Umstrittene Lieferungen

Israel diskutiert Forderungen nach weiterer Hilfe für den Gazastreifen

Ein Lastwagen mit Hilfsgütern in Gaza am 2. November Foto: picture alliance/dpa

Internationale Hilfsorganisationen und ausländische Regierungen fordern die Ausweitung der humanitären Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen. So beklagte die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, dass derzeit keine angemessene humanitäre Hilfe möglich sei. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, sagte am Dienstag, Israel müsse sich um mehr Hilfsgüter für den Gazastreifen bemühen. »Im Moment wird nicht genug getan.« Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin warnte ebenfalls, dass sich die humanitäre Lage weiter zu verschlechtern drohe. Deshalb appelliere man »notwendige humanitäre Hilfe, einschließlich Treibstoffen in den Gazastreifen hereinzulassen, um die Menschen zu versorgen«.

Anderseits wird in Israel auch Kritik daran geübt, dass beispielsweise Treibstoff überhaupt wieder in den Gazastreifen geliefert wird. Israel hatte nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober eine Blockade des Gebiets verhängt. Während einer mehrtägigen Feuerpause waren dann täglich etwa 200 Lastwagen mit Hilfsgütern über die Grenze gekommen, darunter vier LKW mit Treibstoff sowie vier weitere mit Kochgas. Auch nach dem Bruch der Feuerpause durch die Hamas und der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen wird eine Lieferung fortgesetzt. Diese Politik wurde von Kritikern infrage gestellt, weil sie Israels Druckmittel auf die Hamas zur Freilassung von Geiseln verringere.

Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Yoav Gallant und Minister Benny Gantz nahm Premierminister Benjamin Netanjahu am Dienstagabend auch zu dieser Frage Stellung. Dabei betonte er, dass die »wichtigste Karte«, die Israel für die Rückgabe der Geiseln habe, die Militäraktion selbst sei. Die humanitäre Hilfe unterstütze die IDF-Operation, da sie im Falle einer humanitären Katastrophe im Gazastreifen gezwungen wäre, diese zu stoppen. »Es gibt keinen Widerspruch« zwischen den Kriegsanstrengungen und der begleitenden humanitären Hilfe, denn beide zusammen helfen den Geiseln, so Netanjahu.

Am Mittwochabend hat das israelische Sicherheitskabinett entschieden, die Treibstoffmenge, die täglich in den Gazastreifen gebracht werden darf, minimal zu erhöhen. Die Mindestmenge werde von Zeit zu Zeit vom Kriegskabinett in Übereinstimmung mit der humanitären Lage im Gazastreifen festgelegt, hieß es aus dem Büro des Premierministers.

Am Montag hatte Oberstleutnant Yotam Shefer, Abteilungsleiter beim Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Palästinensergebieten (COGAT), vor Journalisten eine Einschätzung der humanitären Lage und der Hilfslieferungen gegeben. Dabei erläuterte er, dass Israel mehrere Mechanismen zur Beurteilung und Bewertung der Situation in Gaza habe. »Nach unseren Erkenntnissen gibt es keinen Mangel an humanitären Hilfsgütern in Gaza«, so Shefer. »Ich kann auch sagen, dass wir eng mit den USA, den Vereinten Nationen und anderen zusammenarbeiten, um so viele humanitäre Hilfsgüter zu liefern, wie angefordert und benötigt werden, und wir schränken die Menge an Lebensmitteln, Wasser und medizinischen Hilfsgütern, die in den Gazastreifen gelangen, nicht ein.«

Shefer wies darauf hin, dass die Hamas vom ersten Tag des Krieges versucht habe, die humanitäre Lage zu verschlechtern. So seien von der Terrororganisation Strom- und Wasserleitungen beschädigt worden. Darüber hinaus würden Zivilisten und zivile Infrastruktur als Schutzschilde eingesetzt. Er unterstrich, dass sich Israel im Krieg mit der Hamas befinde, nicht mit den Menschen in Gaza. »Und deshalb haben wir trotz allem, was wir verstehen und was wir sehen, umfangreiche humanitäre Anstrengungen unternommen, um der Bevölkerung zu helfen.« ja/dpa

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026

Alei Zahav

Terroranschlag im Westjordanland: Vater rettet seinem Sohn das Leben und stirbt

»Papa, ich möchte dir für 16 gemeinsame Jahre danken. Danke, dass du mir zugerufen hast, als der Terrorist kam«, sagte der 16-Jährige Yoav bei der Beerdigung seines Vaters

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Jerusalem

Ein toter Israeli bei Terroranschlag im Westjordanland

Kurz vor Beginn von Jom Kippur kommt es zu zwei Terroranschlägen im von Israel besetzten Westjordanland. Ein israelischer Zivilist und einer der angreifenden Palästinenser werden getötet

 20.09.2026

Jerusalem

Präsident Herzog begnadigt verurteilten Ex-Soldaten Elor Asaria

Israels Präsident lässt einen Strafregistereintrag des ehemaligen Soldaten löschen, der 2016 einen am Boden liegenden, palästinensischen Attentäter tötete. Die israelische Armee war laut Berichten dagegen

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026