Corona-Krise

»Dies ist eine Anweisung«

Foto: Flash 90

Die Zahl der Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus ist in Israel auf 677 gestiegen. Sechs Patienten sind in kritischem Zustand, 14 mittlerweile wieder gesund.

Das Kabinett erließ derweil über Nacht neue restriktive Maßnahmen für die Bevölkerung, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Gesundheitsministerium Aktivitäten in der Öffentlichkeit sind damit noch weiter eingeschränkt. Zunächst gelten die für die kommenden sieben Tage. Lediglich Betriebe, die als »essenziell« eingestuft werden, dürfen noch operieren. Das Gesundheitsministerium wird detaillierte Angaben bezüglich der Aktivität von kommerziellen Einrichtungen wie Supermärkten herausgeben.

»Schwere Zeiten bedürfen schwerer Entscheidungen«, sagte Netanjahu vor der Kabinettsentscheidung. »Ich hatte sie gebeten, zu Hause zu bleiben und den Regeln des Gesundheitsministeriums zu folgen. Es wurde zwar beachtet, doch es war nicht genug. Daher verkünde ich heute den verstärkten Krieg gegen Corona.«

Premier Netanjahu: »Es ist nicht länger eine Bitte oder Empfehlung. Es ist eine verbindliche Anweisung, die mithilfe der Sicherheitsbehörden durchgesetzt wird.«

Entsprechend der Restriktionen müssen die Bürger Israels in ihren Häusern bleiben. »Es ist nicht länger eine Bitte oder eine Empfehlung. Es ist eine verbindliche Anweisung, die mithilfe der Sicherheitsbehörden durchgesetzt werden wird«, machte der Premier deutlich. Angeblich soll auch die Armee mobilisiert werden, um bei der Durchsetzung zu helfen.

»Ich weiß, dass dies nicht leicht sein wird. Doch ich bitte Sie, sich an diese Regeln zu halten. Deren Ziel ist, dass so wenig wie möglich Menschen infiziert werden und so wenig wie möglich andere anstecken. Es wird viele Leben retten.«

Straßensperren Nur Mitarbeiter von Unternehmen, deren Arbeit vom Finanzministerium explizit erlaubt ist, dürfen noch zur Arbeit gehen. Ein derartiger Schritt sei seit Staatsgründung noch nie durchgesetzt worden.

Die neuen Direktiven sind seit Donnerstagnacht gültig. Die Polizei gab an, dass man noch weit »von Straßensperren und Barrikaden entfernt sei, man jedoch auf sozialen Abstand achten und Quarantänebrecher rigoros bestrafen werde«.

Am Freitag öffnete die erste Drive-Through-Station zum Testen auf Covid-19 in Tel Aviv. Netanjahu hatte versprochen, die Zahl der Tests auf 3000 bis 5000 pro Tag zu erhöhen. Es sind jedoch offenbar Tausende von fehlerhaften Testkits bestellt worden.

Schutzausrüstung Sollte die Zahl der Infizierten mit schweren Verläufen weiter steigen, was von Experten angenommen wird, kann das israelische Gesundheitssystem schnell kollabieren. Bereits bei regulären Grippeausbrüchen im Winter steht es regelmäßig kurz vor dem Zusammenbruch.

Seit Jahren beklagen Mediziner unzureichende finanzielle Mittel sowie mangelnde Vorbereitung auf eine Epidemie und besonders eine Pandemie wie diese.

Seit Jahren beklagen Mediziner unzureichende finanzielle Mittel sowie mangelnde Vorbereitung auf eine Epidemie und besonders eine Pandemie wie diese. Das medizinische Personal im ganzen Land verfügt nicht über ausreichend Schutzausrüstung.

Im palästinensischen Westjordanland sind nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums 47 Menschen mit Covid-19 infiziert. Rund 4000 Menschen befinden sich in Heimquarantäne. Präsident Reuven Rivlin sprach mit seinem dortigen Amtskollegen, Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas.

»Die Welt muss mit dieser Krise umgehen, die nicht unterscheidet, wo die Menschen leben«, so Rivlin. »Unsere Zusammenarbeit ist wichtig, damit wir die Gesundheit von Israelis und Palästinensern sichern. Die Fähigkeit, in dieser Zeit zu kooperieren, wird ein Beweis dafür sein, dass wir auch in Zukunft für unser aller Wohl zusammenarbeiten können.«

Anteilnahme Rivlin sprach zudem mit den Präsidenten von Italien, Sergio Matarella, und Deutschlands Präsident Frank-Walter Steinmeier. Er sandte die Grüße Israels an die Völker beider Länder. Steinmeier dankte Rivlin für seine Anteilnahme und betonte, dass das Virus jegliche Grenze überquere und man daher international daran arbeiten müsse, es zu stoppen.

Matarella sagte, dass die Italiener sehr berührt von der Solidaritätsbekundung der Israelis gewesen seien, als die Mauern und Wände mit der italienischen Flagge angestrahlt waren. »Für mich ist das ein Zeichen unserer engen Freundschaft. Die Italiener fühlen genauso für die Israelis.«

Rivlin betonte, dass Israel und Italien Partner internationaler Bemühungen seien, das Virus einzudämmen. Israelische Wissenschaftler seien in engem Kontakt mit ihren Kollegen in dem südeuropäischen Land. Rivlin schloss auf Italienisch mit dem Satz: »Andrà tutto bene«, alles wird gut!

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