Vermisst!

Für die Schwester kämpfen

Wollte mit Freunden tanzen: Eden Yerushalmi Foto: Sabine Brandes

Vermisst!

Für die Schwester kämpfen

Eden Yerushalmi ist seit 247 Tagen Geisel der Hamas

von Sabine Brandes  10.06.2024 13:23 Uhr

Shani, Eden und May Yerushalmi sind drei Geschwister aus Tel Aviv, und es vergeht kein Tag, an dem Shani und May nicht an ihre Schwester denken. Eden, die Mittlere, ging am 6. Oktober mit Freunden auf den Nova-Rave in der Negevwüste tanzen – und kam bis heute nicht zurück. Am 7. Oktober 2023 hat die Hamas sie nach Gaza verschleppt.

Die 24-jährige Yerushalmi ist Barkeeperin und Pilates-Lehrerin. »Und sie ist meine kleine Schwester. Meine Aufgabe ist es, auf sie aufzupassen«, sagt Shani Yerushalmi, die Älteste der drei. »Ich habe sie beschützt, seit wir Kinder waren.«

Am »Schwarzen Schabbat« war sie mehrere Stunden mit Eden am Telefon, als die versuchte, ihr Leben zu retten. Sie habe nichts tun können, um ihr zu helfen. »Es war unfassbar grausam. Ich kann nicht aufhören, daran zu denken.« Shani und May sprachen mit Eden, als diese sich in einem Auto tot stellte, in dem ermordete Freunde lagen. Sie blieben auch in der Leitung, als sie sich in Büschen vor den Terroristen versteckte. »Wir sagten ihr, die Polizei sei unterwegs. Wir riefen die Armee, aber niemand kam.«

Die Schwestern mussten mit anhören, wie Eden von den Terroristen verschleppt wurde

Und die Schwestern mussten auch mit anhören, wie Eden von den Terroristen verschleppt wurde. Sie hörten Schüsse, und Eden schrie: »Shani, sie haben mich erwischt!« Danach war das Telefon tot. Später teilten die Behörden mit, dass Eden Geisel sei. Shani und May hoffen, dass Eden nicht allein in Gaza festgehalten wird.

Es sei unmöglich, sich mit der Situation abzufinden, sagt May, Edens kleine Schwester. Ihr erstes Interview sei ihr nicht leicht gefallen: »Auf der Europa­reise der Familien kam ich in Paris an und musste eine Pressekonferenz abhalten – auf Englisch. Ich musste den Leuten erzählen, dass Eden Pilates macht, damit sie einen Menschen sehen und nicht nur ein Poster.« Sie habe dabei unter großem Druck gestanden, so May Yerushalmi. »Aber dann holte ich tief Luft und ging auf die Bühne. Ich habe gekämpft. Und ich werde weiter auf jede erdenkliche Weise für meine Schwester kämpfen.«

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