Geiseln

»Ich konnte nach den Schlägen nicht mehr laufen«

Bar Kuperstein und Maxim Herkin (v.l.n.r.) in einem Propagandavideo der Hamas Foto: Screenshot

Die freigelassene Geisel Bar Kuperstein hat im öffentlich-rechtlichen Sender Kan erschütternde Berichte aus seiner zweijährigen Gefangenschaft in der Gewalt der Hamas in Gaza geteilt. Er und andere entführte Israelis seien geschlagen und gefoltert worden, nachdem der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir geprahlt hatte, die Haftbedingungen für palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen zu verschärfen.

Dann beschrieb Kuperstein detailliert, wie seine Entführer ihn und andere als Reaktion auf die israelische Gefängnispolitik wiederholt bestraften. Er sagte, die Schläge hätten ungefähr am 270. Tag seiner zweijährigen Geiselhaft begonnen. »Die Terroristen kamen zu uns und prügelten auf uns ein. Sie stellten uns an die Wand und schlugen uns so richtig zusammen«, erinnerte sich der 22-Jährige. »Sie erklärten: ‚Es ist wegen Ben-Gvir. Weil er dasselbe mit unseren Gefangenen macht. Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Sie wiederholten das noch ein paar Mal. Sie kamen und verprügelten uns«, so die ehemalige Geisel.

Geisel fürchtete, Beine würden ihm abgeschnitten

Einmal hätten die Entführer ihn in eins ihrer Zimmer gebracht. »Sie brachten mich rein, natürlich mit verbundenen Augen, und dann bekam ich zwei Schläge wie diese, direkt ins Gesicht«, sagte er und ahmte dabei nach, wie zwei Becken zusammengeschlagen werden. »Ich fiel durch die Wucht zu Boden.«

Bei einer weiteren Folterung habe er gefürchtet, dass die Terroristen »meine Beine abschneiden«. Er habe versucht, sich zu schützen, indem er ein Bein über das andere schlug, in der Hoffnung, wenigstens eins zu bewahren. »Sie schlugen immer wieder auf meine Beine und Füße und brachen mir mehrere Knochen in den Füßen. Ich konnte ungefähr einen Monat lang nicht laufen.«

Er sagte auch, er sei wütend gewesen, dass Ben-Gvir öffentlich mit der Verschlechterung der Haftbedingungen für palästinensische Häftlinge prahlte und gewusst habe, solche Aussagen würden die Behandlung der Geiseln direkt verschlechtern. »Wie konnten Sie zulassen, dass sie uns misshandeln?«, fragte er in die Fernsehkamera. »Sie sind ein Minister – Sie sollten sich um uns sorgen. Warum schützen Sie uns nicht?«, klagt Kuperstein an.

Bar Kuperstein: »Sie sind ein Minister. Sie sollten sich um uns sorgen. Warum schützen Sie uns nicht?«

Der junge Israeli wurde während des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023 vom Nova-Musikfestival verschleppt. Er gehörte zu den letzten 20 lebenden Geiseln, die vor zwei Wochen durch einen US-vermittelten Deal freigelassen wurden. Die sterblichen Überreste von 13 weiteren, darunter ein im Gaza-Krieg 2014 getöteter Soldat, werden noch immer in Gaza festgehalten.

Ben-Gvir kommentierte, dass er »Bar Kuperstein und allen Geiseln, die nach Hause zurückgekehrt sind, beisteht«. Es seien allerdings die israelischen Medien, »die das Narrativ der Hamas übernehmen«. Er behauptete auch, dass der Inlandsgeheimdienst eingeräumt habe, die Veröffentlichung der harten Maßnahmen habe zu einem Rückgang der Angriffe geführt und die Hamas abgeschreckt. Die Statistiken des Schin Bet widersprechen jedoch seiner Darstellung und zeigen einen starken Anstieg der Terroranschläge während Ben-Gvirs Amtszeit.

Am Montag meldete sich auch die Opposition zu diesem Thema zu Wort. Während einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsausschusses der Knesset beschuldigte die Abgeordnete der Arbeitspartei, Naama Lazimi, Ben-Gvir, die Geiseln wissentlich in Gefahr gebracht zu haben. »Er wusste, dass seine Äußerungen den Geiseln schadeten, und hat dennoch immer weiter über die Bedingungen der Gefangenen gesprochen«, so Lazimi.

Ben Gvir beschuldigt Medien, Hamas-Sprachrohr zu sein

Während der Diskussion sagte Ben-Gvir, er sei stolz auf die Veränderungen, die er im Gefängnissystem vorgenommen habe, und forderte Lazimi auf, »Sprecherin der Hamas zu werden«.

In einem Urteil vom letzten Monat, das weithin als Tadel für Ben-Gvirs Politik eingeschätzt wird, entschied der Oberste Gerichtshof mit zwei zu einer Stimme, dass der Staat seiner gesetzlichen Pflicht zur angemessenen Verpflegung palästinensischer Sicherheitsgefangener nicht nachgekommen sei. Das Gericht ordnete an, die Regierung müsse dafür sorgen, dass die Häftlinge ausreichend Nahrung erhalten, »um ein grundlegendes Leben zu ermöglichen«.

7. Oktober

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