Start-up Firmen

Gründerzeit

Viele Ideen, großes Geld: Einige Start-ups haben bereits bei ihrer Gründung den Verkauf an einen Internet-Riesen im Blick. Foto: Thinkstock

Eine ging für 1,25 Milliarden Dollar über den Ladentisch, eine andere für etwas weniger. Der ganz normale Verkaufspreis für israelische Start-up-Firmen der Topriege bewegt sich derzeit in Milliardenhöhe.

2015 war ein Rekordjahr für die Gründerszene im Heiligen Land. Nach dem Silicon Valley in den USA gilt Tel Aviv als die größte Start-up-Region der Welt.

96 Firmen wurden von meist internationalen Unternehmen gekauft – für insgesamt mehr als neun Milliarden US-Dollar. Viele Start-ups haben bereits bei ihrer Gründung diesen sogenannten Exit im Blick. Berühmt geworden sind vor wenigen Jahren die Verkäufe der Navigations-Applikation Waze an den Internet-Riesen Google.

Recherche Das Rechercheinstitut IV Chat hat nun die aktuellen Zahlen veröffentlicht. Diese zeigen, dass sich der Start-up-Sektor in Israel weiterhin auf dem aufsteigenden Ast befindet. 16 Prozent mehr als im Jahr 2014 schafften den erfolgreichen Exit. Durchschnittlich nahmen die Eigentümer pro Verkauf 87 Millionen Dollar ein – eine 40-prozentige Steigerung des vorherigen Zehnjahres-Durchschnitts von 62 Millionen.

Top-Verkäufe 2015 waren Fundtech, das für 1,25 Milliarden Dollar von D+H, einem internationalen Unternehmen im Bereich der Technologie für Finanzdienstleistungen, übernommen wurde. Außerdem wurden Valtech von HeartWare für 925 Millionen und ExLibris von ProQuest für eine halbe Milliarde Dollar verkauft.

Alon Sahar, einer der Initiatoren der Studie, sagt: »Unternehmen werden heute noch immer für ihr menschliches und technologisches Kapital aufgekauft. Zusehends haben sie aber auch das Potenzial, wirklich auf Märkten erfolgreich zu sein und echte Geschäfte zu machen. Aus diesem Grund kommen diese riesigen Kaufsummen zustande.«

Doch nicht alle streben das schnelle Geld durch einen Exit an. Andere Gründer wollen ihre Firmen behalten und wachsen sehen. Die Internet-Marketingplattformen Outbrain und Taboola gehören beispielsweise dazu. »Das ist ein bedeutender Trend, der eindeutig das Wachstum der israelischen Start-up-Szene zeigt«, meint Sahar.

Bedenken, dass der Erfolg lediglich eine Blase sei, die schnell zerplatzen könne, gibt es durchaus, ähnlich der »dot-com«-Geschäfte, die sich zu Beginn des Jahrtausends in Luft auflösten. Manche Experten in Israel warnen vor allem im Bereich der Cyber-Security davor. Denn von den im vergangenen Jahr weltweit neu entstandenen 500 Cybersicherheitsunternehmen kommen allein 300 aus Israel.

Goldene Ära Einer, der sich auskennt, ist Eden Schochat. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er Face.com gegründet, das 2013 für weit mehr als 100 Millionen Dollar an Facebook ging.

Schochat ist durchweg optimistisch und glaubt an eine zweite »goldene Ära« für die Start-ups: Seiner Meinung nach hat die Gründung von Yozma, einer Initiative der Regierung für Venture Capital Anfang der 90er-Jahre, der Gründerszene einen ersten wesentlichen Schub gebracht. Venture Capital ist eine Investition, die mit Verlustrisiko zur Finanzierung junger Unternehmen eingesetzt wird.

»Durch Venture Capital Fonds haben die Firmen heute nicht mehr so viel Druck, sofort verkaufen zu müssen, sondern können wachsen und bilden so große israelische Unternehmen«, ist Schochat sicher. Für ihn ist klar, dass der Trend auch weiterhin nach oben gehen und sogar zu einer dritten goldenen Ära führen wird. Und das sei sogar ganz einfach, denn die Hightech-Industrie mache schließlich schon jetzt 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. »Es ist eine unglaubliche Zeit, um hier in Israel zu sein, und eine fantastische Generation.«

Einziger Wermutstropfen ist die relativ geringe Beteiligung von ausländischen Talenten im Start-up-Bereich. Im Vergleich zu den USA sind in Israel 40 Prozent weniger Innovative aus dem Ausland beschäftigt.

Das aber soll sich jetzt ändern. In einer Gemeinschaftsaktion von Wirtschafts- und Innenministerium sowie dem Büro des Chef-Wissenschaftlers werden zukünftig spezielle Start-up-Visa ausgegeben.

Ideen Bald schon sollen damit Jungunternehmer mit guten Ideen aus der ganzen Welt in Israel aktiv werden können. Die erste Stufe des Visums wird für 24 Monate ausgestellt und kann bei Gründung eines Unternehmens schließlich sogar in ein Expertenvisum für fünf Jahre umgewandelt werden.

Bislang werden Arbeitsvisa lediglich für ein Jahr vergeben, und zudem müssen Firmen nachweisen, dass sie keinen geeigneten Bewerber innerhalb Israels finden. »Israel wird als Zentrum der Innovation und Entwicklung angesehen«, heißt es in einer Erklärung aus dem Wirtschaftsministerium zum Visa-Projekt, das im Laufe dieses Jahres beginnen soll. »Und wir müssen daran arbeiten, dass es so bleibt.«

Das sieht auch der Tel Aviver Bürgermeister Ron Huldai so. Er lobt die Initiative, denn sie mache das »Ökosystem Start-up« für junge Innovative aus dem Ausland zugänglich und attraktiv.

»Junge Unternehmer kommen aus ganz Israel nach Tel Aviv, um Neuheiten zu erfinden. Jetzt können junge Menschen aus der ganzen Welt kommen und dieses Phänomen zusammen mit uns erleben«, betont Huldai. Tel Aviv wird es nutzen, und den Kreativen sowieso.

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