Interview

»Ich gehe immer wählen«

Israels Botschafter in Berlin: Yakov Hadas-Handelsman Foto: Marco Limberg

Herr Botschafter, am 22. Januar wird in Israel gewählt. Sie haben bereits vor einer Woche Ihre Stimme in Berlin abgegeben – mit welchen Gedanken?
Als Bürger des Staates Israel ist es mir wichtig, dass ich alle paar Jahre die Möglichkeit habe, Einfluss auf die Politik meines Landes zu nehmen. Egal, ob es sich um Kommunalwahlen handelt oder um die Abstimmung zur Knesset: Ich gehe wählen. In diesem Sinne habe ich auch meine Kinder erzogen. Jeder entscheidet sich für die Partei, die er bevorzugt. Aber wichtig ist, sein Stimmrecht wahrzunehmen. Es ist eine Pflicht, aber auch ein Recht.

Inwiefern?
Wir betrachten es als selbstverständlich, dass Israel ein demokratischer Staat ist, in dem jeder die Möglichkeit hat, seine Meinung frei zu äußern und schlussendlich bei der Wahl die zukünftige Politik mitzubestimmen. Aber gerade hier in Deutschland, wo noch vor wenigen Jahren die Wahlen im Ostteil des Landes alles andere als frei waren, erhält man eine ganz andere Perspektive. Ich schätze es sehr, dass meine Stimme als Bürger gilt. Viele Menschen auf der Welt und auch in der Region des Nahen Ostens wären froh, wenn sie dieses Recht für sich in Anspruch nehmen könnten.

Warum haben nur Diplomaten, aber nicht andere außerhalb Israels lebende Staatsbürger die Möglichkeit, im Ausland zu wählen?
So ist die Rechtslage, die aber von der Politik immer wieder diskutiert wird. Derzeit gilt: Briefwahlmöglichkeiten gibt es nicht. Und im Ausland lebende Staatsbürger – wenn sie nicht im diplomatischen Dienst sind – können nur abstimmen, wenn sie zur Wahl selbst nach Israel reisen.

Wie steht es um die Frage – wie jüngst in der Knesset wieder diskutiert –, ob Juden im Ausland die Möglichkeit erhalten sollten, Einfluss auf die Politik des jüdischen Staates zu nehmen?
Es gibt eine öffentliche Debatte dazu in Israel. Die Mehrheit ist der Auffassung, dass man im Land leben muss, wenn man auf die Politik Einfluss nehmen will. Zudem kann man nur denen das Wahlrecht einräumen, die Bürger des Staates sind. Ich bin der Auffassung, dass Juden in der Diaspora andere Möglichkeiten haben, ihre Meinung in Israel kundzutun.

Wie wird die Knesset-Wahl ausgehen?
Ich bin kein Prophet.

Aber Israel ist das Land der Propheten.
Dennoch werden die Ergebnisse frühestens am Abend des 22. Januar feststehen. Und erst danach werden wir wissen, in welche Richtung es sich entwickeln könnte. Denn in Israel geht es nicht nur darum, wer die meisten Stimmen erhält, sondern wie viele Gruppen oder einzelne Abgeordnete sich auf ein Programm und einen Kandidaten einigen. Koalitionen mit mindestens fünf oder sechs Parteien müssen gebildet werden. So wie es jetzt aussieht, wird der Premierminister auch in Zukunft Benjamin Netanjahu heißen. Jedoch hat er vor Kurzem selbst darauf hingewiesen, dass er längst noch nicht gewählt ist.

Mit dem Botschafter des Staates Israel sprach Detlef David Kauschke.

Wirtschaft

Israel hofft auf mehr Touristen

Kriege und Konflikte in der Region haben den Israel-Tourismus einbrechen lassen. Nun hofft das staatliche Tourismusbüro auf steigende Nachfrage. Es wertet aktuelle Zahlen als positiven Trend

 13.01.2026

Verkehr

Eine Stadt tritt auf die Bremse

Im Kampf gegen Staus führt Tel Aviv die 30er-Zone fast im gesamten Stadtgebiet ein

von Sabine Brandes  13.01.2026

Ehemalige Geiseln

»Es war ganz und gar unmenschlich«

David Cunio wusste zwei Jahre lang nicht, ob seine Brüder noch leben. In einem Interview erzählt er jetzt ausführlich über den Horror in Gaza

von Sabine Brandes  13.01.2026

Meinung

Die Hamas muss sich entscheiden: Deal or no deal?

Die Terrororganisation hält sich nicht an das Waffenstillstandsabkommen mit Israel und verzögert so dessen Umsetzung. Der Druck auf die Hamas muss nun unbedingt erhöht werden

von Sarah Cohen-Fantl  13.01.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel warnt: Die Hamas gibt nicht auf

»Sie sind regelrecht besessen von uns – das ist der Sinn ihres Lebens«, sagt Eitan Mor

 13.01.2026

Hintergrund

Hamas will angeblich Verwaltung in Gaza abgeben

Die Terrorgruppe signalisiert Bereitschaft zur Übergabe von zivilen Einrichtungen – doch weigert sich nach wie vor, die Waffen niederzulegen

von Sabine Brandes  12.01.2026

Beerscheba

Plünderer vom Nova-Festival zu Haftstrafen verurteilt

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es viele Beispiele von Mut und Solidarität. Drei Männer dagegen plünderten am Schauplatz des Massakers. Nun gibt es ein Urteil

 12.01.2026

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

Vor dem Hintergrund der Proteste wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation

von Sabine Brandes  12.01.2026