Drohnen

Gefahr von oben

In Israel gibt es etwa 20.000 Drohnen, die von Privatpersonen, Unternehmen oder der Regierung verwendet werden. Foto: Thinkstock

Sie kommen nach Sonnenuntergang. Wenn es dunkel wird am Strand von Tel Aviv, tauchen die roten Lichter am Horizont auf. Sie huschen in Windeseile umher, manchmal zwei oder drei, manchmal ein ganzes Dutzend. Ist das Meer still, hört man ein Surren dazu: Drohnen. Nach Angaben im neuesten Bericht des Staatlichen Kontrolleurs gibt es in Israel etwa 20.000 von ihnen, die von Privatpersonen, Unternehmen oder der Regierung verwendet werden – zum Spaß, fürs Geschäft oder im offiziellen Auftrag. Doch die kleinen fliegenden Objekte bergen große Gefahren.

Vor allem jene in privater oder geschäftlicher Hand, die gänzlich unkontrolliert durch den Himmel düsen. »Denn«, so der Bericht von Josef Schapira, »niemand überwacht sie.« Schapira stellte seine Erkenntnisse jetzt auch in der Knesset vor. Obwohl die meisten der Drohnen auf eine Fluglänge von ungefähr zwei Kilometern begrenzt sind, würden sie dennoch eine massive Gefährdung in verschiedenen Bereichen darstellen: bei der persönlichen Si-cherheit sowie im Flugverkehr und im größeren Rahmen sogar für die nationale Sicherheit.

Bomben So könnten, schreibt Schapiro, etwa Feindesnationen die Flugobjekte über die Grenze schicken, ausgerüstet mit Bomben, die sie zielgenau abwerfen. Ein Horrorszenario. Doch keine Zukunftsmusik. Viele der Drohnen können bereits heute eine Fracht von fünf Kilogramm problemlos befördern. Es ist bekannt, dass zum Beispiel die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sie im Irak und in Syrien umfassend nutzte.

Auch Hisbollah, Hamas und Islamischer Dschihad setzen zunehmend Drohnen ein. Auch können sie mit Kameras ausgestattet werden und zur Spionage – persönlich oder staatlich – missbraucht werden. Natürlich geschieht das bereits. Derzeit gibt es keinerlei Registrierung für Drohnen in Israel, praktisch jeder kann sie im Internet kaufen und umherfliegen lassen. Manche kosten gerade einmal umgerechnet 50 Euro. Das israelische Sicherheitsestablishment warnt schon lange davor.

Dabei ist es nicht so, dass es keine Abwehr gäbe. Rafael Advanced Defense Systems exportiert seine Drohnen-Abfangsysteme bereits ins Ausland, und auch kleinere Unternehmen, etwa ORAD, sind in diesem Sektor weit fortgeschritten. Das Problem liege woanders, ist Schapira überzeugt: »Es gibt ein Vakuum im Bereich der Zuständigkeit und Autorität, wenn es um Drohnen geht. Das führt zu den Schwierigkeiten, eine angemessene Antwort auf nationaler Ebene zu finden.«

sicherheit Der Leiter der Anti-Drohnen-Abteilung von Rafael, Avi Meir, bestätigt das: »Die Sorge gilt nicht mehr nur einer einzelnen Drohne, sondern ganzen Scharen von ihnen.« Die Gefahr wird immer größter, fasst Meir zusammen, doch die Fähigkeiten, dagegen etwas zu unternehmen, gebe es im Prinzip bereits. »Das Sicherheitsestablishment in Israel muss eine Entscheidung treffen.«

Der Staatliche Kontrolleur wurde auf die Drohnen aufmerksam, nachdem er seinen Bericht über den Gaza-Krieg vom Sommer 2014 verfasste, der die Regierung in Jerusalem aufs Schärfste kritisierte. Damals hätten die Politiker die Gefahr der sogenannten Terrortunnel der Hamas völlig unterschätzt oder sogar ignoriert. Schapira sieht jetzt Parallelen zum Problem mit der Gefahr durch Drohnen und beauftragte den früheren Brigadegeneral Yossi Beinhorn, das Thema zu untersuchen. Das Ergebnis ist der Bericht.

Flugzeug Vor wenigen Tagen erst sorgte eine private Drohne für eine massive Störung am internationalen Ben-Gurion-Flughafen. Sämtliche Flugzeuge mussten zeitweise am Boden bleiben, als die Drohne in den überwachten Luftraum eingedrungen war. Nach 15 Minuten wurde der Normalbetrieb zwar wieder aufgenommen, doch »die Drohne stellte eine direkte Bedrohung für die Flugzeuge dar«, erklärte die Flughafenbehörde im Anschluss.

Zwar gab es keine Verletzten, doch der Schock in Expertenkreisen sitzt tief. Denn Fast-Zusammenstöße gab es zuvor bereits einige: Im August 2016 verfehlte eine Drohne, ebenfalls am Flughafen Ben-Gurion, eine landende Maschine nur knapp. Im selben Jahr gab es 23 weitere Zwischenfälle, im Vergleich dazu gab es 2015 14 Vorkommnisse mit Drohnen und 2014 lediglich ein einziges.

»Drohnen sind sehr, sehr gefährlich und können ein Flugzeug je nach Größe des Flugobjektes und der Geschwindigkeit der Maschine ernsthaft beschädigen«, weiß Neri Jarkoni, einstiger Leiter der zivilen Luftfahrtbehörde. »Wenn sie den Antrieb treffen, ist der zerstört, schlagen sie ins Cockpit ein, könnten sie die Scheibe zerbrechen und den oder die Piloten töten.« Das Problem bestehe allerdings nicht nur in Israel, sondern sei weltweit zu einem großen Übel geworden. Während die militärischen Exemplare in großer Höhe fliegen und mit dem Radar synchronisiert sind, seien jene, die von Amateuren geflogen werden, das eigentliche Problem. »Und das wird sich noch weiter verschärfen. Die Drohnen werden billiger und leichter zu bedienen – sodass praktisch Kinder sie herumfliegen lassen können.«

Politik Doch auch im Kleinen können sie Schaden anrichten, vor allem in dicht besiedelten Gebieten, wenn sie etwa in Antennen von Gebäuden fliegen. Das größte Problem liege bei der Politik, resümiert der Bericht. Denn die Versuche von verschiedenen Parlamentariern, eine Regulierung zu erwirken, stoßen auf Ablehnung bei den betreffenden Stellen, »weil sich niemand in die Pflicht nehmen lassen will«, erläutert Schapira. Gemeinsam mit Beinhorn schlägt er vor, dass die Regierung unmittelbar einen Zuständigen ernennt, der sich der Bedrohung annimmt, bis eine langfristige Lösung gefunden ist.

Obwohl die israelische Polizei den lebensbedrohlichen Status der Drohnen bestätigt und die Armee Schapiras Bericht begrüßt, gibt es noch keine Entscheidung, wer im Sicherheitsbereich zuständig sein soll. Schapira kritisiert das und macht unumwunden klar: »Es muss sich ändern, die Regierung hat hier sofort die Verantwortung zu übernehmen.«

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