Jerusalem

Entscheidung über Malka Leifer

Malka Leifer 2018 im Gericht in Jerusalem Foto: Flash 90

Es scheint, als hätte das Gerichtsdrama ein Ende: Malka Leifer, die ultraorthodoxe ehemalige Direktorin der Mädchenschule Adass Israel in Melbourne, kann nach Australien ausgeliefert werden. Gegen sie liegen 74 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs vor, darunter elf wegen Vergewaltigung. Am Montag hatte das Bezirksgericht in Jerusalem dem Antrag der Opfer zugestimmt.

Das Gericht erläuterte, die Expertengruppe, die eingesetzt worden war, um die mentale Verfassung von Leifer zu untersuchen, sei zu dem Schluss gekommen, dass sie »eindeutig über ihre Fähigkeit lügt, vor Gericht zu stehen«. Ein Sprecher des Justizministeriums begrüßte die Entscheidung als wichtig für die Opfer. Leifers Anwälte kündigten an, eine Auslieferungserlaubnis vor dem Obersten Gericht anfechten zu wollen.

vorwürfe Leifer wird der sexuelle Missbrauch ihrer einstigen Schülerinnen vorgeworfen. Nachdem die ersten Vorwürfe 2008 ans Licht kamen, war sie mithilfe von ultraorthodoxen Kreisen in Israel heimlich aus Australien geflohen. Vier Jahre später stellte Canberra einen Auslieferungsantrag.

Das Justizdrama dauert bereits seit mehr als sechs Jahren an, etwa 60 Anhörungen gab es dazu in Israel.

Das Justizdrama dauert bereits seit mehr als sechs Jahren an, etwa 60 Anhörungen gab es dazu in Israel. Der Skandal hatte die höchsten Ebenen erreicht und zeitweilig für einen Eklat zwischen Jerusalem und Canberra gesorgt. Sogar der australische Premierminister Scott Morrison hatte sich eingeschaltet.

Auch ein israelischer Politiker ist in den Fall verwickelt: Der ehemalige Gesundheitsminister Yaakov Litzman wird verdächtigt, Leifer geholfen zu haben, der Justiz zu entkommen. Er soll Psychiater dazu gedrängt haben, Gutachten auszustellen, die ihre Auslieferung aus psychischen Gründen verhindern.

gerechtigkeit Die Schwestern Dassi Erlich und Nicole Meyer kämpfen seit Jahren dafür, Leifer in Australien vor Gericht zu bringen. Sie sind zwei von drei Schwestern, die ihr vorwerfen, sie während ihrer Schulzeit sexuell missbraucht zu haben. Nach der Entscheidung vom Montag gebe es endlich Gerechtigkeit, sagten sie. »Leifer war in Freiheit, und wir dachten, wir hätten keine Stimme. Aber drei Jahre lang haben wir so hart daran gearbeitet und unsere Stimme gefunden.«

Dies sei nicht nur für sie selbst wichtig, machten die Schwestern deutlich, sondern »für alle Überlebenden, die sich weigern, stumm zu bleiben. Es ist ein Sieg für uns alle«.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026