Wirtschaft

Flagge zeigen

Winzer Yoav Levy liebt Wein, und er liebt sein Land. »In allererster Linie bin ich Zionist«, sagt er. Grund genug für ihn, auf die Verschlüsse seiner Flaschen die blau-weiße Flagge Israels zu drucken – mit dem Davidstern in der Mitte. »Ich bin sehr stolz auf unsere Flagge!« Dass Levys Initiative mit dem Beginn der Aktion der Europäischen Union zusammentrifft, Produkte aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland zu etikettieren, sei allerdings Zufall, betont er.

Levys Weinkellerei produziert rund 80.000 Flaschen des guten Tropfens pro Jahr und gehört damit zu den Boutique-Kellereien, die in den vergangenen Jahren auf den israelischen Markt drängten. Seine Weine würden nach den Richtlinien der EU in die Kategorie der Produkte aus den »israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland, Ostjerusalem und den Golanhöhen« fallen. Denn die Produktionsstätte der Kellerei Bazelet HaGolan liegt in der bergigen Region in der Nähe der syrischen Grenze. Und die wird von der Europäischen Union als von Israel besetzt angesehen.

Daffke Kunden in der EU würden mit den neuen Kennzeichnungen dann sofort erkennen, dass es sich um ein Produkt aus einer jüdischen Siedlung handelt. Doch nach der Meinung des Winzers braucht ohnehin niemand das Kleingedruckte lesen. Denn er setzt seinen eigenen Stempel oben auf seine Flaschen und macht damit sofort klar, woher die Produkte stammen. Aus Daffke? »Genau«, meint Levy und fügt hinzu, dass er überhaupt keine Angst um seine Verkaufszahlen hat. »Bislang habe ich aus dem Ausland nur positive Reaktionen darauf erhalten. Viele Menschen sagen mir, dies sei eine wundervolle Initiative.«

Levy hat nichts gegen Europa. Ganz im Gegenteil: Bazelet HaGolan ist Mitglied der sogenannten Twin Wineries (Zwillings-Weinkellereien), einem deutsch-israelischen Projekt für interkulturellen Dialog. Winzer aus beiden Ländern gründen eine Partnerschaft, tauschen sich aus, lernen sich kennen und treffen sich. Mit den Winzern seines »Zwillings«, dem Weingut von Hövel in Konz-Oberemmel an der Saar, habe er sich schon mehrfach getroffen. »Und es ist jedes Mal wundervoll.«

statement Auch wenn der israelische Winzer darauf beharrt, kein politisches Statement abgeben zu wollen, und betont, dass ihn die neue Regel der EU kaltlässt, so stößt sie doch nicht überall auf Gleichmut. Eigentlich hätte sie schon am 1. Oktober in Kraft treten sollen, aufgrund rechtlicher und technischer Schwierigkeiten wird sie jedoch wohl frühestens Mitte des Monats umgesetzt werden, heißt es von offiziellen Stellen der EU.

Die Regierung in Jerusalem ist darüber zutiefst verärgert und verurteilte die Neuerung aufs Schärfste. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schimpfte besonders über die breite Zustimmung des Europäischen Parlaments für die umstrittene Regelung. »Die Entscheidung ist ungerecht. Sie ist eine Perversion der Gerechtigkeit und eine Verzerrung der Logik. Ich bin auch überzeugt, dass sie dem Frieden schadet, sie bringt ihn definitiv nicht voran«, sagte der Regierungschef. Die Wurzeln des Konfliktes seien nicht die Gebiete und nicht die Siedlungen. »Wir erinnern uns noch an die Geschichte und was geschah, als Europa die Produkte von Juden markierte«, fügte Netanjahu noch hinzu.

Es hat den Anschein, als ob Jerusalem lange Zeit nicht damit gerechnet hätte, dass die EU mit ihrem Vorhaben tatsächlich Ernst machen würde. Doch im April dieses Jahres wandten sich 16 europäische Außenminister an ihre Chefin Federica Mogherini mit der Bitte, den Plan voranzutreiben. Mogherini gehorchte und brachte den Vorschlag vor das Parlament.

Korken Yoav Levy würde Netanjahus Worte sicherlich unterschreiben. Doch seine Intention ist weniger Trotz als vielmehr Stolz. Die Idee für die Markierung seiner Flaschen habe er auf der Internationalen Weinmesse in Düsseldorf bekommen, als er über den österreichischen Stand spazierte, erzählt er. »Dort waren sämtliche Weinflaschen mit den Farben Rot und Weiß markiert, die für die Landesflagge stehen. Ich fand das sehr schön und habe mir fest vorgenommen, dass unser nächster Korken blau-weiß wird. Dabei ging und geht es mir nicht um irgendwelche Boykotte, nicht die EU-Regulation oder sonstige politische Dinge.«

Anfangs hätten ihm Freunde und Bekannte in Israel dringend geraten, von seiner Idee Abstand zu nehmen. »Es wird euch schaden, ihr werdet Kunden verlieren«, warnten sie. Doch Levy blieb unbeirrt. »Es ist mir, ehrlich gesagt, auch egal, was die Leute denken. Ich will mit dem Aufdruck kein ›Dagegen‹ ausdrücken, sondern lediglich ein ›Dafür‹: die Unterstützung für meinen Staat Israel, auf den ich sehr stolz bin.«

Letztendlich ist Levys Ziel schlicht die Normalisierung. »Ich wünsche mir, dass es – so wie in Österreich etwa – ganz normal ist, die blau-weiße Fahne auf einem Produkt aus dem jüdischen Staat zu sehen.« Genau für diese Idee wirbt er jetzt bei Landsleuten und Wettbewerbern. »Ich sage zu ihnen: ›Lasst uns ein israelisches Produkt herstellen, das sofort als solches zu erkennen ist!‹«. Viele fänden das im Prinzip gut. Doch ob es schon Nachahmer gibt, weiß Levy nicht. »Es wäre wirklich schön, wenn viele israelische Hersteller dabei mitmachen würden.«

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