs eine abgezäunte, bewachte Terror-Basis der Hamas, die in der von Israel so deklarierten humanitären Zone westlich von Chan Junis gelegen habe.

Ein Vertreter des politischen Flügels derselben Terrorgruppe dementierte unterdessen Berichte, wonach die indirekten Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln abgebrochen werden. Es treffe nicht zu, dass die Hamas eine solche Entscheidung nach dem israelischen Luftangriff getroffen habe, hieß es.

Israelischen Medienberichten zufolge will der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Daniel Barnea, in den kommenden Tagen zu einer weiteren Runde der Geisel-Gespräche in die katarische Hauptstadt Doha reisen.

Schleppender Verlauf

Bei den seit Monaten laufenden indirekten Verhandlungen, bei denen Katar, Ägypten und die USA vermitteln, geht es um den Austausch der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen sowie eine Waffenruhe und die Lieferung humanitärer Hilfsgüter.

Die indirekten Gespräche verlaufen schleppend. Die Aggressoren der Hamas wollen ein Ende des Krieges, den sie selbst begannen, weigern sich aber, die mehr als 100 Geiseln freizulassen, die sich weiterhin in ihrer Gewalt befinden. dpa/ja

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