Eurovision

Finale ohne Israel

Kam nicht übers Halbfinale hinaus: Moran Mazor mit ihrer Ballade »Rak bishwilo« Foto: dpa

Schlagzeilen machte sie im Vorfeld jede Menge, doch dann hieß es für die israelische Teilnehmerin beim Eurovision Song Contest schon nach dem Halbfinale Koffer packen. Moran Mazor überzeugte die Juroren mit ihrer Ballade »Rak bishwilo« (Nur für ihn) am Donnerstagabend im schwedischen Malmö offenbar nicht. Von 17 Teilnehmern kamen zehn weiter, die 22‐Jährige war nicht dabei.

»Ich bin traurig, dass ich nicht im Finale sein werde«, sagte sie nach dem Ausscheiden. »Doch dies hier ist nur ein Schritt auf meinem Weg. Ich werde nach Israel zurückkehren und weiter an meiner Gesangskarriere arbeiten. Ich habe mein Bestes gegeben.« Die junge Frau aus Holon hatte 2011 in der Realityshow Eyal Golan ruft Dich den ersten Platz belegt und tourt seitdem mit ihrem Mentor Golan durch das Land.

Der israelische Superstar des Misrachi (Popmusik mit nahöstlichen Einflüssen) nahm seinen Zögling in Schutz. Auf seiner Facebook‐Seite schrieb er: »Liebe Moran, du kannst stolz auf dich sein! Der Wettbewerb war nicht fair. Viele Lieder hätte ich nicht einmal vor einem Erschießungskommando vorgetragen. Und ein wundervolles Lied, eine herausragende Stimme und ein grandioser Auftritt werden herausgewählt.«

Kleid Dabei hatte die junge Frau nicht nur stimmlich, sondern auch optisch versucht, alle Register zu ziehen. In einer knallengen Abendrobe, die an die Haut einer Seejungfrau erinnerte, setzte sie ihre Rubensfigur auf der Bühne in Szene und ließ mit dem gewagtesten Dekolleté des Abends tief blicken. Dazu trug sie ihr Markenzeichen – eine überdimensionale Brille – und machte auf intellektuelle Diva. »Mein Kleid ist so wie mein Lied«, sagte sie, »dramatisch und kraftvoll.«

Die Kleiderwahl hatte der Sängerin schon zuvor Kritik eingebracht. Ihr Management soll bei verschiedenen internationalen Designern angefragt haben, das Outfit für den großen Auftritt zu kreieren. Angeblich habe sie sich für eine Robe von John Galliano entschieden, der vor nicht allzu langer Zeit wegen antisemitischer Ausfälle in einer Pariser Bar aufgefallen war. Die staatliche Übertragungsgesellschaft Israels aber untersagte Mazor, das Kleid zu tragen. Schließlich könne es nicht sein, dass in Zeiten des verstärkten Antisemitismus ein derartiges Zeichen gesetzt werde, hieß es.

Anfeindung Zwei Tage vor dem Halbfinale berichtete ein Mitglied der israelischen Delegation, Alon Amir, im schwedischen Radio, dass er auf den Straßen von Malmö von einer Gruppe junger Männer gefragt worden sei, woher er komme. »Ich antwortete ›aus Zypern‹, weil ich mir schon gedacht habe, wohin das führen kann.« Anschließend hätten sie sich erkundigt, »wo die Israelis wohnen, weil sie den Ort in die Luft jagen wollten«. Es sei kein Witz gewesen, betonte Amir.

Einen Tag darauf schlug der Vorsitzende des Kulturkomitees im Stadtrat von Malmö, Daniel Sestrajcic, vor, Israel vom Wettbewerb auszuschließen. »Wenn Palästina frei ist, können sie ja wiederkommen«, tönte er. Für den morgigen Samstag, den Tag des Finales, ist eine Demonstration von Juden und Nichtjuden in Malmö geplant, um Flagge gegen Antisemitismus zu zeigen.

Am Eurovision Song Contest nehmen in diesem Jahr Delegationen aus 39 Ländern teil. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem Israel am Halbfinale scheitert. Insgesamt drei Mal hat das Heilige Land den Gesangswettbewerb nach Hause geholt, zuletzt mit Dana International vor 15 Jahren.

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