Naturgewalt

Erdbeben der Stärke 4,2 in Israel

Israelische Rettungskräfte bei einer Übung für den Erdbebenschutz Foto: picture alliance / SIPA

Ein Erdbeben der Stärke 4,2 auf der Richterskala hat am Donnerstagmorgen den Süden Israels erschüttert. Spürbar war es sogar im Zentrum des Landes. Das Beben ereignete sich gegen neun Uhr Ortszeit, das Epizentrum lag nach Angaben des Euro-Mediterranen Seismologischen Zentrums (EMSC) rund 19 Kilometer von der Stadt Dimona entfernt, in der geologisch aktiven Region der syrisch-afrikanischen Erdspalte.

Das Beben löste erstmals in größerem Umfang automatische Warnmeldungen des landesweiten Frühwarnsystems aus. Die Sirenen des Heimatfrontkommandos der Armee waren in Teilen der Region des Toten Meeres und des südlichen Negev zu hören.

Rettungsdienste vermelden keine Verletzten

Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es seien keine Notrufe wegen Verletzungen oder Gebäudeschäden eingegangen. Auch die Polizei meldete keine akuten Gefahren, entsandte jedoch vorsorglich Einsatzkräfte, um Gebäude und öffentliche Einrichtungen in den betroffenen Regionen zu überprüfen.

Besonders stark war das Beben in der Stadt Dimona selbst zu spüren. Bürgermeister Benny Biton schilderte im öffentlich-rechtlichen Sender Kan eindrücklich die Situation: »Mein gesamtes Büro hat gewackelt, sogar unser städtisches Lagezentrum ist kurzzeitig ausgefallen.« Er habe gesehen, wie sich sein Stuhl bewegt hat. »Wir haben hier schon früher Erdbeben erlebt, aber heute habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, was das bedeutet.«

Aus zahlreichen Orten rund um das Tote Meer und den südlichen Negev wurden Erschütterungen gemeldet, darunter Ein Bokek, Arad, Massada sowie aus mehrere Industrie- und Hotelgebieten.

Gleichzeitig gab es auch gegenteilige Wahrnehmungen: In Kibbuz Ein Gedi etwa sei zwar eine Warnmeldung eingegangen, spürbar gewesen sei das Beben jedoch nicht. »Es ist das erste Mal, dass wir einen Erdbebenalarm erhalten haben, ohne dass jemand etwas gemerkt hat«, erklärte der Kibbuz-Sprecher.

Bürgermeister Benny Biton: »Mein gesamtes Büro hat gewackelt. Ich habe gesehen, wie sich mein Stuhl bewegt.«

Erklärt wird das unterschiedliche Erleben des Bebens durch die physikalischen Eigenschaften seismischer Wellen. Der Seismologe Dr. Ron Avni von der Ben-Gurion-Universität erläutert, wie das Frühwarnsystem funktioniert: »Bei einem Erdbeben entstehen zwei Arten von Wellen. Die schnellen P-Wellen breiten sich mit etwa fünf Kilometern pro Sekunde aus und richten keinen Schaden an. Ihnen folgen die zwar langsameren, aber zerstörerischen S-Wellen mit etwa 2,5 Kilometern pro Sekunde.«

Das Frühwarnsystem »Teruah« erkenne die harmlosen P-Wellen und sende Warnungen aus, bevor die stärkeren Erschütterungen eintreffen. »In Städten wie Arad bleiben möglicherweise weniger als zehn Sekunden Reaktionszeit«, so Avni. »In weiter entfernten Orten wie Tel Aviv oder Haifa können es 20 Sekunden oder mehr sein.«

Israel liegt an der aktiven syrisch-afrikanischen Erdspalte, die sich vom Roten Meer bis in die Türkei zieht. In Israel verläuft sie vom Toten Meer durch den Kinneret bis in den Norden des Landes.

In der Geschichte hat es dort schon oft starke Beben gegeben, das letzte schwere der Stärke 6,5 wurde vor nahezu einem Jahrhundert, im Jahr 1927, am Toten Meer gemessen. Die Erschütterungen waren damals Hunderte Kilometer entfernt zu spüren. Rund 500 Menschen kamen ums Leben, zudem wurden Verletzte in Jerusalem, Bethlehem, im jordanischen Amman und sogar in Tel Aviv registriert, wie historische Aufzeichnungen belegen.

Israel ist in Sachen Erdbebenschutz nicht gut genug vorbereitet

Israel ist somit kein unbekanntes Erdbebengebiet. Fachleute sind sich einig, dass ein Beben von der Stärke des Jahres 1927 heute erheblich größere Schäden anrichten würde, vor allem wegen der deutlich höheren Bevölkerungsdichte und der stark ausgebauten Infrastruktur.

Vor einigen Jahren wurden deshalb erstmals und bislang einmalig landesweit in einer Übung die Folgen eines schweren Erdbebens simuliert. Das Fazit daraus: Israel ist in Sachen Bebenschutz nicht gut genug vorbereitet.

Seit Langem geht in Expertenkreisen die Sorge vor dem sogenannten »Big One« um – einem starken, eigentlich überfälligem Beben entlang der Spalte. Wie lange es dauern wird oder wie stark es sein kann, vermag indes niemand vorherzusehen. Nur dass es kommen wird, da sind sich alle einig.

Wie verheerend solche Ereignisse sein können, zeigte zuletzt das schwere Erdbeben der Stärke 7,8 im Jahr 2023 im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien, bei dem weit mehr als 50.000 Menschen ums Leben kamen und über 120.000 verletzt wurden.

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