Knesset

Immer noch ohne Regierung

Will dabei sein: Naftali Bennett Foto: Flash 90

Mehr als drei Wochen nach den vierten Parlamentswahlen in zwei Jahren war vor den Feierlichkeiten zum Jom Haazmaut noch keine Regierung in Sicht. Präsident Reuven Rivlin hatte dem amtierenden Premier Benjamin Netanjahu das Mandat zur Regierungsbildung erteilt, nachdem 52 Parlamentarier ihn vorgeschlagen hatten.

Derzeit wird hinter den Kulissen verhandelt, doch bislang hat Netanjahu keine Mehrheit. Sollte er sie doch zusammenbekommen, ist klar, dass die Regierung auf wackeligen Beinen stehen würde. Denn der 71-Jährige, dem zur selben Zeit in Jerusalem der Prozess wegen Korruption gemacht wird, bräuchte die Unterstützung von Parteien, deren Wertvorstellungen kaum weiter auseinanderliegen könnten.

BÜNDNIS Auf der einen Seite steht das rechte Bündnis aus Religiösem Zionismus und Otzma Yehudit, auf der anderen die islamische Partei Raam von Mansour Abbas. Der Vorsitzende von Otzma Yehudit, Itamar Ben-Gvir, plädiert für eine Ausweisung der Araber aus Israel und nennt den Rassisten Meir Kahane einen »Heiligen und Helden«.

Der Chef des Religiösen Zionismus, Bezalel Smotrich, forderte am Abend des Jom Haschoa, dass israelische Araber, die nicht bestätigen, »dass Israel den Juden gehört«, »herausgeworfen werden«. Der arabische Parlamentarier Ahmad Tibi antwortete auf Twitter: »Du bist ein Rassist« – auf Deutsch.

Einer, der dennoch »bei einer Rechtsregierung« dabei sein will, ist Naftali Bennett von Jamina. Eigentlich liegen er und Netanjahu persönlich gar nicht auf einer Linie, doch Bennett meint, der Likud-Chef müsse »alles tun, um eine regierungsfähige Koalition zu bilden«. Doch auch mit Jamina würden ihm noch zwei Mandate in der 120 Sitze zählenden Knesset fehlen.

plan B Daher hat Bennett nach Angaben von israelischen Medien bereits einen Plan B. Sollte Netanjahu keine Koalition zustande bringen, wolle Bennett eine »Regierung rechts light« anstreben, mit eventueller Rotation des Premierministersessels zwischen ihm und Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid.

Netanjahu will das verhindern – eines aber noch viel mehr: Bleibt die jetzige Koalition als Interimsregierung bestehen, wird Verteidigungsminister Benny Gantz im November automatisch Premierminister. Politikexperten sind sicher, dass Netanjahu das niemals zulassen wird und stattdessen Neuwahlen ausruft – die fünften.

Jerusalem

Netanjahu äußert bei Witkoff Zweifel an diplomatischer Lösung

Der Ministerpräsident macht klar, dass das Teheraner Regime aus israelischer Sicht kein verlässlicher Verhandlungspartner sei

 04.02.2026

Gaza

Hamas greift israelische Soldaten an, Reservist schwer verletzt

Das Militär spricht von einem gezielten Angriff und einem schweren Bruch der bestehenden Waffenruhe

 04.02.2026

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Sport

Warum der israelische Fußballspieler Tay Abed ein Millionenangebot der VAE ausgeschlagen hat

Tay Abed: »Keine Summe kann mich dazu bringen, meine israelische Identität aufzugeben.«

 03.02.2026

Nahost

Gaza: IDF entdecken Waffen zwischen Hilfsgütern der UNRWA

Nach Angaben der Streitkräfte handelt es sich um einen umfangreichen Fund von rund 110 Mörsergranaten sowie Raketen

 03.02.2026

Nahost

Israel und USA halten gemeinsam Marinemanöver ab

Im Roten Meer trainieren US- und israelische Seestreitkräfte gemeinsam – vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit dem Iran. Beide Seiten sprechen von einer Routineübung

 03.02.2026

Tel Aviv

Geheimes Hamas-Papier: Kontrolle über Gazas Verwaltung soll trotz neuer Struktur erhalten bleiben

Die palästinensische Terrororganisation will ihren Einfluss sichern, ohne bei der neuen Verwaltung Verdacht zu erregen

 03.02.2026

Geiseln

»Wie bitte - es gab keine Dringlichkeit?«

Ehemalige Verschleppte und Angehörige fordern den Rücktritt des Koordinators Gal Hirsch nach Interviews zu Befreiungskundgebungen

von Sabine Brandes  02.02.2026

Gaza

Grenzübergang Rafah teils für Personenverkehr geöffnet

Der Übergang ist das Nadelöhr für all diejenigen, die das Kriegsgebiet verlassen wollen. Jetzt sollen einige Palästinenser nach Prüfung durch Israels Geheimdienst wieder aus- und einreisen können

 02.02.2026