Einspruch

Der Wechsel bleibt aus

Sabine Brandes, Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen Foto: Marco Limberg

Gleichstand in Israel. Das bedeutet allerdings keine Gleichheit, sondern das Gegenteil. Was für viele beim Blick auf Israel vielleicht wenig sichtbar sein mag, kam bei der Knessetwahl deutlich zum Vorschein: die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft.

Dabei geht es weniger um Rechts und Links, wie von den meisten Politikern gern beschworen wird, sondern vielmehr um Arm und Reich, um Zentrum und Peripherie, um Eliten und sozial Schwächere, um Sefarden und Aschkenasen. Viele sefardische Juden, die aus arabischen Ländern wie Marokko, Algerien, Jemen und Irak stammen und heute aus Frankreich kommen, fühlen sich noch immer ausgebootet von den »privilegierten Aschkenasen«. Die wiederum rümpfen nicht selten die Nase ob der meist traditionelleren und religiöseren Nachbarn.

Herausforderer Benny Gantz hat es nicht geschafft, für einen Wechsel genügend Wähler von sich zu überzeugen.

Der Wahlkampf hat gezeigt: Mit wüsten Beschimpfungen wurde jenen begegnet, die es wagten, die Regierungspartei herauszufordern. Alle Register wurden gezogen, um nur nicht am Alten zu rühren. Um die Zukunft des Landes ging es dabei weniger.

GEGENWIND Dennoch haben Benny Gantz und Yair Lapid mit ihrer Zentrumsunion Blau-Weiß in den zwei Monaten ihrer Kampagne viel geschafft. Gantz, der Politneuling, zog trotz heftigem Gegenwind Stimmen von anderen Parteien ab und überzeugte viele Israelis, dass er eine Alternative zum amtierenden Regierungschef darstellen kann.

Alte Loyalitäten wiegen in Israel schwer. So wird die Zerrissenheit Israels immer weiter fortgeschrieben.

Blau-Weiß holte 35 Mandate, ebenso viele wie Netanjahu. Doch Gantz hat es eben nicht geschafft, noch mehr Wähler zu überzeugen: Auf der einen Seite stehen weiter die Aschkenasen, auf der anderen die Sefarden. An die vermeintlichen Unterschiede der ethnischen Gruppen glauben immer noch viele.

Auch alte Loyalitäten wiegen in Israel schwer. Gerade solche Politiker beschwören sie oft, die gar nichts anderes haben, auf das sie sich berufen könnten. So wird die Zerrissenheit Israels immer weiter fortgeschrieben.

redaktion@juedische-allgemeine.de

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