Interview

»Gegen unsere Werte«

Rabbiner Rothenberg, glauben Sie, dass der Skandal um den Rabbiner Elon ein Einzelfall ist?
Das kann ich auch nicht wissen. Aber in jeder Gesellschaft gibt es wohl einen bestimmten Prozentsatz an schlimmen Fällen wie diesem.

Finden Sie es richtig, dass das Takana-Forum Sanktionen beschloss, während die Öffentlichkeit von alledem nichts wusste?
Persönlich meine ich, dass in jedem Fall die Autoritäten des Staates eingeschaltet werden müssen. Das ist zum Vorteil aller Seiten. Polizei und Gerichte schützen Opfer und auch Täter. Mit allem Respekt für ein besonderes Forum, aber es kann nicht das System ersetzen. Allerdings ist es legitim für eine Gruppe von Menschen, derartige Foren zu haben, die über bestimmte Normen wachen. Denn Gemeinschaft dreht sich hauptsächlich um Normen.

Welche Konsequenzen hat das Bekanntwerden der Affäre?
Für die Anhänger des Rabbiners Elon wird es schwierig sein, doch ich glaube die meisten werden ihm weiter folgen, und er wird sie nach wie vor leiten. Alle anderen, übrigens auch viele säkulare Menschen, die ihn einfach mochten und seine guten Vorlesungen in Radio oder Fernsehen schätzten, werden ihn vielleicht vermissen. Aber, sollte er wiederkommen, werden sie ihm bestimmt wieder zuhören.

Ist sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen ein Phänomen in religiösen Kreisen?
Ich glaube nicht, dass es ein Phänomen ist, es ist menschlich, eine schlechte Wahl zu treffen, zu irren. Und wir alle sind schließlich Menschen, niemand hat eine Versicherung, die ihn vor so etwas schützt. Ich kritisiere aber den Puritanismus, vor allem in orthodoxen Kreisen. Oft hat sich die jüdisch-orthodoxe Erziehung in diesem Sinn an die christliche angenähert. Er steht in krassem Gegensatz zu den jüdischen Werten der Liebe zwischen Partnern. Viele Menschen sind in dieser puritanischen Erziehung gefangen – und das führt zu großen Problemen.

Mit dem Professor am Jerusalemer Van-Leer-Institut und Stadtrabbiner von Har Adar sprach Sabine Brandes.

Bildung

Handys weg!

In Tel Avivs Schulen müssen Mobiltelefone künftig im Schließfach bleiben

von Sabine Brandes  24.09.2026

Politische Einflussnahme

»Katargate« bringt Netanjahu und sein engstes Umfeld unter Druck

Neue, brisante Informationen zur Affäre um mutmaßliche Verbindungen zwischen Mitarbeitern des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Katar könnten weitreichende Folgen haben

 24.09.2026

Terror-Infrastruktur

Tunnelschacht und Waffen im Westjordanland entdeckt

Ermittler nahmen vier Personen fest, die sich am Fundort befanden. Sie wurden zur weiteren Befragung mitgenommen

 24.09.2026

Tel Aviv

Fall eines Grenzpostens erleichterte Hamas-Angriff auf Be’eri

Einer Untersuchung zufolge war die Einheit nicht auf einen groß angelegten Überraschungsangriff vorbereitet

 24.09.2026

Jerusalem

Wahlausschuss schließt arabische Parteien und Kandidaten von Israels Wahl aus

Im Mittelpunkt des Verfahrens stand ein Artikel des Kandidaten Abu Shehadeh. Darin bezeichnete er den Hamas-Angriff vom 7. Oktober als »ein wichtiges historisches Ereignis in militärischer, politischer und strategischer Hinsicht«

 24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

Westjordanland

Sohn von Israels US-Botschafter bei Anschlag schwer verletzt

Neria Leiter benötige »ein Wunder«, um zu überleben, erklärt sein Vater

 24.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  23.09.2026

Wohltätigkeit

Gal Gadot ganz großzügig

Die Hollywood-Schauspielerin spendet Geld vom Genesis-Preis an Organisationen für die Rehabilitation psychisch Kranker

von Sabine Brandes  23.09.2026