Jaffa

Große Träume am Meer

Dream Big – die fetten Lettern am Eingang des Peres Center for Peace and Innovation in Jaffa erinnern an das, was Schimon Peres (1923–2016) einst sagte: »Mein Fehler war, dass meine Träume nicht groß genug waren.« Vor den Eingangstüren rauscht das Meer, und dahinter sind der Vorstellung keine Grenzen mehr gesetzt. Willkommen im neuen Innovationszentrum – dem Zuhause der israelischen Erfindungen.

Waze Hier findet man die bekannten Namen alle unter einem Dach: Waze, PillCam, Mobileye und die vielen anderen Innovationen aus Israel. In der »Halle der Fantasie« werden die Erfindungen vorgestellt, die das Leben nicht nur verbessern, sondern es oft auch retten: darunter die Tröpfchenbewässerung, die Ernten sichert und dabei Wasser spart.

Adi Altschuler gründete die erste Jugendbewegung für Behinderte mit ihrer Organisation Knafaim Shell Krembo.

»Was ist Innovation?«, fragt Atar, der die Gruppe führt. Eine Antwort gibt es nicht, »denn hier kann man es erfahren«. Im nächsten Raum wird man darüber von den Erfindern persönlich aufgeklärt, darunter Mosche Friedman, der mit seiner Firma KamaTech charedische Frauen und Männer in die Tech‐Welt integriert. Oder Gil Schwed von Check Point, der als weltweiter Pionier in der Cybersicherheit gilt. Adi Altschuler gründete die erste Jugendbewegung für Behinderte mit ihrer Organisation Knafaim Shell Krembo.

VIELFALT »Innovation, das sind vor allem die Menschen, die dahinterstehen: Männer, Frauen, Juden, Araber, Religiöse, Säkulare …«, lässt Atar die Gruppe wissen, »und die Vielfalt der Gebiete, in denen die Erfindungen entstehen.« Auch Uri Levine ist dabei, dessen Navigationssystem Waze heute in der ganzen Welt genutzt wird. Er erzählt, dass es acht lange Jahre gedauert hat, bis ihm jemand Geld für seine Idee gab. »Es war wie eine Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen. Ich weiß nicht, wie oft wir ›Nein‹ gehört haben. Aber es war sehr, sehr oft.« Levine rät, immer wieder aufzustehen und nicht aufzugeben.

Das Museum ist in die Bereiche Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart auf­geteilt. Die Vergangenheit erzählt die Geschichte der Innovation in Israel auf interaktive Weise. Hier lernt man die Hintergründe der Cherrytomate, die eigentlich in Südamerika erfunden wurde, aber wenig schmackhaft und noch weniger erfolgreich war. Erst die israelischen Wissenschaftler machten sie zu dem, was sie heute ist: ein weltweit erfolgreiches Produkt. »Denn bei Innovation geht es nicht immer nur um die Erfindung an sich«, erläutert Atar, »sondern auch darum, wie sie verbessert, zugänglich gemacht und auf den Markt gebracht wird.«

In der »Kapsel« schließlich wagt man per Virtual‐Reality‐Brille einen Blick in die Zukunft. Welche Probleme es in zwei Jahrzehnten geben wird und wie sie behoben werden können, steht hier im Mittelpunkt. Gegen die Lebensmittelknappheit könnten Speisen aus dem 3D‐Drucker eingesetzt, Krankheiten direkt im Körper geheilt werden. Die Besucher spielen dabei den Science‐Fiction‐Koch oder digitalen Doktor im Miniformat, fliegen durch die Aorta und zerstören mit einem Blick aus den Augenwinkeln böse Fettzellen oder gefährliche Blutgerinnsel.

Per VR‐Brille kann man durch den Körper fliegen und Blutgerinnsel zerstören.

Die letzte Halle ist der Innovation des Heute gewidmet. 6000 neue Start‐ups gibt es in Israel jährlich, die höchste Zahl pro Kopf weltweit. Im Museum wollen 45 Neuheiten erkundet werden. Die meisten von ihnen sind noch nicht auf dem Markt, »und werden es vielleicht nie sein«, gibt Atar zu bedenken und erinnert daran, »dass 90 Prozent aller Start‐ups scheitern«.

Dennoch gibt es Vielversprechendes zu sehen: ein künstliches Auge für Menschen, die unter Netzhautablösung leiden, von Nano Retina oder eine Brille von Orcam, die blinden Menschen das Leben erleichtert, indem sie Bücher einscannt und vorliest oder sicher durch unbekanntes Terrain leitet.

Und wer bei dem Rundgang hungrig geworden ist, der wird mit einem Snack von Hargol belohnt. Der ist allerdings nicht nach jedermanns Geschmack, denn es handelt sich um getrocknete Grashüpfer. Die Firmengründer haben zwar nicht das grüne Insekt neu erfunden, aber die Art der Aufzucht revolutioniert.

Denn Grashüpfer schlüpfen normalerweise nur in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen im Jahr. Sie aber schafften es durch Manipulation der Wetterverhältnisse, dass die Tierchen das ganze Jahr über aufwachsen. Zu kaufen gibt es die Proteinquelle bereits in den USA, und bald soll sie auch in israelischen Supermarktregalen liegen.

BOTSCHAFT Einlass in die Ausstellung gibt es bislang nur per geführtem Rundgang. »Denn wir geben einen 360‐Grad‐Überblick über die israelische Innovationsgeschichte und wollen sicherstellen, dass unsere Botschaft richtig verstanden wird«, erläutert die stellvertretende Direktorin des Peres Center, Yarden Leal. »Es geht um das Verstehen von Innovation im Sinne von Schimon Peres, also darum, wie sie das Leben verändert und verbessert. Hinter jeder Idee stehen Menschen, die glauben, dass es in der Welt einen Platz für sie gibt und dass sie etwas ändern können. Damit verbindet sich auch der Ansatz, dass Innovation und der Aufbau von Frieden Hand in Hand gehen. Denn was gebraucht wird, um eine Idee umzusetzen und Frieden zu schaffen, sind dieselben Dinge: Kreativität und Optimismus.«

Auch das Peres Center for Peace entstand vor 23 Jahren aus einer simplen Idee. Vor zehn Jahren erhielt es mit dem Gebäude in Jaffa einen festen Standort. Den Ideen, Erfindungen und Innovationen ein Haus zu geben, war Peres’ Traum. Als der damalige US‐Präsident Barack Obama Israel besuchte, erzählte ihm Präsident Peres von der Start‐up‐Nation und wollte ihm gern etwas dazu zeigen. Doch es gab nicht den einen Ort, den man hätte besuchen können, um die Erfindungen vorzustellen. Mit dem Innovationszentrum gibt es ihn jetzt.

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