Jerusalem

Die Affäre »Holyland«

Der »Holyland«-Komplex Foto: Flash 90

Jerusalemer mochten das Bauprojekt noch nie. Israelische Medien bezeichnen den riesigen Hochhauskomplex, der das »Holyland Hotel« auf einem Hügel in der Stadt ersetzte, als Schandfleck. Neben dem Architekturstreit rankt sich nun angeblich »eine der größten Korruptionsaffären in der Staatsgeschichte« Israels um die umstrittenen Luxuswohnungen. Viele Millionen Euro sollen Beamten zugeschoben worden sein, um den Bau der hässlichen Häuser mit dem traumhaften Ausblick zu genehmigen, Baurechte auszudehnen und Bauauflagen zu ignorieren. Als Hauptverdächtige gelten Ex-Premier Ehud Olmert, der zur Zeit der Planung als Jerusalems Bürgermeister amtierte, und sein Nachfolger Uri Lupolianski. Sechs Personen befinden sich bereits in Untersuchungshaft, eine Vielzahl hochrangiger Beamter steht unter Korruptionsverdacht.

»Diese Affäre ist in ihrem Umfang beispiellos«, sagte Staatsanwältin Liat Ben-Ari dem obersten Gerichtshof und schätzte, »dass wir in diesem Fall wahrscheinlich noch hunderte Zeugen vernehmen werden«. Olmert muss sich bereits wegen zwei anderer Korruptionsaffären vor Gericht verantworten. Nun wird ihm und seinem Nachfolger vorgeworfen, Zahlungen in Millionenhöhe entgegengenommen und dafür dem Holyland-Projekt weitere Baurechte zugesichert zu haben. Auflagen zur Errichtung öffentlicher Einrichtungen, wie Kindergärten, Synagogen und Schulen wurden einfach gestrichen.

Anklage Olmert und Lupolianski haben jede Schuld von sich gewiesen. Olmert teilte in einer Presseerklärung mit, die Veränderungen am Bau seien in Lupolianskis Amtszeit vorgenommen worden. Lupolianski konterte, die korrupten Entscheidungen seien gefällt worden, als er im Rathaus noch als machtloser Stellvertreter Olmerts fungiert habe. Die Anklage ließ erkennen, dass sie bereits über einen Kronzeugen verfüge, aber noch weiteres Beweismaterial sicherstellen wolle.

Die Holyland-Affäre scheint jedoch nur einen Auftakt zu bilden. Der Minister für Innere Sicherheit Itzchak Aharonovitsch spekulierte, der Bauskandal in Jerusalem sei nur die »Spitze des Eisbergs«. Schon spekulieren Medien über eine Vielzahl anderer Jerusalemer Bauprojekte, die mit fragwürdigen Genehmigungen errichtet wurden.

Gadi Eisenkot spricht an einem Rednerpult vor einer israelischen Flagge

Israel

Eisenkot will Israel aus der Krise führen

Nach dem Auftrag zur Regierungsbildung ruft der frühere Generalstabschef zu einer Notstandsregierung auf und streckt allen Parteien die Hand aus

 08.11.2026

Kuscheltiere und Puppen auf dem Rabin-Platz, eine Puppe ist mit einem Seil gefesselt

Ariel

Kinderkrippe des Grauens

Drei Betreuerinnen wird systematische Gewalt an Babys und Kleinkindern vorgeworfen. Die Polizei spricht von einem der schwerwiegendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre

von Sabine Brandes  08.11.2026

Krieg gegen den Iran

Die Mullahs schossen Raketen – Bat Yam schickt die Rechnung

Die israelische Stadt will Schadensersatz in Millionenhöhe von Teheran. Für die Zustellung der Klage musste der Bürgermeister einen iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan verfolgen

von Sabine Brandes  08.11.2026

Israels Präsident Izchak Herzog

Nach der Parlamentswahl

Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

Dem Oppositionspolitiker Eisenkot fehlen 13 Mandate für eine eigene Regierungsmehrheit. Arabische oder ultraorthodoxe Parteien könnten ihm helfen. Doch beide Optionen bergen großes Konfliktpotenzial

 08.11.2026 Aktualisiert

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026