Westjordanland

Erneuter Einsatz gegen den Terror

In der Terrorhochburg Dschenin werden Attacken der Hamas und Kämpfen immer wieder Gebäude beschädigt. Foto: copyright (c) Flash90 2025

Kurz nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen hat Israel einen umfangreichen Militäreinsatz gegen palästinensische Terroristen im Westjordanland eingeleitet. Der Militäreinsatz diene der Bekämpfung des Terrorismus und werde »umfangreich und bedeutsam« sein, erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Medienberichten zufolge drangen Bodentruppen und Spezialeinheiten in Dschenin ein, das als Terror-Hochburg gilt. Es habe auch Drohnenangriffe gegeben. Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), die mehrere Wochen lang selbst gegen Hamas-Terroristen im Einsatz gewesen waren, zogen sich nach palästinensischen Angaben vor der Operation der Streitkräfte (IDF) zurück.

Am Montag, einen Tag nach Inkrafttreten einer Waffenruhe im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas, hatte Israels Generalstabschef Herzi Halevi gesagt, man müsse nun auf umfangreiche Anti-Terror-Einsätze im Westjordanland vorbereitet sein, »um den Terroristen zuvorzukommen und sie festzunehmen, bevor sie unsere Zivilisten erreichen«.

Weitere Front gegen Israel

Einen Tag später kündigte Halevi seinen Rücktritt als Armeechef an und begründete dies unter anderem mit dem Versagen des Militärs, Israel vor dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 zu schützen. Das Massaker wurde zum Auslöser des Krieges in Israel und Gaza.

Die seit 2007 im Gazastreifen herrschende und im Verlaufe des Krieges durch die israelische Armee geschwächte Hamas habe ihre Bemühungen zur Bewaffnung von Terroristen im Westjordanland verstärkt, um eine weitere Front gegen Israel zu eröffnen, sagten Analysten der »New York Times«.

Der israelische Regierungschef Netanjahu sagte zum Einsatz in Dschenin, man gehe überall dort vor, wohin die »iranische Achse« reiche. Zu Irans Verbündeten zählen neben der Hamas die von Israel ebenfalls militärisch geschwächte Hisbollah im Libanon sowie die Huthi-Terroristen im Jemen.

Lesen Sie auch

Hamas ruft zu »Generalmobilisierung« auf

Als nach dem Inkrafttreten der Feuerpause in Gaza Dutzende palästinensische Häftlinge im Austausch gegen drei Hamas-Geiseln aus israelischen Gefängnissen freikamen und viele von ihnen ins Westjordanland zurückkehrten, kam es dort wiederholt zu Angriffen radikaler israelischer Siedler auf palästinensische Dörfer.

Israelischen Medienberichten zufolge setzten die vermummten Siedler in den Dörfern Gebäude und Fahrzeuge in Brand.

Die Hamas rief unterdessen die arabische Bevölkerung im Westjordanland zur »Generalmobilisierung« und zu Konfrontationen mit den israelischen Sicherheitskräften und Siedlern auf. Angesichts des israelischen Militäreinsatzes in Dschenin forderte auch die Organisation Islamischer Dschihad die Bewohner des Westjordanlands dazu auf, sich »diesem kriminellen Einsatz mit allen Mitteln zu widersetzen«.

Trotz dieser neuen Gefahr äußerte sich ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin in Zusammenhang mit der israelischen Militäroperation kritisch: »Während es aus Gaza derzeit positive Signale gibt, sind wir sehr besorgt über die Lage im Westjordanland«, sagte er. »Das Eingreifen der israelischen Truppen untergräbt dort die Legitimität der palästinensischen Sicherheitskräfte.«

Terroranschlag in Tel Aviv

Derweil wurden bei einem Messerangriff in Tel Aviv am Abend laut dem israelischen Rettungsdienst vier Menschen verletzt. Der Täter wurde Medienberichten zufolge von einem Passanten erschossen. Die Polizei sprach von einem terroristischen Angriff.

Medienberichten zufolge war der aus Marokko stammende Mann, der eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in den USA besitzt, am Samstag als Tourist nach Israel eingereist. Die Hamas pries ihn als »Märtyrer« und stellte seine Tat als Reaktion auf den israelischen Militäreinsatz in Dschenin dar.

Tatsächlich stellte der palästinensische Terror im Westjordanland bereits vor dem 7. Oktober eine ernste Gefahr dar. Seit den Hamas-Massakern gilt dies umso mehr. Immer wieder kommt es zu tödlichen Attacken gegen Israelis.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026