Wissenschaft

»Vierte Impfung ist nur eine Frage der Zeit«

Die Kinderimpfung soll noch in dieser Woche beginnen. Foto: Flash90

Experten des Gesundheitsministeriums in Jerusalem haben auf einer Pressekonferenz am Wochenbeginn die Wichtigkeit des Corona-Boosters betont. Die dritte Impfung mit dem Vakzin von BioNtech/Pfizer gegen das Coronavirus sei »viel wirkungsvoller als die ersten zwei Dosen« und verhindere sowohl eine Infektion als auch einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung.

Gleichfalls sei eine »vierte Impfung wohl nur eine Frage der Zeit«. Davon ist der Generaldirektor im Ministerium, Nachman Ash, überzeugt. »Die Frage ist natürlich, wie lange es bis dahin dauern wird.« Man hoffe auf einen Schutz für zwölf Monate oder sogar länger.

»Was in Europa geschieht, ist offensichtlich eine Kombination aus der Deltavariante und dem Rückgang der Wirkung der Impfung.«

Leiterin öffentliche Gesundheit, sharon alroy-preis

»Wenn der Booster ein Jahr lang ausreicht, sind wir begeistert. Aber mehrere Jahre wird die Spritze sicherlich nicht anhalten, auch nicht die dritte«, so Ash. »Also werden wir uns hin und wieder impfen lassen müssen.«

AUFFRISCHUNG Die gesammelten Daten zeigten bislang, dass der Schutz vor Infektion nicht vermindert sei, obwohl es nach einer Weile einen leichten Rückgang der Antikörperzahl gebe. Untersucht wurden dabei jene, die bis zum 23. September mit dem Booster geimpft wurden. Israel ist das erste Land der Welt, das damit das Nachlassen der dritten Impfung untersucht. Der kleine Nahoststaat hatte am 31. Juli mit der Verabreichung der Auffrischung begonnen. Mittlerweile haben 4,05 Millionen den Booster erhalten, das sind knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung.

Die israelischen Gesundheitsexperten untersuchen die Effektivität der dritten Impfung nach eigenen Angaben konstant. Israel war weltweit Vorreiter, der allen Einwohnern ab 16 Jahre bereits im Sommer die dritte Spritze gegen das Coronavirus angeboten hat. Jetzt, argumentiert das Expertenteam aus Gesundheitsexperten, sollten sich auch Jugendliche ab zwölf Jahre den Booster abholen, wenn ihre Impfung länger als fünf Monate zurückliegt. »Denn«, das sei mittlerweile belegt, »die Wirksamkeit der Impfung schwindet nach sechs Monaten«.

»Es gibt keinen Grund, die Kinder nicht impfen zu lassen.«

Premier Naftali Bennett

Premierminister Naftali Bennett sagte dazu, er gehe davon aus, dass die Pandemie noch ein oder zwei Jahre andauern werde. Er ist der Überzeugung, es sei besser, die Booster einzusetzen, noch bevor die Gesamtbevölkerung mit den ersten zwei Dosen geimpft ist, da das Nachlassen der Wirkung nach zwei Spritzen Fakt sei.

Die Leiterin der Abteilung für öffentliche Gesundheit im Jerusalemer Ministerium, Sharon Alroy-Preis, bestätigt dies. »Im Zusammenhang mit den hohen Infektionszahlen in Europa untersuchen wir eine große Anzahl von Varianten. Wir sehen jedoch nichts, was uns große Sorge bereitet. Was in Europa geschieht, ist offensichtlich eine Kombination aus der Deltavariante und dem Rückgang der Wirksamkeit des Vakzins.«

»Wir werden uns auch nach der dritten Impfung hin und wieder eine Auffrischung abholen müssen.«

In der vergangenen Woche seien in Israel 76 Prozent der bestätigten Neuinfektionen mit dem Coronavirus Personen gewesen, die ungeimpft waren, gibt das Ministerium an. Zwölf Prozent hatten lediglich zwei Dosen des Impfstoffes erhalten. Die Positivrate der Tests lag am Wochenbeginn bei 0,6 Prozent. In den Krankenhäusern werden derzeit noch 130 Menschen mit einem schweren Verlauf von Covid-19 behandelt.

RESTRIKTIONEN Israel hat die vierte Welle der Corona-Pandemie bereits hinter sich. Doch seit einigen Tagen geht die R-Rate, die anzeigt, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt, wieder etwas hoch. Bennett nennt es »die Welle der Kinder«. Neue Restriktionen soll es derzeit nicht geben, stattdessen wolle man auf die Impfung der Kinder ab fünf Jahre setzen. Ihnen wird lediglich ein Drittel der Erwachsenendosis verabreicht. Noch in dieser Woche soll mit der Kampagne im ganzen Land begonnen werden.

»Im Angesicht der Erhöhung der Infektionen ist es umso wichtiger, auch die jüngeren Mädchen und Jungen zu impfen«, betonte der Ministerpräsident und rief die Eltern auf, ihre Kinder in die Impfstationen zu bringen. »Es gibt keinen Grund, sie nicht impfen zu lassen.«

Tel Aviv

»Ihr habt versagt – jetzt übernehmt Verantwortung!«

Angehörige der Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober klagen die Regierung an. Bei einer Massendemonstration fordern sie eine unabhängige Untersuchung

von Sabine Brandes  25.10.2026

Wahlwerbung mit Benjamin Netanjahu über einer Fußgängerbrücke

Knessetwahl

Netanjahu macht Wahlkampf mit Bild von Atompilz über Tel Aviv

Im Wahlkampf setzt der israelische Regierungschef auf ein angsteinflößendes Bild. Scharfe Kritik daran kommt von Netanjahus Hauptrivale Gadi Eisenkot

 25.10.2026

Nahost

Experten warnen Netanjahu vor Folgen möglicher Sanktionen

Nach Netanjahus Überlegungen, mögliche internationale Bankensanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen, warnen Experten vor enormem Schaden für Israels Wirtschaft

 25.10.2026

Schicksalswahl in Israel

Israels Militär vor Parlamentswahl in Alarmbereitschaft

Vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am Dienstag sind Israels Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Zehntausende Soldaten sind im Einsatz, die Luftabwehr wurde verstärkt

 25.10.2026

Nachrichten

Lied, Spende, Festnahmen

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  25.10.2026

Sanktionen

Netanjahu erwägt Kryptowährungen gegen mögliche Sanktionen

Aus Sorge vor weltweiten Bankensanktionen sucht Israel laut Ministerpräsident Netanjahu nach Alternativen. Die Zentralbank kritisiert seine Idee

 25.10.2026

Westjordanland

Israels Armee: Lockdown im Westjordanland am Wahltag

Israels Armee setzt ihre Offensive im Westjordanland fort. An Israels Wahltag wird es Zugangssperren für Palästinenser geben. In Israel kommt es derweil zu Massenprotesten gegen die Regierung

 25.10.2026

Prognosen

Wende, Patt oder Weiter so?

Die Knessetwahl stellt dem Land eine neue Regierung in Aussicht - doch die Koalitionsbildung könnte erneut zum Machtpoker werden

von Sabine Brandes  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026