Jom Haatzmaut

»Ich habe keine Unabhängigkeit, weil sie immer noch dort sind«

Foto: Screenshot Instagram

Jom Haatzmaut

»Ich habe keine Unabhängigkeit, weil sie immer noch dort sind«

Der aus dem Gazastreifen befreite Yarden Bibas bittet die Israelis, sich einer Solidaritätsaktion für die noch verbleibenden Geiseln anzuschließen

von Sabine Brandes  30.04.2025 16:57 Uhr

Yarden Bibas ist nicht zum Feiern zumute. Die ehemalige Geisel der Hamas rief die Israelis auf, sich zu Israels 77. Geburtstag einer Solidaritätsaktion für die verschleppten Menschen in Gaza anzuschließen. In den sozialen Netzwerken veröffentlichte er ein Foto, auf dem er ein Blatt vor seine Brust hält. »Eyn atzmaut k’sche hem adaiyn scham«, steht darauf. »Ich habe keine Unabhängigkeit, weil sie immer noch dort sind.«

»An Israels 76. Unabhängigkeitstag war ich in einem Tunnel und hätte nicht gedacht, dass wir in Israel den Unabhängigkeitstag mitten im Krieg und mit Geiseln feiern würden«, schrieb Bibas dazu. »Dieses Jahr kann ich meine Unabhängigkeit nicht feiern, weil meine Brüder und Schwestern immer noch als Geiseln festgehalten werden. Mein Herz ist bei ihnen«, fährt er in seinem Text fort. »Ich werde weder heilen noch zur Ruhe kommen, bis sie alle zurückkehren.«

»Macht mit: Fügt eurem Profilbild die Überschrift ‚Ich habe keine Unabhängigkeit, weil sie immer noch da sind‘ hinzu und teilt es in den sozialen Medien«, fordert er die Öffentlichkeit auf.

Seine Familie wurde kaltblütig von Terroristen ermordet

Der 35-Jährige war fast 500 Tage Geisel der Hamas in Gaza. Seine Familie wurde kaltblütig von Terroristen ermordet: Ehefrau Shiri und seine beiden Söhne, der kleine Ariel und Baby Kfir. Seit dem Tag seiner Freilassung setzt sich Yarden trotz seines furchtbaren Schicksals unermüdlich für die Freilassung der anderen Geiseln ein.

Die junge Mutter und ihre beiden rothaarigen Jungen waren zum allertraurigsten Symbol des israelischen Geiseldramas geworden. Shiri war 32, Ariel vier Jahre und Kfir gerade einmal neun Monate alt, als sie am 7. Oktober nach Gaza entführt wurden. Das angstverzerrte Gesicht von Shiri ging um die ganze Welt, als ihre eigene Welt auf grausame Weise zusammenbrach.

Ein Video der Hamas zeigte, wie sie an jenem Schabbatmorgen verzweifelt ihre zwei Söhne an sich drückte, um sie zu schützen, als Scharen von schwerbewaffneten Terroristen, sie in die Terrortunnel im Gazastreifen verschleppten. Fern von ihrer Welt, ihrem Kibbuz, ihrem Leben, ihren Liebsten.

Berichten zufolge habe die Familie vor dem Blutbad der Hamas erwogen, ihren Heimatkibbuz Nir Oz im Süden Israels zu verlassen und auf die Golanhöhen zu ziehen, da sie die ständige Angst, die Nähe zum Gazastreifen und die nicht aufhören wollenden Raketen der Hamas nicht mehr ertragen konnten.

»Ich kehrte in ein leeres Zuhause zurück, und nach allem, was ich durchgemacht habe – und immer noch durchmache – nenne ich dieses Land immer noch meine Heimat und entscheide mich jeden Tag für das Leben.«

Auch Shiris Mann Yarden, der Vater der beiden Kinder, wurde an jenem grauenvollen Tag nach Gaza entführt. Hamas-Männer beschimpften und bespuckten ihn, schlugen ihm mit einem Hammer den Kopf blutig. Später berichtete eine zurückgekehrte Geisel, dass Yarden unter der Erde in einem Käfig gefangen gehalten wurde.

»Am 77. Unabhängigkeitstag herrscht immer noch Krieg und es gibt immer noch Geiseln, nur dass ich dieses Mal zu Hause bin. Ich kehrte in ein leeres Zuhause zurück, und nach allem, was ich durchgemacht habe – und immer noch durchmache – nenne ich dieses Land immer noch meine Heimat und entscheide mich jeden Tag für das Leben«, so Bibas.

Einav Zangauker, die Mutter der Gaza-Geisel Matan, lud ihr eigenes Foto mit dem von Yarden inspirierten Satz und dem Hashtag »Unabhängigkeit 59« hoch, in Bezug auf die verbleibenden 59 Geiseln in Gaza. Es wird angenommen, dass noch etwa 24 von ihnen am Leben sind.

»Solange unsere Söhne und Töchter dort festgehalten werden, können wir den Unabhängigkeitstag nicht feiern – wahre Unabhängigkeit erfordert ein Ende des Krieges und ein Abkommen zur Freilassung aller«, macht sie klar.

Einav Zangauker kämpft um die Freilassung ihres Sohnes Matan

Zangauker ist eine der leidenschaftlichsten Aktivistinnen, die sich für die Freilassung der Geiseln einsetzt. Von Anfang an kämpft sie furchtlos und lautstark dafür, dass ihr einziger Sohn, der 25-jährige Matan, und allen anderen Entführten nach Hause kommen. Matan wurde zusammen mit seiner Freundin Ilana Gritzewsky aus ihrem Haus im Kibbuz Nir Oz während des Massakers der Hamas verschleppt.

Ilana, die ursprünglich aus Mexiko stammt, kehrte nach 53 Tagen durch das erste Abkommen für die Geiselbefreiung und einen Waffenstillstand im November 2023 nach Israel zurück. Auch sie ist seitdem ständig für die Geiselbefreiung im Einsatz.

Andere ehemalige Geiseln, darunter Arbel Yehoud, Shani Goren und Omer Wenkert, schlossen sich der Kampagne schnell an und posten Fotos mit demselben Slogan. In der israelischen Nationalhymne »Hatikwa« gibt es die Strophe: »Lehiot am chofschi be arzeinu«. Yarden Bibas nahm diesen Satz in seiner Solidaritätsaktion als Motto, um für die Freiheit der noch immer entführten Menschen zu plädieren: »Bitte lasst den Satz ‚Ein freies Volk in unserem Land sein‘ für alle gelten.«

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