Tel Aviv

Essen unterm Dach

Hier duften Süppchen aus frischesten Zutaten, dort dampft das Ramen des berühmten Kochs Israel Aharoni mit den imposanten Augenbrauen. Um die Ecke gibt es originale Küche von der drusischen Großmutter, und nebenan bietet der Markt für organisches Obst und Gemüse kunterbunte Vielfalt. Schlemmen und Shoppen – alles unter einem Dach – ist voll im Trend in Tel Aviv. Mit dem Schuk Rothschild/Allenby hat die Metropole am Mittelmeer jetzt ihren vierten überdachten Markt bekommen. Und die Besucher stehen Schlange.

Es ist der bislang letzte in der Erfolgsgeschichte der Indoor-Märkte, deren Auftakt vor sechs Jahren der am nördlichen Hafen, dem Namal, machte. Es folgte 2015 Sarona und im vergangenen Jahr der Schuk Tsafon, der im nördlichen Teil der Stadt, im modernen Hightech-Viertel Ramat Hachajal, liegt. Auf 1600 Quadratmetern mit 30 Anbietern bedient der Markt der Kult-Köchin Michal Ansky, die regelmäßig in der Fernsehshow Masterchef die Gerichte beurteilt, vor allem die lokale Bevölkerung. Massen von Angestellten der dort ansässigen Firmen strömen jeden Mittag in den Schuk.

Lage Der neueste im südlichen Teil des beliebten Rothschild-Boulevards/Ecke Allenby-Straße, ist auf 1250 Quadratmetern mit 32 Ständen recht überschaubar. Doch wegen der Lage im Herzen der Stadt lockt er bis tief in die Nacht ein buntes Völkchen an. Ein Besucher hat noch sein Surfbrett unter dem Arm, als er auf dem Rückweg vom Meer nach Hause läuft. »Ich brauche schnell einen Kaffee«, ruft er der Bedienung des Cafés am Eingang zu und kramt zehn Schekel aus seinem Neoprenanzug.

Auf einen Kaffee wartet auch Dagmar Meier. Die Österreicherin besucht Freunde in Israel und ist schon zum dritten Mal in zwei Tagen hier. Sie hat sich in den Markt verliebt: »Ich finde es fantastisch, dass man alles unter einem Dach bekommt. Es ist Restaurantmeile und Wochenmarkt in einem, dabei ganz unkompliziert und günstiger als in den Lokalen rundherum. Außerdem ist es fantastisch zum Sehen und Gesehenwerden.« Die Spaziermeile Rothschild im Zentrum habe ihr schon immer gefallen, »aber jetzt hat sie auf jeden Fall eine Attraktion mehr bekommen. Vor allem in dieser Gegend, in der so viele Touristen spazieren gehen, ist er optimal gelegen«.

Die Märkte sind sechs oder sieben Tage die Woche geöffnet, Rothschild/Allenby und Sarona von Sonntag bis Sonntag. Sie alle orientieren sich am Konzept der internationalen City-Märkte, wie beispielsweise La Boqueria in Barcelona oder Chelsea Market in New York mit offenen Ständen verschiedenster Lokale und Geschäfte.

Das Angebot ist vielfältig, die Besucher finden Speisen und Getränke aus der ganzen Welt, von der lokalen Hummus-Bude über asiatische Dim-Sum oder Ramen, der klassischen Pizza und Pasta sowie dem Burger bis zu bayerischen Spezialitäten und südafrikanischen Currys. Doch auch Läden rund ums Essen und Trinken, etwa für Kochzubehör oder ausgefallene Zutaten, finden sich vor allem am Namal und in Sarona.

Letzterer ist der größte seiner Art in ganz Israel. In der ehemaligen Templer-Kolonie gelegen, ist er stylisch wie gemütlich zugleich. Auf 8700 Quadratmetern haben sich mehr als 90 Lokale und Geschäfte angesiedelt. Vom fernsten Gewürz über Käse aus aller Herren Länder, lokale Produkte, feinste Pariser Süßigkeiten und deutsches Bier vom Fass gibt es so ziemlich alles, was das kulinarische Herz begehrt.

Date
Chen Azulay ist mit Freundinnen am frühen Sonntagabend nach Büroschluss in Sarona, um zu feiern. Der Anlass? »Wir freuen uns einfach des Lebens, und darauf wollten wir spontan etwas trinken«, sagt die 25-Jährige und lacht. Die jungen Frauen im Tel Aviver Chic sitzen an einer Theke inmitten des Marktes und trinken feinen Wein vom Stand nebenan. »Ich liebe die überdachten Märkte«, sagt Azulay.

»Es gibt alles für einen netten Nachmittag oder Abend, Bars, Stände von verschiedenen Lokalen mit allem, was man sich vorstellen kann, verführerische Desserts und sogar das frischeste Obst und Gemüse in der ganzen Stadt.« Vor allem sei es aber die Atmosphäre, die locker, cool und abwechslungsreicher sei, als immer nur in einer bestimmten Bar zu sitzen.

Ihre Freundin Schir Ben-Yosef pflichtet ihr bei. Sie treffe sich meist zum ersten Date in Sarona. »Das ist so schön unkompliziert, zuerst spaziert man ein bisschen herum und hat sofort ein Gesprächsthema: ›Welches Restaurant magst du, willst du Kaffee oder lieber Wein, möchtest du ein Dessert?‹ Das ist nicht so steif, da kann man sich sofort ein bisschen abchecken.« Und sollte das Date nicht gut laufen, sagt sie, zwinkert und nippt an ihrem Wein, »kann man immerhin gleich den Einkauf erledigen«.

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