Israel

Fünfte Amtszeit für »Bibi«?

Siegesgewiss: Premier Benjamin Netanjahu mit seiner Frau Sara nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen Foto: Flash 90

Nach einer spannenden Wahlnacht in Israel scheint sich eine fünfte Amtszeit für den derzeitigen Regierungschef Benjamin Netanjahu abzuzeichnen. Zwar erzielte Netanjahus Likud-Partei nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen (Stand: 7 Uhr Ortszeit) genauso viele Knessetmandate wie die Partei »Blau-Weiß« seines Herausforderers und Ex-Generals Benny Gantz: Sowohl der Likud als auch Blau-Weiß kamen demnach auf jeweils 35 von insgesamt 120 Sitzen im Jerusalemer Parlament.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Netanjahu erneut mit der Regierungsbildung beauftragt wird.

Doch insgesamt kam das Lager rechtsgerichteter und religiöser Parteien nach derzeitigem Stand auf 65 Mandate, das Mitte-Links-Lager dagegen auf nur 55 Mandate. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass Netanjahu erneut mit der Regierungsbildung beauftragt wird.

SIEGESREDEN Sowohl Netanjahu als auch sein Herausforderer Gantz hatten noch in der Wahlnacht ihren Sieg erklärt. In seiner Siegesrede sprach der 69-jährige Netanjahu von einem »unvorstellbaren Erfolg«.

Sowohl der amtierende Premier als auch der Herausforderer Gantz hatten sich in der Wahlnacht zum Gewinner erklärt.

Der oppositionelle Ex-Militärchef Gantz (59) sprach zuvor von »einem historischen Tag für Israel«. Die größte Partei müsse den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen, sagte er. Prognosen hatten sein Bündnis nach Schließung der Wahllokale noch vorn gesehen. »Wir danken Netanjahu für seine Dienste«, sagte Gantz, als ob die Wahl schon entschieden sei.

Die ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum kamen jeweils auf acht Mandate. Überraschender Weise verpasste die Partei »Die Neue Rechte« von Erziehungsminister Naftali Bennett und Justizministerin Ayelet Shaked vermutlich den Einzug in das Parlament.

ERGEBNISSE Die Arbeitspartei erzielte mit voraussichtlich nur sechs Sitzen das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte. Die arabische Partei »Hadasch-Taal« erhielt ebenfalls sechs Sitze. Die ultrarechte Partei »Israel Beitenu« von Avigdor Lieberman und die Union rechter Parteien erhalten jeweils fünf Mandate.

Rechnerisch möglich wäre auch eine große Koalition von Likud und Blau-Weiß.

»Kulanu« von Finanzminister Mosche Kachlon erhält voraussichtlich vier Mandate, ebenso wie die linksgerichtete Meretz-Partei und die arabische Partei »Balad-Vereinigte Arabische Liste«. Die anderen Parteien erzielten lediglich Mandate im einstelligen Bereich.

Rechnerisch möglich wäre nach den Ergebnissen auch eine große Koalition von Likud und Blau-Weiß. Allerdings hatten sowohl Netanjahu als auch Gantz im Wahlkampf angekündigt, sie würden nicht mit dem jeweils anderen in einer Regierung sitzen wollen. ja/dpa

Israel

Luftfahrtbehörde: US-Militärflugzeuge blockieren Betrieb in Tel Aviv

US-Militärflugzeuge sorgen laut Israels Luftfahrtbehörde für Engpässe am internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Welche Folgen das für Reisende und Flugpreise haben könnte

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Hamas-Massaker

Ex-Geisel Rom Braslavski: »Schämt Euch«!

Nachdem Premier Netanjahu seine Schuld erneut relativiert, macht der junge Mann in der Knesset seinem Unmut Luft

von Sabine Brandes  11.05.2026

Jerusalem

Generalstabschef warnt Knesset vor akuter Personalnot in der Armee

Aufgrund des Krieg an mehreren Fronten stoße die operative Belastung der Armee an Grenzen, sagt Eyal Zamir. Die IDF brauchen ihm zufolge sofort mehr Soldaten

 11.05.2026

Jerusalem

Netanjahu: Krieg gegen Iran »nicht vorbei«

Im »60 Minutes«-Interview spricht der Ministerpräsident auch über den Konflikt mit der Hisbollah, die amerikanische Militärhilfe für sein Land und den verlorenen Propagandakrieg

 11.05.2026

Naher Osten

Medienbericht: Israel soll geheimen Stützpunkt im Irak gebaut haben

Von dem Außenposten in einem irakischen Wüstengebiet soll Israel seine Angriffe auf den Iran koordiniert haben, berichtet das »Wall Street Journal«

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

»Gaza-Flottille«

Israel schiebt zwei Gaza-Aktivisten ab

Der Spanier Saif Abu Keschek und der Brasilianer Thiago Ávil wurden nach der Blockade der Gaza-Flotte nach Israel gebracht – jetzt folgt ihre Abschiebung

 10.05.2026