Unesco

Gärten, Gräber und Gewürze

Düster ist es in der Welt der Toten, klamm die Luft. Nur der Schein von Taschenlampen erhellt die Dunkelheit in den Gängen und Höhlen. Hier fällt das Licht auf einen siebenarmigen Leuchter, dort auf eine griechische Inschrift. Nachttouren durch die antike Grabstätte Beit Schearim sind ein wenig schaurig, doch hochinteressant. Jetzt ist die Ausgrabung östlich von Haifa in die Liste der UNESCO aufgenommen worden. Damit steigt die Zahl der Weltkulturerbestätten im Land auf neun.

Vor wenigen Wochen erst waren die Höhlenstädte von Beit Guvrin/Marescha in das Schutzregister der Vereinten Nationen eingetragen worden. Es existieren um die 3500 dieser in weichen Kalkstein gemeißelten imposanten Hallen in der Nähe von Jerusalem. Außerdem gehört der Bahai-Tempel in Haifa mit seinen atemberaubend schönen Gärten dazu. Akko gilt für seine hervorragend erhaltene mittelalterliche Altstadt als besonders schützenswert. Der Wall um die Innenstadt stammt aus osmanischer Zeit. Ein Spaziergang mit Blick auf das Mittelmeer gehört zu den Höhepunkten eines Ausflugs in die malerische Stadt.

Festung Die imposante Festung Masada, die hoch über dem Toten Meer in der Wüste Judäa thront, gilt als Symbol jüdischer Identität. Sie steht für den Kampf für die Freiheit und gegen Unterdrückung. Masada ist von Herodes dem Großen errichtet worden. Sein in den Fels gehauener Palast sucht seinesgleichen in der Welt.

Ebenfalls schützenswert sind die prähistorischen Ausgrabungen in den Höhlen von Nachal Mearot und die biblischen Tels (Hügel) von Meggido, Hazor und Beer Sheva. Der Kulturaustausch entlang der antiken Hauptstraßen wird hier besonders deutlich. Sehenswert sind vor allem die ausgeklügelten Wassersysteme, die bis heute funktionsfähig sind.

Mit auf eine Reise entlang der Routen der Gewürzhändler alter Zeiten nimmt einen eine Tour durch die Nabatäer-Städte in der Negevwüste. Auch Mamschit, Avdat, Chaluza und Schivta sind Weltkulturerbe. Das antike Volk der Nabatäer baute diese Ansiedlungen vor Jahrtausenden und begann sogar mit erster Landwirtschaft in der kargen Umgebung.

Metropole Tel Avivs Bauhaus-Architektur ist weltberühmt und immer einen Besuch wert. Ob auf dem Rothschild-Boulevard, der Dizengoff oder den vielen kleinen Straßen im Zentrum – nirgends sonst gibt es so viele Gebäude der deutschen Architektur, die der Metropole nicht nur einen Listenplatz, sondern auch den Titel »Weiße Stadt am Mittelmeer« eingebracht hat.

Bereits seit 1981 dabei ist die Jerusalemer Altstadt samt ihrer Mauern (seit 1982 auf Antrag Jordaniens auf der Liste des gefährdeten Weltkulturerbes). Wegen ihres international umstrittenen Status wird sie von der UNESCO jedoch nicht Israel zugerechnet. In dem Feld »Nation« prangt eine Lücke. Das hält die Agentur der Vereinten Nationen nicht davon ab, Israel jetzt der Gefährdung der Altstadt zu bezichtigen – »wegen dauerhafter illegaler Ausgrabungen und Arbeiten der israelischen Besatzungsbehörden«, argumentieren die Antragsteller, allesamt arabische Staaten.

Zudem soll Israel dafür verantwortlich sein, »Artefakte und heilige islamische Stätten beschädigt« zu haben. In dem Antrag wird lediglich der Tempelberg erwähnt, die jüdischen Stätten werden geflissentlich ignoriert. Der Generaldirektor des Außenministeriums, Dore Gold, bezeichnete den Antrag als »sehr einseitig, verzerrt und weit von der Realität entfernt«. Außerdem beschuldigte er die UN-Agentur der Doppelmoral: »Während historisches Erbe in der Region systematisch durch Dschihadisten zerstört wird, wie jetzt in Syrien und dem Irak, sind die Beschuldigungen gegen Israel im besten Fall heuchlerisch.«

