Gesellschaft

»Habaita« – das Wort des Jahres in Israel

Foto: picture alliance / REUTERS

Drei simple Silben, die das Gefühl eines ganzen Landes ausdrücken: Habaita. Eigentlich bedeutet das hebräische Wort mit Vorsilbe schlicht »nach Hause«. Im vergangenen Jahr aber stand es für viel mehr: die nationale Sehnsucht, dass die Geiseln in der Gewalt der Hamas in Gaza endlich in Freiheit – und nach Hause – kommen. Jetzt wurde »Habaita« zum Wort des Jahres gewählt.

Die Akademie für Hebräische Sprache hatte die Öffentlichkeit um Vorschläge für Wörter gebeten, die das vergangene Jahr zusammenfassen, und zehn Kandidaten ausgewählt. Die Öffentlichkeit stimmte anschließend über diese Wörter ab, wobei »Habaita« den ersten Platz belegte.

Das Wort symbolisiert die Rückkehr fast aller Geiseln

Das Wort »symbolisiert die Rückkehr fast aller Geiseln aus Gaza sowie die Heimkehr einiger Bewohner von Städten nahe der Grenze zum Gazastreifen und in den Norden, die im Zuge des Krieges an mehreren Fronten verwüstet oder evakuiert wurden, sowie die Hoffnung auf die Rückkehr auch der letzten Geisel in Gaza, Ran Gvili«, schrieb die Akademie in einem Facebook-Beitrag. Auf dem zweiten Platz landete »Künstliche Intelligenz«, gefolgt von »Hoffnung« auf dem dritten Platz.

Am 13. Oktober 2025, kurz nach sieben Uhr, lief die Meldung über alle Kanäle in Israel: »Sie sind nicht mehr in den Händen der Hamas!« Die ersten sieben israelischen Geiseln waren in diesen Minuten von der Terrororganisation an das Rote Kreuz übergeben worden. »Sie sind in Ordnung und laufen auf ihren Beinen« riefen Kommentatoren aufgeregt in die Kameras.

Knapp drei Stunden später die nächste Eilmeldung. »Die nächsten 13 jungen Männer sind aus der Gewalt der Hamas befreit. Keine lebenden Geiseln sind mehr in Gaza. Sie alle kommen: Habaita!« Zum ersten Mal seit über zwei Jahren schien die gesamte Nation tief durchzuatmen.

Akademie für Hebräische Sprache: »Das Wort symbolisiert die Rückkehr der Geiseln aus Gaza und die Heimkehr einiger Bewohner von Städten nahe der Grenzen.«

»Habaita« ist kein politischer oder militärischer Begriff, kein Schlagwort der Krise. Und doch beschreibt es genau, was Israel seit dem 7. Oktober bewegt: die Sehnsucht nach Rückkehr – und die Erkenntnis, wie fragil sie ist.

Der Terrorangriff der Hamas auf den Süden Israels riss die Menschen aus ihrem Leben. Familien wurden in ihren Häusern ermordet, junge Menschen auf dem Nova-Festival erschossen oder verschleppt, Soldaten und Polizisten überrannt. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 1.200 Menschen ermordet und 251 Israelis und Ausländer als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Namen, die zuvor niemand kannte, wurden Teil der öffentlichen Sprache: Mia Schem, die später über ihre Gefangenschaft sprach. Romi Gonen, deren Freunde neben ihr im Auto ermordet wurden und die dann schwer verletzt entführt wurde. Bar Kuperstein, dessen Vater nach einem Schlaganfall wieder sprechen lernte, um nach seinem Sohn zu rufen. Und Matan Zangauker, dessen Mutter Einav wie eine Löwin auf den Straßen des Landes kämpfte, um ihn zu befreien.

Heimkehr sieht nicht für alle gleich aus

Als nach 50 Tagen im Rahmen des Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommens erste Geiseln freikamen, darunter viele Kinder, war die Erleichterung spürbar, aber gedämpft. Denn so viele unschuldige Menschen blieben in den Händen der Terrororganisation zurück. Und die drängendste Frage im Land blieb: »Wann kommen sie Habaita?«

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Heimkehr nicht für alle gleich aussieht. Einige kehrten lebend zurück. Andere nur in Särgen. Und eine letzte Geisel ist bis heute nicht Zuhause: Ran Gvili. Der junge Polizist hatte am 7. Oktober trotz Verletzung gegen Terroristenhorden gekämpft, Menschen in Sicherheit gebracht und war schließlich getötet und verschleppt worden. Solange er nicht zurückgebracht wird, bleibt »Habaita« unvollständig.

Gerade deshalb hat das Wort eine besondere Bedeutung bekommen. Es steht nicht nur für Freude, sondern auch für Verantwortung. Für die Israelis ist das Nach-Hause-Kommen aller Geiseln, der Lebenden wie der Toten, keine Randfrage, sondern ein moralischer Kern. Ein Land, das seine Menschen schützt, endet nicht an der Grenze des Lebens. Es besteht darin, niemanden – wirklich niemanden – zurückzulassen.

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