Nahost

»Er hat keine Ahnung«

Daniel Kurtzer, der frühere US-Botschafter in Ägypten und Israel Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Mit drastischen Worten hat der designierte US-Präsident Donald Trump kurz vor seiner Amtseinführung Schlagzeilen gemacht. Dafür erntete er scharfe Kritik.

»Im Nahen Osten wird die Hölle losbrechen, und das wird nicht gut für die Hamas sein, und es wird - offen gesagt - für niemanden gut sein«, wenn die Geiseln nicht bis zu seiner Amtseinführung am 20. Januar zurück seien, hatte er in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida gesagt.

Was er damit konkret meinte, sagte Trump wie auch schon bei einer ähnlichen Äußerung Anfang Dezember nicht.

Sein Kandidat für das Amt des Nahost-Beauftragten, Steve Witkoff, kündigte an, heute zu der laufenden Verhandlungsrunde in Katar über eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln zuzustoßen. Witkoff äußerte sich optimistisch, dass in der Hauptstadt Doha eine Einigung zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas vor dem 20. Januar erreicht werden könne.

Zusammenarbeit mit Biden

»Nun, ich denke, wir machen große Fortschritte, und ich möchte nicht zu viel verraten, denn ich denke, sie leisten in Doha wirklich gute Arbeit«, sagte Witkoff in Trumps Anwesenheit. Seit dem Wochenende halten sich Delegationen aus Israel und der Hamas in Katar auf.

Er sei zuversichtlich, dass es zu Trumps Amtseinführung »einige gute Dinge im Namen des Präsidenten« zu verkünden geben werde, sagte Witkoff. Trumps Team ist zwar nicht offiziell an den Verhandlungen beteiligt, arbeitet aber mit der scheidenden Regierung von US-Präsident Joe Biden zusammen.

So reiste Witkoff bereits mehrmals in die Region. Zeichen der Hoffnung bei den indirekten Gesprächen unter Vermittlung der USA, Ägyptens und Katars gab es schon oft, sie waren jedoch jedes Mal enttäuscht worden. Ein Kompromiss ist schwierig. Die Hamas besteht auf einem Ende des Krieges, den sie selbst begann, sowie auf einem kompletten Abzug der israelischen Streitkräfte. Die Terrorgruppe will Israel erklärtermaßen vernichten und hat bereits weitere Massaker im Stil des 7. Oktobers 2023 angekündigt.

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»Getöse ist die schlechteste Form der Politik«

In seinen Äußerungen vor Journalisten deutete Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago laut der »New York Times« an, dass seine Drohungen gegen die Hamas die Terrorgruppe zum Einlenken bewegen würden. Experten täten sich jedoch schwer, die Bedeutung von Trumps Drohungen zu verstehen, hieß es. »Ich habe keine Ahnung, und er auch nicht«, zitierte die Zeitung Daniel C. Kurtzer, US-Botschafter in Israel während der Regierung von George W. Bush, und in Ägypten während der Amtszeit Bill Clintons.

Seit Beginn des Gaza-Krieges vor 15 Monaten habe Israels Militär die Hamas als organisierte Kampftruppe nahezu zerstört. Es sei unklar, was eine weitere Eskalation der Angriffe noch bewirken könnte, schrieb die Zeitung. »Ich sehe kein Szenario, in dem US-Streitkräfte zum Einsatz kämen. Auf jeden Fall wissen wir nicht besser als die Israelis, was die Hamas in die Knie zwingen würde«, wurde Kurtzer zitiert. »Getöse ist die schlechteste Form der Politik«, sagte er.

Die US-Nachrichtenseite »Axios« zitierte derweil einen Vertreter der Hamas, der erklärte, die Terrororganisation und ihre Anhänger in Gaza hätten keine Angst vor Trumps Drohungen, »weil sie in Gaza bereits in der Hölle leben«. In der Tat hat die Hamas auch ihre eigene Bevölkerung in eine verzweifelte Lage gebracht. Zugleich setzt sie die Menschen zusätzlicher Gefahr aus, indem sie sie als lebende Schutzschilde missbraucht.

Israels Präsident spricht von riesiger Tragödie

Israels Staatspräsident Isaac Herzog rief die Unterhändler in Katar bei einem Treffen mit internationalen Krisenbeauftragten in Jerusalem dazu auf, »so weit wie möglich voranzuschreiten und diese riesige Tragödie zu beenden«.

Die Vertreter der USA, Großbritanniens, Kanadas, Deutschlands und Österreichs waren nach amtlichen Angaben eigens für ein Treffen mit dem für Geiseln und Vermisste zuständigen Brigadegeneral Gal Hirsch angereist. Für Deutschland war Jens Jokisch dabei, Krisenbeauftragter des Auswärtigen Amtes. dpa/ja

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