Makkabiade

Familienangelegenheit

Sie sind aus verschiedenen Gegenden der USA nach Israel gereist und feuern an, was das Zeug hält. Für die Juricks ist die Teilnahme an der Makkabiade eine Premiere. Gleichzeitig sind mit ihnen zum ersten Mal im amerikanischen Team drei Generationen einer Familie vertreten: Jonah Jurick (17), sein Vater Michael Jurick (49) und Großvater Avram Woidislawsky (77). Die drei werden bei der 20. jüdischen Olympiade im Tennis ihr Können zeigen. Und alle ihre Lieben fiebern mit.

Am Donnerstagabend ist die Makkabiade mit einem stimmungsvollen Fest im Jerusalemer Teddy-Stadion eröffnet worden. 10.000 Athleten von 74 Nationalteams, darunter auch die deutsche Delegation, zogen mit ihren Flaggen in die Arena ein, begleitet vom Jubel der mehr als 20.000 Zuschauer. Es war eine knallig-bunte Veranstaltung mit bekannten israelischen Künstlern, einer Vielzahl von Showelementen und sogar einer spontanen Verlobung, als der kanadische Hockeyspieler Avi Steinberg vor seiner Freundin Rachel Dixon auf die Knie ging. Premierminister Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin feierten ebenfalls mit. Die Sportler messen sich in 42 verschiedenen Disziplinen.

Befreiung Die Spiele finden unter dem Motto »50 Jahre Jerusalem« statt. »Willkommen in Israel, willkommen in Jerusalem, willkommen zu Hause«, rief Reuven Rivlin den Athleten zu, die unter anderem aus Albanien, Italien, Brasilien, Argentinien, Frankreich, Kanada und Marokko stammen. Dies ist die größte Makkabiade seit der Gründung vor 85 Jahren, also 1932, als sich der Himmel über Europa bereits verdunkelte, so der Präsident.

In seiner Rede gedachte er auch der Sportler, die bei einem Brückeneinsturz während der 15. Makkabiade 1997 ums Leben gekommen waren, und der israelischen Olympioniken, die bei den Spielen in München 1972 von palästinensischen Terroristen ermordet worden waren. »Doch seht, wo wir heute stehen, bei der 20. Makkabiade zum Geburtstag der Befreiung Jerusalems!«

Die Spiele seien dazu da, »sich körperlich und auch geistig zu erheben«, zitierte Rivlin einen der Gründerväter, Yosef Yekutieli. »Wir alle zusammen begehen hier ein wahres Festival des Sports, der Seele und des Körpers«, fasste er zusammen und erklärte die Spiele offiziell für eröffnet.

Mehr als 1200 Teilnehmer aus den Vereinigten Staaten bilden, wie in jedem Jahr, nach Israel das größte Team. Mit dabei die Juricks. Für sie passt der Satz von Yekutieli genau. »Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen, von einem Ohr bis zum anderen«, erzählt Vater Michael. »Die Liebe zur Familie, zu Israel, zum Sport und zum Tennis ist uns so wichtig. Alles bei der Makkabiade zusammen feiern zu können, ist unglaublich – es ist ein episches Erlebnis.«

Kurz vor seinem Abflug aus New York, gemeinsam mit seinem Schwiegervater, war er aufgeregt: »Die Teilnahme ist etwas Besonderes, und es ist eine große Ehre, antreten zu dürfen.« Es ist bereits Juricks neunte Reise nach Israel, doch sein erstes Mal bei der Makkabiade. Und das hat er sogar einem Zufall zu verdanken. Im vergangenen Jahr lebte der professionelle Fotograf für einen Monat in Israel und dokumentierte Bar- und Batmizwa-Erlebnisse an der Kotel. Ehefrau Gal und Sohn Jonah waren mit im Land. »Es war eine spirituelle Erfahrung, bei der wir gespürt haben, wie tief wir mit Israel verbunden sind«, erinnert er sich.

Ehrgeiz Mindestens ebenso leidenschaftlich sind die Juricks, wenn es um Tennis geht. »Oh ja, das sind wir. Wir spielen Tennis seit unserer Kindheit und lieben diesen Sport.« Während des Aufenthalts in Israel spielte der damals 16-jährige Jonah mit einer Wild Card bei einem israelischen Tennisturnier in Ramat Hascharon. »Und gewann es mal eben«, erzählt sein Vater stolz. Jeden Morgen vor dem Turnier trainierten Vater und Sohn gemeinsam. Dabei sahen einige Israelis zu, waren angetan von dem Duo und schlugen ihnen die Makkabiade im Jahr darauf vor.

»Die Idee hat uns nicht mehr losgelassen, von diesem Tag an haben wir uns darauf vorbereitet.« Michaels Schwiegervater Avram Woidislawsky war begeistert, bewarb sich ebenfalls und wurde angenommen. »Kein Wunder, mein Schwiegervater ist ein un-glaublich guter Doppelspieler.«

Doch es geht den Juricks nicht nur um die bloße Teilnahme; die Familie hat Ehrgeiz und will gewinnen. »Wir können alle spielen und haben natürlich Hoffnung auf eine Medaille«, so Michael. Jonah ist der Top-Junior im Nordosten der USA bei den unter 18-Jährigen. »Er hat eine echte Chance und ist sehr zuversichtlich.« Aber auch er selbst sei »in einer unglaublich guten Verfassung für mein Alter« und wünscht sich ein Edelmetall um den Hals.

Verschiedene Familienmitglieder sind mitgereist, um die Tennisspieler bei jedem einzelnen Match auf dem Platz zu bejubeln: die Ehefrau, die Schwester, die Schwiegermutter. Für Michael Jurick eine Selbstverständlichkeit: »Die Makkabiade ist für uns eben eine reine Familienangelegenheit.«

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