Israel

Fast beste Freunde

Charmeoffensive: Der amerikanische Präsident Barack Obama (l.) bemüht sich sichtbar, das frostige Verhältnis zu Benjamin Netanjahu aufzutauen. Foto: Flash 90

Als die schwarzen Limousinen des US-Präsidenten Jerusalem am Mittwochmittag passierten, war es ruhig. Am Straßenrand waren keine begeisterten Israelis zu sehen, niemand schwenkte amerikanische Fähnchen und wollte unbedingt einen Blick auf den Vertreter des mächtigen Bündnispartners erhaschen. Barack Obamas Vorgänger George W. Bush war dagegen mit Begeisterung aufgenommen worden.

Doch das Verhältnis zwischen Israel und den USA hat sich geändert. Das zeigen nicht nur die leeren Straßen, sondern auch mehrere Umfragen, die kurz vor dem Besuch Obamas veröffentlicht wurden. Nur zwei Beispiele daraus: 36,5 Prozent der Israelis sind demnach der Meinung, dass die Beziehung der beiden Länder wieder besser ist. Vor einem Jahr dachten das nur 29 Prozent. Gleichzeitig denken jedoch 54 Prozent, dass Obama sich nicht ernsthaft um die Sicherheit und den Schutz Israels Gedanken macht. Mehr als der Hälfte der Befragten ist der Besuch des Präsidenten zudem völlig gleichgültig.

Wurzeln Liest man jedoch die begeisterten Berichte in den israelischen Medien, seit der US-Präsident am Mittwoch ankam, könnte man meinen, das Blatt habe sich nun gewendet. In der Tat war das erste Treffen am Flughafen herzlich. Die USA seien stolz, der stärkste Verbündete Israels zu sein, sagte Obama. Er stellte das jüdische Volk in den Mittelpunkt seiner Rede und sprach von historischen Wurzeln zur Region, die seit 3000 Jahren bestünden. Eine Wiedergutmachung, so scheint es, für seine Rede 2009 in Kairo, als der damals frisch gebackene Präsident den Staat Israel als Ursache des Holocaust verstanden haben wollte.

Überhaupt hat man den Eindruck, als habe der 51-Jährige eine Charmeoffensive gestartet, um das frostige Verhältnis zu Israel, aber vor allem zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aufzutauen. Er nennt ihn nur noch mit dessen Spitznamen »Bibi«, grinst breit und witzelt sogar mit ihm. Davon abgesehen, klingt auch die politische Botschaft anders. Zum Beispiel hinsichtlich des Nahost-Konflikts. Er sei gekommen, um zuzuhören, sagt er jetzt und gab gestern in Ramallah bekannt, dass Außenminister John Kerry für eine Annäherung sorgen solle.

Ernüchternd Auch Netanjahu hat seine Haltung geändert. Der 63-Jährige, der noch vor einem halben Jahr den USA die Grenzen hinsichtlich des Iran aufzeigen wollte, gibt sich moderat. Vielleicht spielen auch die Wahlen und der anschließende Verhandlungsmarathon zur Bildung einer neuen Regierung eine Rolle. King Bibi, wie er einstmals vom Time-Magazine getauft wurde, hat anscheinend abgedankt. Nun hieß ein ernüchteter Ministerpräsident den US-Präsidenten willkommen: »Ich habe heute eine simple Botschaft an Sie und an das amerikanische Volk: Danke. Danke, dass Sie hinter Israel stehen.«

Die USA sind der Garant Israels für Sicherheit und finanzielle Unterstützung. Es fühlt sich vom Iran durch eine mögliche Atombombe bedroht, von Syrien durch Chemiewaffen in den Händen israelfeindlicher Islamisten, und schließlich liegen noch immer Gazastreifen und Westbank vor der Haustür.

Umgekehrt ist Israel für die USA außenpolitisch von großer Bedeutung. Das Land ist die einzige Demokratie und der einzige stabile Staat in einer Region, die seit Jahren von Unruhen, Revolutionen und Bürgerkriegen gebeutelt wird.

Auch nach dem Besuch Obamas wird es über den richtigen Umgang mit den genannten Krisenherden unterschiedliche Meinungen in Israel und den USA geben. Trotzdem scheinen Obama und Netanjahu zu einer wichtigen Erkenntnis gekommen zu sein: Für eine bessere Kooperation ist es nötig, persönliche Animositäten hintanzustellen. Mögen müssen sie sich dafür nicht.

Washington D.C.

Demokraten drängen Trump zu Klarheit über Israels Atomprogramm

In einem Schreiben an Außenminister Marco Rubio verlangen mehr als zwei Dutzend Parlamentarier detaillierte Informationen über das Programm

 06.05.2026

Bildung

Israelische Hochschulen unter den weltweit besten Gründer-Schmieden

Zwei Universitäten im jüdischen Staat schaffen es in die Top 10

 06.05.2026

Mount Asahi

Israelin stirbt bei Bergtour in Japan

Auf dem Mount Asahi wurden die sterblichen Überreste von Tevel Shabtai von einem israelischen Rettungsteam gefunden

 06.05.2026

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Berlin

Deutschland und Israel demonstrieren Einigkeit in Iran-Frage

Die Außenminister Deutschlands und Israels zeigen einen engen Schulterschluss gegen den Iran - reden aber auch kritisch miteinander

von Ulrich Steinkohl  05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Israel

Bnei Menasche in Israel gelandet

Insgesamt sollen rund 6000 Inder Alija machen

von Sabine Brandes  05.05.2026

USA

Antisemitische Empörungswelle gegen Sesamstraße

Nach einem Post zum Monat des jüdisch-amerikanischen Erbes überschlagen sich die hasserfüllten Kommentare

von Sabine Brandes  05.05.2026