Diplomatie

Getreide für den Sudan

Sudanese in Israel Foto: Flash 90

Ein weiteres muslimisches Land will seine Beziehungen zu Israel normalisieren: der Sudan. Damit ist das Land nach den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain die dritte arabische Nation innerhalb von zwei Monaten.

Vermittelt hatte US-Präsident Donald Trump. In einem gemeinsamen Telefonat am vergangenen Freitag besiegelte er mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dessen Amtskollegen im Sudan, Abdalla Hamdok, den Deal. Ebenfalls dabei war der Chef des sudanesischen Übergangsrates, Abdel Fatah al-Burhan. Netanjahu freute sich über den »erweiterten Kreis des Friedens«. Er versprach, dass sich schon bald Delegationen treffen werden, um Kooperationen in verschiedenen Bereichen zu besprechen, allen voran Landwirtschaft und Handel.

LISTE Auch die Frage der sudanesischen Flüchtlinge, die in Israel leben, soll zwischen den Ländern geklärt werden. Israelische Maschinen werden über den Sudan fliegen dürfen, um die Routen von und nach Südafrika oder Südamerika zu verkürzen. Voraussetzung für die Vereinbarung war, dass Trump den Sudan von der Liste der Länder streicht, die Terrorismus fördern.

Doch nicht alle in dem nordostafrikanischen Land frohlocken. Die größte politische Partei, Umma, erklärte unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Sadiq al-Mahdi, dass die Erklärung von Netanjahu und Hamdok »gegen sudanesische Gesetze verstößt, den Friedensprozess in Nahost zerstört und einen neuen Krieg auslösen könnte«.

Er machte auch deutlich, dass die Verständigung dem fragilen Gleichgewicht der Übergangsregierung aus zivilen und militärischen Gruppen schade. Noch ist zwischen Israel und dem Sudan nichts unterzeichnet. Denn dem Abkommen muss erst noch der legislative Rat zustimmen, der noch nicht eingesetzt ist.

WAHLEN Der Sudan ist mit rund 43 Millionen Einwohnern das drittgrößte afrikanische Land. Er befindet sich derzeit auf dem Weg der Demokratisierung, nachdem die Armee den langjährigen Autokraten Omar al-Bashir 2019 aus dem Amt jagte. Die Übergangsregierung hat bis 2022 Wahlen versprochen.

Am Sonntag gab Netanjahu bekannt, dass er schon sehr bald eine Lieferung im Wert von fünf Millionen US-Dollar auf den Weg schicken will. »Wir liefern Getreide an unsere neuen Freunde im Sudan.«

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

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