Wirtschaft

Gouverneur gesucht

Kein geeigneter Kandidat in Sicht: Die Bank of Israel sucht noch immer nach einem Nachfolger Stanley Fischers. Foto: Flash 90

Wäre Stanley Fischer ein von Egoismus getriebener Mann, er würde sicherlich frohlocken ob des Chaos, das sein Rücktritt hinterlassen hat. Doch das ist der ehemalige Gouverneur der Bank of Israel mitnichten. So schaut er sicherlich mit großer Sorge auf das, was sich derzeit an der wirtschaftlichen Spitze des Landes abspielt. Innerhalb kürzester Zeit warf bereits der dritte Kandidat – noch vor Aufnahme seiner Arbeit – das Handtuch.

Um zwei der vorgeschlagenen Anwärter, Jacob Frenkel und Leo Leiderman, spielte sich in den vergangenen Wochen eine regelrechte Seifenoper ab. Zunächst hatte Frenkel, der schon einmal auf diesem Sessel gesessen hatte, zugesagt, den Job des neunten Gouverneurs zu übernehmen. Doch dann verschwand er plötzlich von der Bildfläche. Wegen eines angeblichen Diebstahles in einem Laden in Hongkong zog er schließlich seine Zusage zurück. Die Israelis schüttelten darüber nur noch den Kopf. Für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu indes war das Frenkel-Fiasko wie ein politischer Schlag ins Gesicht.

Schlüsselposition Der Posten an oberster Stelle der Bank of Israel (Zentralbank) ist eine Schlüsselposition, mit der die Marktlage des Landes steht und fällt. Netanjahu ist in Zugzwang, umgehend zu handeln. Bevor die Stabilität ins Wanken gerät und potenzielle Investoren von ihren Geschäften zurücktreten.

Doch Netanjahu reagierte schnell und setzte prompt Leo Leiderman ein, derzeit Berater der Bank Hapoalim sowie seit Jahren Wirtschaftsprofessor an der Tel Aviver Universität. Allerdings war auch der alles andere als vorbereitet für den Job, wie es scheint. Denn schnell machten Gerüchte über Leidermans »Hobby« die Runde. Sämtliche Medien überschlugen sich mit Meldungen über sein Interesse an Astrologie.

Angeblich habe er oft, teilweise mehrfach täglich, den Astrologen Amos Aharoni kontaktiert, so ein Bericht auf Kanal 10. »Astrologie und Numerologie: wahrhaftig keine gute Verbindung«, schrieb ein einheimischer Blogger. Im Blätterwald rauschte es ob Leidermans Interesse, auf einen sarkastischen Kommentar folgte der nächste. Die Zeitung Yedioth Ahronoth fragte auf ihrer Titelseite: »Wie sieht wohl die Wirtschaft auf Neptun derzeit aus?«

Auch die stellvertretende Chefin der Bank of Israel und gleichzeitig Fischers Lieblingskandidatin, Karnit Flug, hatte nach diesem ganzen Durcheinander offensichtlich genug und kündigte ihren Rücktritt an. Es scheint tatsächlich, als hätte der nicht nur überaus erfolgreiche, sondern auch beliebte Fischer zu große Schuhe hinterlassen.

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026

Luftfahrt

Rücktritt von Transportministerin Regev gefordert

Oppositionspolitiker wollen, dass Miri Regev wegen des »Flydubai-Desasters« Verantwortung übernimmt und ihren Posten räumt

von Sabine Brandes  05.10.2026

Fußball

Irischer Fitness-Trainer wirft Israel Spuckattacke vor

Irland gegen Israel war eine Nations-League-Paarung, die seit der Auslosung für viel Unruhe gesorgt hat. Beim Rückspiel gibt es nun Vorwürfe zu einem extrem unsportlichen Verhalten

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026