Tourismus

Der Himmel ist offen

EL AL und andere bieten preiswerte Tickets an – bald wird es eng im Luftraum. Foto: Frank Albinus

Tourismusminister Uzi Landau freut sich. »2013 war ein Rekordjahr für den Tourismus, und wir sind stolz darauf.« Mehr als dreieinhalb Millionen Gäste aus aller Welt reisten im vergangenen Jahr ins Heilige Land. Und das Beste daran: Es hat ihnen gefallen. Auf einer Punkteskala von eins bis fünf gaben die Besucher im Durchschnitt eine hervorragende 4,3 für die Qualität ihres Aufenthaltes. Neben den guten Nachrichten gibt es auch Neuigkeiten im Tourismusbereich, vor allem im Flugverkehr.

»Trotz der Sicherheitslage in der Region haben die Touristen mit ihrem Kommen abgestimmt«, so Landau. Nach den Amerikanern, Russen und Franzosen lagen die Deutschen mit 254.000 Besuchern auf Platz vier. 73 Prozent erreichten Israel per Flugzeug, eine Steigerung von vier Prozent im Vergleich zu 2012.

verreist Und bald sollen es noch viel mehr werden. Denn die Billiglinien sind im Anflug. Das Abkommen »Open Skies« zwischen Israel und der Europäischen Union ist Realität geworden. Seit Beginn des Jahres dürfen die preiswerten Anbieter fliegen. Derzeit gibt es 25 Destinationen zum kleinen Preis von und nach Israel, darunter Berlin, Budapest, München, London, Paris und Rom. Im Frühling dann sollen es schon 88 Flüge pro Woche sein, die von ausländischen Low-Cost-Fluggesellschaften angeboten werden. Die Israelis frohlocken.

»Ich hoffe wirklich, dass es bei uns bald so sein wird wie in Europa, wo man für wirklich kleines Geld hin- und herfliegen kann«, sagt Vielflieger Shai Mor. Er ist sicher, dass die Israelis dann noch viel mehr verreisen werden. »Denn oft können es sich Familien mit Kindern bei den derzeitigen Preisen gar nicht leisten, mehr als einmal im Jahr Urlaub zu machen. Wenn überhaupt.«

Auch die Israelis machen beim Konkurrenzkampf um die Touristen mit. Ab 30. März soll die neue Billiglinie von EL AL – UP – starten. Die Fluggesellschaft ist EL ALs Antwort auf die europäische Konkurrenz im Rahmen von »Open Skies«. Zunächst stehen 36 wöchentliche Flüge in die fünf europäischen Metropolen Berlin, Budapest, Kiew, Larnaca und Prag auf dem Programm, im Juli und August soll auf 52 Flüge aufgestockt werden. UP wird Reisen ab umgerechnet etwa 70 Dollar für die einfache Strecke anbieten. Allerdings gilt dieser Tarif lediglich für den reinen Flug – Essen und Gepäck nicht im Preis inbegriffen.

verplant Tourismusexperten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Touristen, die per »low cost« anreisen, in diesem Jahr auf 1,5 Millionen Passagiere verdoppeln wird. Allerdings, geben sie zu bedenken, müssten die Reisenden ihre Gewohnheiten ändern und drei bis sechs Monate vor dem Abflug buchen. Bei kurzfristiger Reiseplanung bleibt es sonst recht kostspielig.

Und auch Fehler bei den israelischen Gesellschaften könnten die Passagiere teuer zu stehen kommen. Denn EL AL, Arkia und Israir haben bereits Tickets zu neuen Destinationen verkauft, ohne auf die Bestätigung der Sicherheitsvorkehrungen zu warten. Eine 25-Millionen-Dollar-Lücke zwischen den anvisierten und den realen Kosten für die Sicherheit im Flugverkehr auf den neuen Strecken könnte schweren wirtschaftlichen Schaden für die Linien bedeuten. Die Geschäftsleitungen der Airlines forderten die israelische Regierung und das Verkehrsministerium auf, dringend für ausreichende finanzielle Mittel zu sorgen. Andernfalls müssten womöglich bereits gebuchte Flüge abgesagt und die verkauften Tickets zurückgegeben werden.

Die Chefs der betroffenen Fluggesellschaften berufen sich darauf, dass die Jerusalemer Regierung sich verpflichtet hat, nach Inkrafttreten des »Open Skies«-Abkommens mit der EU dafür zu sorgen, dass die israelischen Fluglinien keinen wirtschaftlichen Schaden durch die ausländische Konkurrenz erleiden, wenn sie neue Reiseverbindungen in ihr Programm aufnehmen.

Illusion Aus diesem Grund hatte sich der Staat unter anderem dazu bereit erklärt, 97,5 Prozent der Kosten für Sicherheitsmaßnahmen zu übernehmen – Kosten, die für europäische Fluggesellschaften schlicht nicht anfallen. Das jüngste Budget reicht aber nicht aus, um die erhöhten Sicherheitskosten in der kommenden Frühjahrs- und Sommersaison, wenn naturgemäß die meisten Flugreisen gebucht werden, vollständig abzudecken. Die jährlichen Gesamtkosten für die Sicherheitsmaßnahmen aller israelischen Airlines werden auf 120 Millionen US-Dollar geschätzt.

Jossi Fattal, Leiter der israelischen Tourismusvereinigung, bremst den Enthusiasmus zusätzlich. »Es ist eine gängige Fantasie, dass man zu lächerlich geringen Preisen durch die Welt jetten kann. Doch es ist nur eine Illusion.« Denn die ganz niedrigen Preise seien lediglich für 20 Prozent der Plätze zu haben. Fattal meint lakonisch: »80 Prozent des Werbegetrommels finden also über 20 Prozent des Flugverkehrs statt.«

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