Mode

Ein Traum in Weiß

Ich habe einen Traum: Er ist weiß und seidig, er umhüllt mich und lässt mich davonfliegen. Nein, ich habe nicht vor zu heiraten. Und ja, es geht um ein Kleid. Ehrlicherweise geht es um »das« Kleid. Es ist aus der aktuellen Kollektion des israelischen Modelabels »Maskit« und für mich der Inbegriff eines Traums.

Ganz bald wünschen wir uns gegenseitig zu Rosch Haschana: »Möge es ein süßes Jahr werden!« Ich jedoch füge in Gedanken hinzu: »Und bitte weiß und seidig.« Was das neue Jahr bringen wird, ist ungewiss, aber so viel steht fest: Mein Traum wird eines Tages wahr werden und mich in eine dieser umwerfenden Maskit-Frauen verwandeln, wie sie Sharon Tal, die Chef-Designerin des ersten israelischen Modelabels, beschreibt: »Wenn ich meine Kollektion entwerfe, denke ich an eine authentische Frau, eine, die an sich selbst glaubt, die nicht vergessen hat, woher sie kommt, und dennoch im Hier und Jetzt lebt. Einfach eine zeitlose Frau.«

folklore Ich wusste schon beim ersten Mal im Maskit-Showroom, dass es um mich geschehen war. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich Dinge mag, die eine Geschichte haben. Und bei Maskit hat alles eine Geschichte – der palazzoähnliche Verkaufsraum in Jaffa, dem die viele Hundert Jahre alten Mauersteine auch im heißesten Juli eine angenehme Kühle verleihen, die kleine Ausstellung im hinteren Teil des Ladens mit angegliederter Werkstatt, die wunderbare Kleider, Kostüme, Skizzen und Entwürfe der Maskit-Gründerin Ruth Dayan zeigt.

17 Jahre alt war Ruth, als sie den späteren legendären israelischen Armeechef und Verteidigungsminister Moshe Dayan heiratete. Mit ihm bekam sie drei Kinder, trennte sich von ihm und bescheinigte ihrem Ex-Mann öffentlich einen unglaublich schlechten Geschmack in Sachen Frauen. Mehr als einmal muss Moshe Dayan seiner Ruth das Herz gebrochen haben.

Mit der Gründung von Maskit 1954 gelang Ruth Dayan etwas Einmaliges: das perfekte modische Zusammenspiel jüdischer Folklore und Kultur, die so vielfältig war und ist wie die in Israel lebenden Menschen. Zugleich bot Maskit gerade erst nach Israel eingewanderten Frauen die Möglichkeit zu arbeiten. Maskit ermutigte Frauen, Entscheidungen zu treffen, die den Erfolg eines ganzen Unternehmens beeinflussten. Ruth Dayan war und ist eine Frau für Frauen.

neustart An der Atelierwand hängt ein Titelbild der Modezeitschrift »Vogue« aus den 80er-Jahren. Ja, Maskit schaffte es auf das Cover. Maskit war definitiv so etwas wie »Chanel von Israel«. Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigte das Unternehmen; sogar in New York konnte man Kleider kaufen. Aber Mitte der 90er-Jahre wurde es still und stiller um das Modehaus. Zu viele Fehlentscheidungen führten dazu, dass Maskit schließen musste.

Bis 2013 – dem Jahr, in dem die Designerin Sharon Tal, die zuvor schon für so renommierte Modelabel wie Lanvin oder Alexander McQueen gearbeitet hatte, dem Traditionshaus mit einer aufsehenerregenden »Maskit ist wieder da«-Premiere-Kollektion zu einem bemerkenswerten Neustart verhalf.

Und heute, 64 Jahre nach der Gründung, ist Maskit angekommen in einer Zeit der sozialen Medien und schneller, sich stets verändernder Mode. Sharon Tal weiß, wie kompliziert es manchmal ist, nicht den Überblick zu verlieren und sich treu zu bleiben. »Maskit hat sich schon in den 50er-Jahren einerseits mit dem traditionellen Handwerk verbunden gefühlt, und andererseits stand die Marke gleichzeitig für Innovation. Das ist heute nicht anders. Wir orientieren uns an der Originalität und dem Handwerk von einst – unter Beachtung aller aktuellen Ansprüche. Das macht unser Label zeitlos und immer up to date«, sagt die Designerin.

Maskit bleibt sich sehr treu, auch wenn die Designerin und alle Mitarbeiter natürlich unbedingt mit der Zeit gehen. Sie müssen. Dennoch war und ist Maskit schon immer die Ausnahme von der Regel gewesen. Das Label war nie laut oder schrill. Eher ist es der wunderbare Versuch, die Welt von damals mit der von heute zu verbinden. Folklore und Tradition treffen auf Businessfrauen mit Kindern und Smartphone. Alte Werte wie Qualität und Beständigkeit verbinden sich mit ständiger Erreichbarkeit und dem Anspruch, immer auf dem Laufenden zu sein.

wüstenkollektion Wenn ich diesen besonderen Ort in Jaffa besuche, habe ich das Gefühl, als gingen die Uhren ein wenig langsamer. In den Werkstätten surren die Nähmaschinen, der allergrößte Teil der Kollektion wird im Maskit-eigenen Atelier in Israel gefertigt. Die kleine Taschen- und Schmuckkollektion ist ebenfalls aus der Hand von Maskit. Und natürlich ist längst eine Brautkollektion hinzugekommen.

Womit wir wieder bei meinem Traum in Weiß wären. Der nichts mit einer Hochzeit, sehr wohl aber mit der aktuellen Wüstenkollektion von Maskit zu tun hat. Grau, Braun, Beige, helles Blau und Weiß – Farben, die kühlen. Ich verändere mich, wenn ich ein Kleid von Maskit anprobiere. Ich werde stolzer, aufrechter.

Ich fühle mich ein wenig wie eine Künstlerin, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass Designerin Sharon Tal unbedingt die Nähe zu den schönen Künsten wie Ballett und Theater sucht. Maskit stattet regelmäßig Ballettgruppen mit Kostümen aus. Fotografen inszenieren in aufwendigen Produktionen eindrucksvoll die schönen Kleider und fließenden Stoffe. Aktuell in der Wüste. Natürlich.

Irgendwann wird mein Traum von einem eigenen Maskit-Kleid wahr werden. Und dann ist es mehr als nur ein Kleid. Es ist ein Stückchen von Ruth Dayan, die im März ihren 101. Geburtstag feierte und sich bester Gesundheit erfreut – eine Frau, die ich so sehr bewundere für ihren Mut, ihre Vision und ihr Engagement für Frauen. Und die niemals aufhört zu träumen – vom Frieden in ihrer Heimat Israel und überall auf der Welt.

www.maskit.com

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