Geschichte

Ein Jude in kirchlichen Diensten

Jakob Eisler Foto: epd

Ihr Name ist geheimnisvoll und provoziert Missverständnisse: Die 1861 in Württemberg gegründete Tempelgesellschaft wollte im Heiligen Land eine christliche Lebensgemeinschaft aufbauen. Die pietistischen »Templer« hatten nichts mit den Tempelrittern aus der Zeit der Kreuzzüge zu tun. Einer der besten Kenner der württembergischen Templer-Bewegung ist der jüdische Historiker Jakob Eisler.

Der in Haifa geborene Geschichtswissenschaftler ist der einzige Jude, den die Evangelische Landeskirche in Württemberg angestellt hat. Im landeskirchlichen Archiv in Stuttgart arbeitet er akribisch die Beziehungen zwischen Württemberg und Israel auf. Dass man ihm einen Arbeitsvertrag anbieten konnte, gelang vor zehn Jahren mit einer Sondergenehmigung des damaligen Landesbischofs Gerhard Maier.

Denn kirchenrechtlich steht außer Frage, dass Mitarbeiter der Landeskirche Protestanten sein müssen, in Ausnahmefällen auch Mitglieder anderer christlicher Kirchen sein dürfen.

Geboren wurde Eisler im israelischen Schicksalsjahr 1967 nach dem Sechstagekrieg, in dem sich das kleine Land erfolgreich gegen die arabischen Armeen zur Wehr setzte und palästinensische Gebiete eroberte. Eislers Eltern mit ihren deutsch-österreichischen Wurzeln machten sich keine Mühe mehr, ihm Deutsch beizubringen. Das übernahm die Großmutter, die ihn auch in die altdeutsche Handschrift einführte – eine Fertigkeit, die ihm später bei seiner Arbeit in den Archiven unschätzbare Dienste geleistet hat.

Tabu Studiert hat Eisler noch in Haifa bei Professor Alex Carmel (1931–2002), dem damals wohl größten Experten für die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina. Das Besondere an diesem Forschungszweig: Nach den nationalsozialistischen Massenmorden an den Juden war es in Israel nahezu ein Tabu, die Leistung von Nichtjuden und insbesondere von Deutschen für das Heilige Land zu würdigen. Dieses Tabu hatte Carmel durchbrochen, und sein Schüler Eisler setzt die Arbeit fort.

Gab es im Jahr 1800 im Heiligen Land gerade mal zwölf europäische Christen, so waren es am Vorabend des Ersten Weltkrieges 1914 rund 5.000 – und die Hälfte von ihnen stammte aus Württemberg. Es waren pietistische Christen, die in frommer Lebensgemeinschaft bei den heiligen Stätten in einer Art »Reich Gottes auf Erden« leben wollten. Die schwäbischen Templer führten die moderne Landwirtschaft mit Metallpflügen und Milchvieh ein, bauten Straßen und Brücken, gründeten Fabriken – die erste Zementfabrik arbeitete mit Material aus Heidelberg – und etablierten Handelsgeschäfte.

Eislers Expertise brachte ihm eine Herkulesaufgabe im landeskirchlichen Archiv ein. Dort lagert die weltweit zweitgrößte Sammlung mit Fotos aus Palästina aus dem 19. Jahrhundert bis 1930. Die größte Sammlung befindet sich in Greifswald, ist aber schlecht zugänglich, weil das Bildmaterial noch niemand katalogisiert hat. Nicht viel besser sah es in Württemberg aus, bevor Eisler kam. Er sollte den Bestand von 15.000 Fotografien wissenschaftlich erschließen. Regelrechte Detektivarbeit war es, herauszufinden, welche Personen auf den einzelnen Bildern zu sehen sind.

Bahai Große Breitenwirkung entfaltete Eislers Mitarbeit bei der Ausstellung »Deutsche im Heiligen Land«, die 2005 in Jerusalems Himmelfahrtskirche und dann im Berliner Dom gezeigt wurde. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien und der Mitarbeit an Broschüren und Festschriften hat der Historiker sein erworbenes Wissen wieder weitergegeben.

Dass er ohne Familie ist, hängt möglicherweise auch mit seiner beruflichen Leidenschaft zusammen. »Ich bin mit meiner Forschung verheiratet«, sagt er. Sein jüdischer Glaube ist Jakob Eisler wichtig. Zu den Feiertagen geht er in eine Synagoge in Fulda. In Hessen hat er einen Teilzeitauftrag als Historiker, dokumentiert das frühere Leben jüdischer Landgemeinden.

Auch in seiner Heimatstadt Haifa hat sich mithilfe von Eislers Engagement manches verändert. Die Koloniestraße der Templer, die vom Hafen zu den später angelegten Bahai-Gärten führt, steht inzwischen unter Denkmalschutz. Die schmucken Häuser mit den Bibelversen in deutscher Sprache über der Eingangstüre genießen so erst einmal Bestandswahrung.

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 28.08.2026

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026

Diplomatie

CIA warnt Putin vor Angriffen auf Nato und drängt auf neue Iran-Politik

Geheimtreffen in Moskau: CIA-Chef Ratcliffe mahnt Russland wegen eines möglichen Angriffs auf die NATO und fordert im Iran-Krieg die Öffnung der Straße von Hormus

von Sabine Brandes  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026