Kultur

Das Erbe bewahren

Jehudas Löwe: Das Denkmal zur Erinnerung an Joseph Trumpeldor und seine Mitstreiter in Tel Hai. Foto: Flash 90

Es gab einmal eine Zeit, da wollte der Präsident leben wie sein Volk. Zwischen 1952 und 1972 wohnten und arbeiteten die israelischen Staatsoberhäupter nicht in einer Villa mit Ausblick, sondern in bescheidenen Holzhäuschen mitten in Jerusalem. »In Zeiten der Knappheit, in denen die Israelis in Wellblechverschlägen hausen, kann ich nicht in eine Luxusherberge ziehen«, sagte Yitzhak Ben‐Zvi, zweiter Präsident des jungen Staates.

Die Hütten stehen noch heute, jegliches präsidiales Flair ist verflogen, sie werden lediglich als Vortragsräume genutzt. Nun aber ist die einstige Behausung Ben‐Zvis in das Programm zum Schutz der Kulturdenkmäler aufgenommen und wird Museum. Unter der Leitung von Premierminister Benjamin Netanjahu sollen in naher Zukunft 16 Stätten von nationaler Bedeutung im ganzen Land für fast 20 Millionen Euro restauriert werden, darunter auch das Tel‐Hai‐Denkmal in Kfar Giladi.

Programm Insgesamt sind im Plan zur »Renovierung und Stärkung nationaler Kulturdenkmäler und -schätze« 150 Orte und Gebäude aufgelistet, um »das Erbe des jüdischen Volkes zu bewahren«, erläutert die Pressemitteilung aus dem Büro des Premiers. Die Hälfte der benötigten Mittel werde aus der Staatskasse kommen, die andere aus externen Quellen. Ein Großteil der Stätten sind archäologische Ausgrabungen, Museen, Archive und Orte des Gedenkens, dazu kommen Einrichtungen, welche sich der hebräischen Sprache, Literatur, Musik und Kultur verschrieben haben.

»Wir sind uns dieses Programm schuldig«, sagte Netanjahu, »uns, unseren Kindern und zukünftigen Generationen. Wir sind nicht zufällig hier. Die Historie des jüdischen Volkes im Lande Israel, die Geschichte vom Zionismus und die unseres kulturellen wie historischen Erbes finden Ausdruck in den vielen Stätten«. Jene, die er selbst schon vor Jahrzehnten besucht hätte, so der Ministerpräsident, findet er jetzt vernachlässigt und verlassen.

Hütten Tatsächlich erinnert heute nur noch wenig in den zwei hölzernen Hütten an jene Zeit, als sich dort internationale Staatsoberhäupter zum Gespräch einfanden. Doch Netanjahu entsinnt sich: »Ich sehe die Hütten vor mir, bin oft als Kind daran vorbeispaziert. Manchmal habe ich sogar den Präsidenten Ben‐Zvi erspäht, wenn wir im Park Fußball spielten. Erst später ist mir aufgegangen, welcher Schatz sich dort verbirgt.«

Damals waren die beiden Räume über und über mit Geschenken ausländischer Gäste und Werken israelischer Künstler geschmückt. Die meisten sind erhalten und befinden sich heute in Lagerräumen. Unter den herausragenden Stücken sind Holzpanele mit Abbildungen der zwölf Stämme Israels von der Künstlerin Batya Lishansky, ein überdimensionaler, wertvoller Teppich mit Darstellungen aus dem Lied der Lieder sowie ein Glasfenster, gestaltet von Kindern des Jugenddorfes in Ein Karem, dazu Gaben verschiedener Immigrantengruppen und jüdischer Gemeinden aus aller Welt.

Alle Objekte sollen bald wieder ausgestellt werden. »Wir haben verstanden, dass es sich bei den Hütten um ein Mosaik unserer Gesellschaft handelt«, erklärt Nirit Schalew‐Khalifa, Kuratorin am Ben‐Zvi‐Institut. Die Ehefrau des damaligen Präsidenten, Rachel Yanait, habe versucht, in ihrem Haus ein Ideal der »israelischen Bürokratie zu kreieren«.

Ausgrabung Ein anderer Ort, den der Plan als schützenswert einstuft, ist die archäologische Ausgrabung von Tel Lachisch. Zwischen Jerusalem und Tel Aviv in der Nähe von Beit Schemesch gelegen, befinden sich die Ruinen auf einem strategischen Bergpass. Die Besiedlung begann bereits im vierten Jahrtausend vor der Zeitrechnung, später eroberten die Israeliten unter Josua die Stadt.

Der Hügel – auf Hebräisch Tel genannt – gehört zu den größten im südlichen Israel. Unter den Ausgrabungsstücken befinden sich die assyrische Belagerungsrampe, judäische sowie persische Stadttore, der Regierungspalast aus der Eisenzeit, Tempel und der Brunnen der Stadt, der noch immer Wasser hält. Heute liegt das Areal einsam und von Unkraut überwuchert.

Nicht im Plan enthalten und dennoch auf der Rettungsliste der Knesset steht nun auch der Jordan. »Der Fluss ist von höchster nationaler Wichtigkeit: religiös, politisch und historisch. Dazu ist seine Bedeutung für die Umwelt und den Tourismus herausragend«, so das Komitee.

Gerade einmal zwei Prozent seiner ursprünglichen Wassermenge fließen heutzutage noch stromabwärts, und lediglich die Hälfte der einstigen Flora‐ und Faunaarten haben überlebt. Das einst stolze Gewässer ist zu einer stinkenden Kloake geworden.

Angeregt durch das parlamentarische Umweltkomitee kam der traurige Zustand in einer speziellen Sitzung zum ersten Mal überhaupt auf die Agenda. »Die Millionen von Schekeln, die in die Wasseraufbereitung investiert werden, müssen von der Zuleitung von Frischwasser begleitet werden«, machte der Leiter der Umweltschutzorganisation FOEME (Friends Of The Earth, Middle East), Gidon Bromberg, deutlich. »Dann werden die Gemeinden entlang des Flusses wirklich von einem gesunden Gewässer profitieren können.«

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