Geiseln

Hersh, Ori, Alex und Almog schützten Eden und Carmel

Hersh Goldberg-Polin, Ori Danino, Eden Yerushalmi (oben, v.l.), Almog Sarusi, Alexander Lobanov und Carmel Gat (unten, v.l.) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Es sind unerträgliche Details, die die israelische Armee über die Lebensbedingungen der sechs ermordeten Geiseln Almog Sarusi, Ori Danino, Eden Yerushalmi, Carmel Gat, Hersh Goldberg-Polin und Alex Lobanov jetzt veröffentlichte. Sechs junge israelische Menschen, die von den Terroristen der Hamas jeglicher Lebenswürde beraubt und am Ende – nach elf Monaten des Überlebens in schockierenden Zuständen – kaltblütig erschossen wurden.

Die Israelis hätten in dem Tunnel tief unter der Erde ohne jegliche Lüftung kaum atmen können, heißt es in dem Bericht. Daniel Hagari, Sprecher der IDF, informierte die Familien der sechs jungen Menschen, wie Channel 12 und 13 am Wochenbeginn sendeten. Die israelischen Streitkräfte gehen davon aus, dass sie etwa 24 bis 72 Stunden vor dem Eintreffen der Soldaten in dem Tunnel im Süden des Gazastreifens am 31. August aus nächster Nähe erschossen wurden. Hagari habe den Angehörigen auch Fotos vom Inneren des Hamas-Tunnelsystems gezeigt.

Terror-Tunnel ohne jegliche Belüftung

Die vier Männer und zwei Frauen wurden in einem kleinen, sehr engen Tunnel gefangen gehalten, der kaum so breit war wie zwei Menschen und zu niedrig, um aufrecht zu stehen. Es habe keinerlei Belüftungsöffnungen gegeben, ein Umstand, der es ihnen sehr schwer gemacht haben muss zu atmen. Außerdem habe es keinerlei sanitäre Anlagen, weder Toiletten noch Duschen, gegeben. Die Geiseln hätten sich notdürftig mit Wasser der Flaschen gewaschen, aus denen sie auch tranken, so die IDF.

Im Tunnel wurden Proteinriegel gefunden, aber die Geiseln hatten offensichtlich sehr wenig zu essen und nahmen so stark ab, dass die 24-jährige Eden Yerushalmi vor ihrer Ermordung nur noch 36 Kilogramm wog. Die Soldaten fanden einen Generator und eine kleine Taschenlampe, die allerdings nicht immer funktioniert haben soll, ein Schachspiel sowie Schreibutensilien und Notizblöcke. Die Armee übergab die Aufzeichnungen ihrer Kinder den Familien.

Der Bericht erzählte auch vom Mut in den letzten Augenblicken ihres Lebens. Mehrere der Geiseln hätten versucht, ihre Mörder abzuwehren, so die IDF. »Einige der sechs haben sich vermutlich verteidigt und mit denen gekämpft, die auf sie geschossen haben«, hieß es. Forensische Befunde zeigten, dass »Hersh, Ori, Alex und Almog Eden und Carmel verteidigt haben«.

»Die Geiseln haben alles getan, um unter unmöglichen Umständen zu überleben und wurden am Ende gnadenlos von der Hamas ermordet.«

Mitglieder einer Familie, die nicht namentlich genannt werden wollte, sagten Channel 12, die Geiseln hätten »alles getan, um unter unmöglichen Umständen zu überleben und wurden am Ende gnadenlos von der Hamas ermordet. Ihre einzige Forderung war, dass die Regierung sie rettet. Doch die Regierung hat ihre Mission nicht erfüllt«.

Andrey Kozlov, der nach 264 Geiselhaft in Gaza von israelischen Elite-Sicherheitskräften in einer dramatischen Rettungsaktion zusammen mit drei anderen Geiseln befreit worden war, erzählte auf der größten Demonstration für einen Geiseldeal in Tel Aviv, dass er am Anfang zwei Monate lang mit Alex Lobanov zusammen festgehalten worden war. »Dann sagten die Terroristen auf einmal, dass Alex morgen freigelassen wird, und nahmen ihn mit.« Er habe so für ihn gehofft, dass er in Freiheit ist. Doch Alex kam nie nach Hause.

»Ich bin einer der Glücklichen, dass ich wieder zu Hause bin«, sagte Andrey mit tränenerstickter Stimme unter dem großen Applaus der Demonstranten. Doch im Herzen könne er nicht glücklich sein. »Solange die anderen Geiseln noch in Gaza in der Gewalt der Hamas sind.« Dann erinnerte er an Alex und die anderen: »Alex, der sein fünfmonatiges Baby nicht kennenlernen durfte, und dessen zwei kleine Kinder Kai und Tom nun keinen Vater haben. Das darf mit den anderen Geiseln nicht geschehen.«

Kein »Gefallen, sondern Verantwortung«, die Geiseln zu befreien

Es sei kein »Gefallen«, den die israelische Regierung den Geiseln tun müsse, beklagte Nissan Kalderon, Bruder der Geisel Ofer Kalderon. »Es ist die absolute Verantwortung der Regierung, sie nach Hause zu bringen.«  

Man geht davon aus, dass sich 101 Geiseln, die während des Angriffs der Hamas am 7. Oktober entführt wurden, noch immer in Gaza befinden, darunter die Leichen von mindestens 33, deren Tod von den israelischen Streitkräften bestätigt wurde. Bei dem Schockangriff stürmten Tausende Terroristen, angeführt von der Hamas, südliche Gemeinden Israels, töteten mehr als 1200 Menschen und nahmen 251 Geiseln.

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