Jerusalem

Impfstoff ungeduldig erwartet

Premier Benjamin Netanjahu und Gesundheitsminister Yuli Edelstein begutachten Kühlsysteme für die Impfstoffe. Foto: Flash 90

Israel wartet – wie die ganze Welt – ungeduldig auf den Impfstoff gegen das Covid-19-Virus. Die ersten 200.000 Dosen werden nicht, wie zunächst angekündigt noch in diesem Monat, sondern erst im Januar 2021 erwartet, gab die Regierung in Jerusalem jetzt bekannt. Mit dem Impfen der Bevölkerung soll anschließend sofort begonnen werden.

MILLIONEN Auf Anweisung von Premierminister Benjamin Netanjahu und Gesundheitsminister Yuli Edelstein unterzeichnete das Gesundheitsministerium ein Abkommen mit dem US-Pharmaunternehmen Moderna, die Menge der Dosen zu verdreifachen. Sechs Millionen Einheiten würden für drei Millionen Bürger ausreichen. »Ich freue mich, dies zu verkünden«, ließ der Ministerpräsident wissen. »Das gibt uns Hoffnung, und wir sehen das Licht am Ende des Tunnels. Zusammen werden wird das Coronavirus bekämpfen.«

Es wird davon ausgegangen, dass die US-Behörde zur Überwachung von Lebens- und Arzneimitteln (FDA) den Mitteln der Pharmakonzerne Pfizer und Moderna eine Bestätigung erteilen wird. In Großbritannien ist der Impfstoff von Pfizer bereits zugelassen worden. Doch auch nach der Anerkennung durch die FDA müssen die Mittel noch für die Benutzung in Israel durch das Gesundheitsministerium freigegeben werden. Generell werden Arzneien, die mit einem FDA-Stempel versehen sind, im Land ebenfalls akzeptiert.

»Es gibt ein professionelles Gremium, und das müssen wir von politischen Erwägungen fernhalten.«

Premier Benjamin Netanjahu

Schwangere Frauen, Kinder und jene, die sich von einer Erkrankung mit dem Coronavirus erholen, sollen als letzte geimpft werden. Diese Gruppen seien nicht an den klinischen Studien beteiligt gewesen, heißt es.

VORSCHLAG Die Regierung gründete jetzt ein Komitee zur Verteilung, das auch entscheidet, wer zuerst geimpft werden soll. Unter der Leitung von Professor Shmuel Rishpon hat es bereits einen Vorschlag erarbeitet. Demzufolge sollen als erstes Bürger über 80 Jahre, medizinisches Personal und Menschen mit Risikofaktoren geimpft werden. Damit folgt es größenteils den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation.

Bei den Verteilungsvorhaben ließ der regierende Likud seinen eigenen Koalitionspartner Blau-Weiß – und damit die Armee – allerdings im Dunkeln. Wie israelische Medien berichten, verlangte die Partei Blau-Weiß während einer Sitzung des Coronavirus-Kabinetts Informationen über Details, wurde jedoch abgewiesen. »Es gibt ein professionelles Gremium«, wird Netanjahu zitiert, »und das müssen wir von politischen Erwägungen fernhalten.«

Der Parteivorsitzende von Blau-Weiß, Benny Gantz, als Verteidigungsminister Chef der Streitkräfte, hatte zuvor die Hilfe der israelischen Armee (IDF) bei der Verteidigung angeboten, die wegen ihres logistischen Know-hows prädestiniert dafür sei. Dafür müsse seine Partei jedoch in den Prozess miteinbezogen werden, machte er klar.

LORBEEREN Netanjahu und sein Minister im Gesundheitsministerium, Yuli Edelstein, haben daran indes wenig Interesse. Es scheint, als wollten sie die Lorbeeren für die voraussichtliche Abhilfe gegen das Coronavirus selbst ernten.

Israel befindet sich nach der Abstimmung für die Auflösung der Knesset vor den vierten Parlamentswahlen innerhalb von weniger als zwei Jahren. Zwar wäre es noch möglich, einen erneuten Urnengang abzuwenden, sollten sich die Koalitionspartner über bedeutende Dinge, wie beispielsweise den Haushalt für 2021, einigen. Im Moment allerdings sieht es nicht danach aus.

Spione

Israels geheime Armee im Iran

Jahrelang lebten sie unauffällig als Zivilisten in der Islamischen Republik – dabei waren sie in Israel ausgebildeten Agenten des Mossad

von Sabine Brandes  01.06.2026

Interview

»Die jüdische Perspektive nach Deutschland bringen«

Der Yad-Vashem-Vorsitzende Dani Dayan über die erste Außenstelle der Gedenkstätte, die Zukunft der Holocaust-Erinnerung und den Kampf gegen Geschichtsverfälschung

von Sabine Brandes  01.06.2026

Internationaler Gerichtshof

Wie Südafrika seine Genozid-Klage gegen Israel in die Länge zieht

Das Haager Weltgericht hat Pretoria eine Frist von 18 Monaten gewährt, um erneut seine Argumente für einen angeblichen Völkermord Israels in Gaza vorzubringen. Israel sieht die Klage hingegen als gescheitert an

von Michael Thaidigsmann  01.06.2026

Tel Aviv

Bericht warnt vor möglichem Einfluss Ben Gvirs auf Polizeiarbeit im Wahlkampf

Die Autoren fordern darin klare Vorgaben, die die Handlungsspielräume der Polizei im Wahlkampf deutlich einschränken

 01.06.2026

Gesundheit

Sprunghafter Anstieg: Immer mehr Israelis rauchen

Viele Konsumenten greifen offenbar verstärkt zur Zigarette, um mit der durch den Krieg verursachten psychischen Belastung umzugehen

 01.06.2026

Westjordanland

Terroranschlag an Bushaltestelle: Zwei Jugendliche verletzt

Nach Angaben der Armee steuert ein Palästinenser sein Fahrzeug in eine Bushaltestelle. Eine 17-Jährige wird schwer verletzt, eine 15-Jährige mittelschwer

 01.06.2026

Kulinarisch

Ein Michelin-Stern für die Safta

Tränen, Konfetti und ein Stück Geschichte: Das Restaurant »Mutra« des Israelis Raz Shabtai erhält als erstes koscheres Lokal weltweit die legendäre Auszeichnung

von Sabine Brandes  31.05.2026

Krieg gegen die Hisbollah

Israelische Armee nimmt Burg Beaufort im Südlibanon ein

Die strategische Höhenfestung galt einst als Symbol des Libanonkriegs – nun steht sie wieder unter israelischer Kontrolle

von Sabine Brandes  31.05.2026 Aktualisiert

Blick in die Zukunft

Ehemalige Geisel sucht nach der Hölle die Liebe

Nach 738 Tagen in der Gewalt der Hamas baut Eitan Horn sein Leben neu auf – und wünscht sich Frau und Familie

von Sabine Brandes  31.05.2026