Schatz Über die Aufnahme von Beit Schearim indes freut sich die Regierung. Die Kulturabteilung der Vereinten Nationen begründete ihre Entscheidung so: »Es ist eine Schatzkammer von Kunstwerken mit Inschriften auf Griechisch, Aramäisch und Hebräisch, die ein einzigartiges Zeugnis der Zeit unter Rabbi Judah, dem Patriarchen, ablegt, der für die jüdische Erneuerung nach 135 n.d.Z. verantwortlich zeichnet.«

Das UN-Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturkomitee hatte sich in Bonn getroffen, um über die Aufnahme von Beit Schearim abzustimmen. Die Voraussetzungen sind streng. Doch die jüdische Grabstätte schaffte es mit 17 Ja-Stimmen des Komitees. Nur der Libanon, Katar, Algerien und Malaysia sprachen sich – aus politischen Gründen – dagegen aus. Mit der Aufnahme in die Liste verpflichtet sich ein Land, für die Erhaltung des Kulturerbes zu sorgen, damit es für die kommenden Generationen erhalten bleibt, und alle nötigen Maßnahmen zu treffen, damit kein Schaden entsteht. Dazu gehören beispielsweise auch Bauverbote in der nahe gelegenen Umgebung.

Der Chefarchäologe der Natur- und Parkbehörde, Zwika Zuk, ist begeistert vom Schutz für die Nekropole: »Beit Schearim gehört zweifelsohne zu den bewegendsten Zeugnissen, die unsere Vorfahren uns hinterlassen haben. Es gibt keinen vergleichbaren Ort in der ganzen Welt.« Er empfiehlt einen Besuch – egal, ob am Tag oder in der Nacht: »Wer durch Beit Schearim wandert, der spürt immer den Herzschlag des jüdischen Volkes.«

EU-Sanktionen

Israel bietet Hilfe bei Verfolgung von Revolutionsgarden an

Die Europäische Union hat die Elite-Einheit des Mullah-Regimes auf die Terrorliste gesetzt. Nach Ansicht des israelischen Botschafters dient das auch der inneren Sicherheit in Deutschland

 30.01.2026

Gazastreifen

Grenzübergang Rafah soll Sonntag geöffnet werden

Die Öffnung gelte begrenzt für den Personenverkehr, teilte die israelische Armee mit

 30.01.2026

Israel

Möglicherweise bald Primark in Israel

Wegen hoher Versand- und Logistikkosten hat der europäische Kleidungsdiscounter die Region bisher gescheut. Doch nun scheint es Verhandlungen zu geben

 30.01.2026

Wissenschaft

Israelische Studie: Gene beeinflussen Lebenserwartung stärker als gedacht

Das Weizmann-Institut liefert überraschende Erkenntnisse: Demnach bestimmt das Genom deutlich mehr über das erreichbare Lebensalter, als bisher angenommen

 30.01.2026

Tel Aviv

Fast zwei Millionen Israelis leben unter der Armutsgrenze

Besonders besorgniserregend: Fast jedes vierte Kind in Israel wächst in Armut auf

 30.01.2026

7. Oktober

Ex-Geisel Alexander Troufanov: »Erst jetzt können wir wieder atmen«

Nach der Rückkehr der sterblichen Überreste Ran Gvilis fühlt sich Alexander Troufanov endlich frei, wie er in einem Interview erzählt

 30.01.2026

Spannungen in Nahost

Israel bereitet sich auf mögliche Eskalation mit Iran vor

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berät sich mit führenden Sicherheitsvertretern zu einem offiziell als »geheim« bezeichneten Thema. Steht eine Entscheidung der USA über einen Angriff gegen das Teheraner Regime kurz bevor?

 30.01.2026

Jerusalem

Israels Streitkräfte verzichteten auf Angriffe, um Geiseln zu retten

Die Entscheidung, einzelne Terroristen nicht zu töten, habe während des Krieges ein Dilemma dargestellt: Einerseits sollten Bedrohungen neutralisiert werden, andererseits konnten Terroristen wertvolle Informationen liefern, sagt ein IDF-Offizier

 30.01.2026

Doha/Gaza

Hamas: Komplette Entwaffnung kommt nicht infrage

Moussa Abu Marzouk, Mitglied des Hamas-Politbüros, sagt, die Organisation habe zu keinem Zeitpunkt einer Übergabe aller Waffen zugestimmt

 30.01.2026