Jerusalem

Fünf Tote bei Anschlag in Synagoge

Am Tatort: Gegen 7.30 Uhr am Dienstagmorgen drangen Terroristen in die Synagoge Kehillat Bnei Tora im Stadtteil Har Nof ein. Foto: Flash 90

Die palästinensischen Terroristen kamen mit Äxten, Messern und Pistolen und hinterließen Bilder des Grauens. Vier betende Rabbiner starben bei der Attacke, ein Polizist erlag in der Nacht zum Mittwoch seinen Verletzungen. Mindestens sieben weitere Menschen wurden verletzt, drei davon sollen sich noch in kritischem Zustand befinden. Bei den Getöteten handelt es sich um die Rabbiner Avraham Schmuel Goldberg, Ariyeh Kupinski, Kalman Zeev Levine, Mosche Twersky und den Grenzpolizisten Zidan Nahad Seif.

Gegen 7.30 Uhr drangen die beiden Palästinenser in das jüdische Gotteshaus im Stadtteil Har Nof ein und gingen sofort wahllos mit ihren Waffen auf die Betenden los. Die Angreifer, die vermutlich aus Ostjerusalem stammen, wurden bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften erschossen. Die Verwundeten wurden in verschiedene Krankenhäuser der Stadt gebracht.

reaktionen Bürgermeister Nir Barkat zeigte sich geschockt: »Ganz Jerusalem senkt an diesem schweren Morgen die Köpfe voller Schmerz. Friedliche Bewohner, die in einer Synagoge im Herzen der Stadt beteten, wurden kaltblütig und grausam hingerichtet – während sie ihre Gebetsschals trugen.« Er rief die Regierung auf, Jerusalem die nötige Unterstützung zur Verfügung zu stellen, um den Terror bekämpfen zu können. »Doch wir werden nicht aufgeben. Wir stehen mit geradem Rücken und verteidigen unsere Stadt vor jenen, die den Frieden hier zerstören wollen.«

Es ist keine leichte Zeit für die Vertreter der Koexistenz. Kommentator Chemi Shalev schrieb am Morgen nach dem Attentat in der Tageszeitung Haaretz, dass das Massaker in Jerusalem ihn hoffnungslos mache. »Israelis und Palästinenser bestehen darauf, durch ein Fass ohne Boden zur Hölle zu fahren – bis das Feuer uns alle aufgefressen hat.«

sicherheitsvorkehrungen
Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, man werde mit harter Hand gegen diese brutalen Morde an Juden, die nur beten wollten, vorgehen. Es wurde beschlossen, ihre Häuser zu zerstören und die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt und im ganzen Land zu verstärken. Der Premier rief alle Israelis auf, »maximale Aufmerksamkeit« walten zu lassen. Er beschuldigte die Hamas und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas der Aufwiegelung zum Terrorismus.

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Yoram Cohen, wiegelte die Vorwürfe gegen Abbas jedoch ab: »Abbas ist nicht an Terrorismus interessiert und fordert seine Leute nicht dazu auf. Auch nicht insgeheim.«

opfer Überlebende und Rettungskräfte sagten nur kurze Zeit nach dem Anschlag im Fernsehen, dass es »höllenartige Szenen« in der Synagoge gegeben habe. Der Sprecher der Rettungsorganisation Magen David Adom, Zaki Heller, berichtete, dass die Opfer in verschiedenen Räumen lagen und die Sanitäter sie überall suchen mussten. Er zeigte sich tief getroffen: »Es ist besonders grausam, verletzte Menschen in ihren Gebetsschals zu sehen.«

Sanitäter Akiva erzählte auf dem Sender Kanal 2, dass, gerade als er einen verletzten Mann behandeln wollte, um ihn herum wilder Schusswechsel ausbrach. »Wir sind geflohen und haben den Verletzten mit uns geschleppt.« Dann hätten sie gesehen, wie die Polizei einen Terroristen erschoss. Ein Überlebender berichtete, wie es ihm gelang, dem Inferno zu entkommen: »Ich habe versucht zu fliehen. Doch dann ist ein Mann mit einem Messer auf mich losgegangen. Zwischen uns stand ein Tisch, daran hat sich mein Gebetsschal verfangen. Ich habe ihn abgeworfen und bin so entkommen.«

täter Bei den Tätern soll es sich um Rassan und Uday Abu-Jamal handeln, Verwandte eines Terroristen, der bei dem Deal um Gilad Schalit freigekommen war. Nach Angaben der Polizeisprecherin Luba Samri stammen sie aus dem Ostjerusalemer Viertel Jabel Mukaber. Der gesamte Stadtteil soll von Sicherheitskräften durchkämmt worden sein.

Obwohl die Täter eigenständig und ohne jegliche Organisation gehandelt haben sollen, veröffentlichte die Hamas ein Statement, der Anschlag sei eine Antwort auf den Tod des Busfahrers Yussuf Hassan al-Amouni, der am Vortag erhängt in einem Busdepot gefunden worden war. Mittlerweile ist jedoch bestätigt, dass es sich um einen Selbstmord ohne Fremdeinwirkung gehandelt hat. Das ergab die Obduktion – unter Teilnahme eines von der Familie bestimmten palästinensischen Pathologen.

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Aufarbeitung

Armee ermittelt zu Tod von Hind Rajab und Sanitätern in Gaza

Das Schicksal des palästinensischen Mädchens Hind Rajab hat Menschen auf aller Welt bewegt und empört. Nach einer Prüfung nimmt Israels Armee nun strafrechtliche Ermittlungen dazu auf

 19.08.2026

Umfrage

Immer weniger Palästinenser sympathisieren mit der Hamas

Die Hamas hat weiter an Zustimmung bei den Palästinensern verloren. Immer mehr sprechen sich für eine Verhandlungslösung und weniger für Gewalt aus. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage

von Andrea Krogmann  19.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Hamas

In einem Monat entwaffnet?

US-Sondervermittler Jared Kushner reiste nach Israel, um die nächste Phase für den Gazastreifen zu besprechen. Er spricht von diplomatischen Erfolgen

von Sabine Brandes  19.08.2026

Syrien

In Damaskus skandieren Soldaten antisemitische Parolen

Ein im Internet kursierendes Video zeigt Angehörige der syrischen Streitkräfte, die zu Gewalt gegen Juden aufrufen

 19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

Westjordanland

Ausschreibung für umstrittenes israelisches Siedlungsprojekt E1

Eine Organisation in Israel warnt vor der Bebauung eines strategisch wichtigen Gebiets im Westjordanland. Israels Regierung treibt das auch international kritisierte Siedlungsvorhaben weiter voran

 19.08.2026

Nachruf

Israel trauert um Unternehmer und Mäzen Shmuel Harlap

Der Unternehmer und seine Frau spendeten unter anderem rund 180 Millionen Dollar an ein Krankenhaus

 19.08.2026