Justiz

Hilfe für Kinderschänder?

Der ultraorthodoxe Politiker Yaakov Litzman Foto: Flash 90

Die Vorwürfe wiegen schwer. Der stellvertretende Gesundheitsminister Yaakov Litzman wird verdächtigt, mehreren Pädophilen dabei geholfen zu haben, der Justiz zu entkommen. Die Polizei untersucht derzeit, inwieweit der ultraorthodoxe Politiker sein Amt dafür missbraucht hat, verdächtigten oder bereits verurteilten Kinderschändern Hilfestellung zu geben, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender Kan.

PÄDOPHILE Quellen ließen dem Report zufolge verlauten, dass eine Anklage kurz bevorstehe. Die Ermittlungsbehörden wollen Litzman demzufolge in zwei Fällen vor Gericht stellen. Kanal 13 hatte zuvor berichtet, dass Litzman mindestens zehn Pädophilen geholfen haben soll, unter anderem, erleichterte Haftbedingungen zu erhalten. Ihm wird vorgeworfen, staatliche Gutachter, Psychiater und Gefängnispersonal unter Druck gesetzt zu haben. Bei allen Sexualverbrechern handelt es sich offenbar um Ultraorthodoxe, die zu seiner Strömung der Gurer Juden gehören oder ihr nahestehen.

Im schwerwiegenderen der beiden Fälle, die die Polizei untersucht, geht es um die einstige israelische Direktorin der australischen charedischen Mädchenschule Adass Israel in Melbourne. Gegen Malka Leifer liegen 74 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs vor, darunter elf wegen Vergewaltigung. Leifer hatte das Land durch ultraorthodoxe Hilfe verlassen können und war nach Israel geflohen. Australien hatte die Auslieferung gefordert.

GUTACHTEN Dabei rückt den Ermittlern zufolge Litzman ins Bild. Der Vorsitzende der Partei Vereinigtes Tora-Judentum soll Leifer mit einem psychiatrischen Gutachten versorgt haben, das die Auslieferung unmöglich macht. Er habe Angestellte seines Büros dazu gedrängt, das Gutachten entsprechend abzuändern. Es soll Tonaufzeichnungen geben, wie Litzman dies bespricht. Leifer wurde zunächst festgenommen, dann aber in Hausarrest und später ganz entlassen. Nachdem das Oberste Gericht 2018 entschied, dass sie ihre Gesundheitsprobleme nur vorspielt, wurde sie erneut verhaftet.

Auch der Rabbiner der Kotel in Jerusalem, Shmuel Rabinovitch, habe sich für die verdächtigte Päderastin eingesetzt, schreiben israelische Medien. Litzman bestreitet die Vorwürfe und erklärte, er würde alle Anfragen um Unterstützung, die in seinem Büro ankommen, ohne Vorbehalte untersuchen. Im September wird darüber entschieden, ob Leifer ausgeliefert wird oder nicht.

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026