Zwei Fronten

Evakuierungen in Nord- und Süd-Israel vor Bodenoffensive

Ausländische Arbeiter verlassen Sderot Foto: Flash 90

Es sind nur wenige, die bleiben. Die israelische Kleinstadt Sderot, die traurige Bekanntheit in der ganzen Welt durch den jahrelangen Raketenbeschuss der Hamas erlangte, gleicht am Wochenbeginn einer Geisterstadt. Innerhalb weniger Tage nach den Massakern in den südlichen Gemeinden evakuierte die israelische Armee IDF fast alle Bewohner der landwirtschaftlichen Gemeinden im Umkreis von vier Kilometern um den Gazastreifen. Am Montag werden auch Ortschaften im Norden des Landes geräumt.

Mindestens 50 Menschen wurden am Samstag in Sderot von der Hamas ermordet. Außerdem fliegen noch immer Raketen, mittlerweile gab es 75 direkte Einschläge. Wenn die Sirene schrillt, haben die Menschen in einigen Orten gerade einmal 15 Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen.

Die »Sicherheit« erwies sich als Wunschdenken

Wobei auch dieses Gefühl der »Sicherheit« in der Nähe eines Schutzraumes oder Bunkers durch die unerwartete und blutige Attacke der Terroristen, die aus Gaza kamen, derzeit völlig zerstört ist. »Es war eine Illusion«, meinen heute viele. Deshalb wollen nur die Wenigsten bleiben. Die am Sonntag in Sderot eingefahrenen Dutzenden Reisebusse brachten die Menschen in Hotels im ganzen Land, viele ans Tote Meer und nach Eilat, weg von den Frontlinien des Krieges.

Yoram Laredo, Leiter der nationalen Notfall-Managementbehörde, die die Unterbringung der durch den Krieg Vertriebenen koordiniert, sagte bei einem Briefing am Sonntag, dass den Geflüchteten Hotelaufenthalte zunächst für eine Woche, verlängerbar durch militärischen Beschluss, bezahlt werden. Die Regierung veranschlagte 32 Millionen Euro für die Umsiedlung und Unterstützung. Im ganzen Land sammeln außerdem private Hilfsinitiativen für die Flüchtlinge aus Nord und Süd.

In den vergangenen Jahren war Sderot auf fast 30.000 Einwohner angewachsen. Am Sonntagmorgen befand sich nur noch ein Drittel innerhalb der Stadt, am Abend waren es weniger als 3000. Unter denen, die trotz der unmittelbar bevorstehenden Bodenoffensive des israelischen Militärs im Gazastreifen nicht gehen, befinden sich jene, die ihr Bleiben als Betonung dessen sehen, was Israel erreichen will.

»Dies ist der Krieg zwischen Gut und Böse. Wir erwarten von unserer Regierung und der IDF, dass sie ihre Aufgabe erfüllen und sie alle töten.«

stv. Bürgermeister sderot, elad kalimi

Unter ihnen ist auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Elad Kalimi. »Wir, die Bewohner hier, wir geben nicht auf und wir werden nicht zulassen, dass Regierung und Armee mittendrin aufhören. Hamas ist viel schlimmer als der Islamische Staat, und sie müssen sterben«, machte er klar. »Dies ist der Krieg zwischen Gut und Böse. Wir erwarten von unserer Regierung und der IDF, dass sie ihre Aufgabe erfüllen und sie alle töten.«

Verteidigungsministerium kündigt weitere Evakuierungen an

Am Montag gaben die IDF und das israelische Verteidigungsministerium zudem bekannt, dass Bewohner aus 28 Gemeinden entlang der Grenze zum Libanon evakuiert werden. Die Ortschaften liegen im Umkreis von zwei Kilometern vom Grenzzaun entfernt. Auch diese Bewohner werden in Hotels und Gästehäuser gebracht, die Kosten von der israelischen Regierung übernommen.

An der Nordfront Israels nahmen die Spannungen in den vergangenen Tagen stark zu. Die Hisbollah hatte am frühen Sonntag damit begonnen, Panzerabwehrraketen auf israelische Militärziele und eine israelische Gemeinde nahe der Grenze abzufeuern. Darüber hinaus gaben Hamas-Truppen im Libanon an, 20 Raketen gen Israel geschickt zu haben. Ein Israeli wurde von den Hisbollah-Geschossen getötet und mehrere Menschen verletzt.

Food-Trend

Der Mann fürs Eingemachte

Saure Gurken, Kraut und Rote Bete – für Eli Rosenblit ist Fermentieren mehr als Konservieren. Es ist Leidenschaft und israelische Lebensart. Ein Besuch in Herzliya

von Sabine Brandes  17.08.2026

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Gesellschaft

Er starb – und rettete sechs Leben

Die Organspende des gefallenen israelischen Soldaten Shahar Gamla lässt auch ein siebenjähriges Mädchen gesund werden

von Sabine Brandes  17.08.2026

Machtkampf im Likud

Persönliche Wahlliste und »fake ballots«

Während die Parteimitglieder über Kandidaten abstimmen, sorgt Streit um reservierte Plätze und angeblich »gefälschte Stimmzettel« für Aufregung

von Sabine Brandes  17.08.2026

Nahost

Ben-Gvir will mehr Menschen im Gazastreifen töten lassen

Jede Nacht sollten »30 bis 40« Menschen »entfernt« werden, fordert der israelische Polizeiminister

 17.08.2026

Tel Aviv

Immer weniger Israelis kehren aus dem Ausland zurück

Der Knessetabgeordnete Gilad Kariv wirft der Regierung vor, die Rückkehr von Israelis aus dem Ausland nicht zu einer politischen Priorität gemacht zu haben

 17.08.2026

Straßenverkehr

KI-Ampeln sollen in Israel 771 Stunden pro Tag sparen

Das staatliche Straßeninfrastrukturunternehmen Netivei setzt auf Ampeln, die sich mithilfe künstlicher Intelligenz laufend an die aktuelle Verkehrslage anpassen

 17.08.2026

Tel Aviv

Yoseph Haddad gründet Partei

Der arabisch-israelische Aktivist startet im Vorfeld der für den 27. Oktober vorgesehenen Knesset-Wahlen eine Kampagne

 17.08.2026

Westjordanland

US-Delegation will attackiertes Dorf Qusra im Westjordanland besuchen

Nach einem Bericht des israelischen Senders Kanal 12 wollen sich die US-Vertreter vor Ort ein eigenes Bild von der Lage machen. Diese bleibt angespannt

 17.08.2026